Archiv der Kategorie: Korfu 2016

06.05.2016: Wien – Bratislava – Korfu – Santa Barbara – Agios Georgios

Lange ersehnt, nun ist er endlich da, der Tag der Abreise zur Wanderwoche auf der Insel Korfu. Für mich bedeutet diese Reise gleich mehrere Premieren. Premiere 1: Ich war zuvor noch nie zuvor in Korfu und auch nicht in Griechenland wandern – die dortigen Gepflogenheiten sind also in der Praxis noch komplettes Neuland. Premiere 2: Erstmals werden wir ausschließlich in Appartements oder Hotelzimmer übernachten, ein wenig entgegen meiner Wanderphilosophie. Premiere 3: Mit insgesamt 11 Mitwanderern erreicht die Gruppengröße eine für mich komplett neue Dimension. Entsprechend ein wenig nervös betrete ich die S-Bahn am Weg zum Flughafen nach Bratislava. In Langenzersdorf steigt Sonja zu, die mir mit ihrer Reiseerfahrung ein wenig als Verstärkung zur Verfügung stehen wird, am Busbahnhof Erdberg warten Heinz, Herta, Susanne und Waltraud auf mich. Heinz, der mich die letzten beiden Jahre auf den Österreich-Touren begleitet hat, hat diesmal seine Frau mitgenommen, die durch die Aussicht auf Badepausen und Doppelzimmer mit privaten Sanitärräumlichkeiten überredet werden konnte. Susanne ist auch schon das dritte Mal dabei, und gehört somit zu meinen A-Kunden. Waltraud ist zwar erstmalig dabei, wird mich aber auch so wie Susanne im Juli nach Island begleiten. Mit dem Flixbus geht es Richtung Flughafen Bratislava.

Vor dem Flughafen Bratislava
Vor dem Flughafen Bratislava

Beim Stopp am Flughafen Wien steigen Martina und Maria zu, die ich bereits von der Tour in Mallorca kenne, sowie die Schwestern Brigitte und Ingrid, die von den beiden angeworben wurden. Nun ist das Team für die Flugreise von Bratislava nach Korfu komplett, und ich kassiere von allen das Geld für die Quartiere ein und lerne meine neuen Mitwanderer ein wenig kennen. Am Airport Bratislava spielen wir das lustige „Wer hat am wenigsten Gepäck“-Spiel und ich muss allen Mitreisenden mein Lob aussprechen angesichts ihrer Rucksackgewichte zwischen 5,5 und 9kg. Die überwiegend weiblichen Mitreisenden waren sehr sparsam beim Einpacken. Unfreiwillig ein wenig Gewichtsreduktion gibt es dann bei Heinz und Susanne, denen ein Scheckkartentool mit integrierten Schraubenzieher bei der Sicherheitskontrolle abgenommen wird. Bei mir wird wiederum als einzigen in der Gruppe ein Abstrich meiner Hände genommen und auf Sprengstoff getestet, obwohl ich mich optisch eigentlich für unauffällig halte. Der Flug mit Ryanair dauert ca. 1,5 Stunden, die uns von zwei halblustigen Flugbegleitern mit dem Versuch, Rubbellose zu verkaufen, verkürzt wird. Insgesamt hat das Ganze etwas von Kaffeefahrt, nur halt mit dem Flugzeug.

Knapp vor der Landung
Knapp vor der Landung

Die Landung in Korfu erfolgt plangemäß um 17:00 Uhr und auf dem kleinen Flughafen haben auch bald alle ihr Gepäck wieder. Ich kümmere mich inzwischen um die Taxifahrt, mit einem Van für 7 Personen und einem Taxi geht es für insgesamt EUR 180,– nach Santa Barbara, den Startpunkt unserer Reise. Meine ersten Eindrücke von Korfu sind eher durchwachsen – viel Schmutz, viele unfertige Rohbauten und eine durchgängig bebaute Küstenstraße begleiten uns die ersten 30 Minuten, bevor es ins Landesinnere geht. Als der Taxifahrer erstmalig von der Hauptstraße abzweigen will, wird er von einer Gruppe älterer, vor einem Haus sitzender Männer davon abgehalten und umgeleitet.

Der Strand von Santa Barbara in der Vorsaison
Der Strand von Santa Barbara in der Vorsaison

Dank ihnen oder trotz ihnen kommen wir 15 Minuten später in Santa Barbara an, wo schon die letzten Mitwanderer Dusanka und Günter auf uns warten. Sie kommen aus Österreich, wohnen aber seit vielen Jahren in Sivota, einer Stadt an der griechischen Festlandküste gegenüber Korfu. Wegen des Streikes der Fährschiffer an diesem Tag mussten Sie sich privat ein Taxischiff organisieren, um nach Korfu zu übersetzen. Nun gibt es eifrige Begrüßungen und Günter zeigt schon in den ersten Minuten seine Qualitäten als Entertainer. Nach einem Welcome-Drink brechen wir zu unserem 1-stündigen Aufwärmspaziergang nach Agios Georgios auf. Es geht einige Zeit direkt am Strand entlang, bevor der Weg ca. 20 Höhenmeter gewinnt und wir die ersten Häuser dieses Touristenörtchens erreichen.

Erstes Gruppenfoto bei Santa Barbara
Erstes Gruppenfoto bei Santa Barbara

Der Ort ist eigentlich eine lieblos hingeworfene, über mehrere Kilometer verstreute Ansammlung von zumeist touristischen Etablissements wie Appartements, Hotels, Restaurants, Kiosken usw. Das Finden des Iron House Apartments mittels meiner von booking.com ausgedruckten Karte ist zwar schwierig, aber machbar. Als Wanderführer mit Stolz und Vertrauen in seine Orientierungskenntnisse muss ich mich dagegen wehren, dass Dusanka gleich am Ortsanfang nach dem Weg fragen will :-). Auch ohne Hilfe stehen wir 15 Minuten später vor den Iron House Apartments, wo wir auch schon erwartet werden.

Die erste Unterkunft
Die erste Unterkunft

Die Unterkunft hat genau die passende Größe für uns 12, denn sie hat exakt 6 Doppelzimmer. Viele selbstgemachte schmiedeeiserne Gegenstände wie z.B. Zaun oder Eingangstor geben der Unterkunft ihren Namen. Die Gruppenmitglieder machen sich schnell frisch und wir begeben uns auf die erste große Herausforderung unserer Tour – die Suche nach einem passenden Abendlokal für alle 12 Mitreisenden. Das eine Lokal ist zu fleischlastig, das zweite zu italienisch und das dritte bietet nur Snacks – am Schluss wird es das erste Lokal, welches tolle Grillgerichte bietet, aber auch für die Vegetarierin Sonja etwas zu bieten hat. Es schmeckt allen und auch Martina ist nachher nicht mehr „hungergrantig“. Gut gesättigt geht dieser erste Tag zu Ende.

07.05.2016: Agios Georgios – Paramonas

Nachdem es am gestrigen Anreisetag etwas später wurde, versammeln wir uns heute ca. um 09:00 Uhr im schönen Garten des Iron House Apartments. Dusanka klagt über einen Kauz, der die ganze Nacht aktiv war und ihr keine Sekunde Schlaf gelassen hat. In unserer Unterkunft gibt es kein Frühstück, also machen wir uns mit den Rucksäcken gleich auf den Weg zur Strandpromenade von Agios Gorgios, wo einige Bars und Restaurants stehen, die Frühstück anbieten.

Sonnenschutz beim Frühstück des ersten Wandertages
Sonnenschutz beim Frühstück des ersten Wandertages

Susanne findet am Weg eine herrenlose Geldbörse, deren Besitzer sich leider nicht mehr ausfindig machen lässt, also wandern die rund EUR 40,– in die Reisekasse für evtl. Mehrausgaben. Unser Frühstück nehmen wir in einer kleinen Bar zu uns, mit direktem Blick aufs Meer. Es wird continental und english breakfast offeriert, was zeigt, dass Korfu in der Saison fest in der Hand von britischen Urlaubern sein dürfte. Relativ spät, um ca. 10:30 Uhr brechen wir zu unserer ersten richtigen Wanderetappe auf, was angesichts der Gehzeit von ca. 4 Stunden aber kein Problem darstellen sollte.

Wunderbare Strandwanderung bei Agios Georgios
Wunderbare Strandwanderung bei Agios Georgios

Der erste Abschnitt führt ebenso wie gestern direkt am Strand entlang. Hier ist die Kunst, jenen Bereich zu finden, wo der Sand am wenigsten nachgibt, ohne von den Wellen erwischt zu werden. Nach einiger Zeit verlassen wir den Strand und erklettern die bewachsenen Sanddünen zwischen dem Meer und dem See Korission, der genau genommen eigentlich eine Meereslagune ist. Wir treffen auf eine Sandpiste, welche auf meiner Karte als Straße eingezeichnet ist. Wenn dies schon als Straße deklariert ist, wie sehen dann erst die Wege aus ?
Nach ca. einer Stunde Gehzeit erreichen wir die engste Stelle der Landzunge zwischen See und Meer und treffen auf den Kanal der beides verbindet. Für Fußgänger existiert eine Brücke oder besser gesagt ein paar zusammengenagelte Baumstämme. Obwohl diese nicht besonders vertrauenswürdig aussehen, nimmt Maria, die ein wenig Höhenangst hat, all Ihren Mut zusammen und schafft dank der helfenden Hände von Herta problemlos die Überquerung.

Maria überquert mutig die Brücke
Maria überquert mutig die Brücke

Wir treffen hier auch erstmals andere Wanderer oder besser gesagt eine Gruppe englischsprachiger Strandspaziergänger. Wir setzen unseren Weg zwischen Meer und See fort und ich muss die Schwimmfraktion unter den Wanderern mehrmals davon abhalten, ins Meer baden zu gehen, indem ich sie auf die Mittagspause vertröste. Für diese habe ich in der Karte die letzte Bucht auserkoren, bevor der Korfu-Trail ein wenig ins Landesinnere abzweigt.

Vegetation am Wegesrand
Vegetation am Wegesrand

Dort angekommen, sieht man, dass die Bucht nur über Privathäuser und einige Treppen erreichbar ist. Also heißt es umdrehen und einige 100 m zurück, wo das letzte Schild zum Strand zu sehen war. Dusanka, Günter und Waltraud sparen sich die extra Meter und verbringen ihre Mittagspause lieber auf einer kleinen Bank, die ca. 30 m über dem Meer in einem kleinen Wäldchen steht. Wir restlichen Wanderer steigen zu einer kleinen Bucht hinab, wo wir einen schönen Sandstrand vorfinden, der uns ganz alleine gehört.

Einsamer Strand für die Mittagspause
Einsamer Strand für die Mittagspause

Kaum angekommen, stürzen sich Susanne, Herta und Sonja ins Meer. Während Susanne wenige Sekunden später kaum mehr auszumachen ist, kühlen sich die übrig gebliebenen Wanderer inklusive mir nur zaghaft ab, indem sie die Füße ins Wasser stecken oder kurz untertauchen. Nach einer Stunde Mittagspause kann ich unsere Badenixen nur schwer zum Weitergehen motivieren, aber schließlich machen wir uns doch auf den Weg. Dieser führt auf kaum befahrenen Asphaltstraßen immer in der Nähe der Küste.

Am Weg nach Paramonas
Am Weg nach Paramonas

Einmal verläuft die Straße so nahe an der Küste, dass sich der größte Teil irgendwann über die Steilküste ins Meer verabschiedet hat. Für Fußgänger ist dieser Teil zum Glück passierbar.

Die Reste der Küstenstrasse
Die Reste der Küstenstrasse

Den Rest des Wandertages geht es mit wenig Höhenunterschied durch Wälder, die überwiegend aus beeindruckend großen Olivenbäumen bestehen. Um ca. 16:00 Uhr treffen wir im kleinen Ort Paramonas ein. Das Land fällt in diesem Teil Korfus relativ stark zum Meer ab, sodass zwischen der Strandtaverne und den ersten Häuser noch 50 m Höhenunterschied sind. Da ich hier nicht alle 12 Wanderer in einem Quartier unterbringen konnte, schlafen vier in der Villa Leena (geführt von einer Finnin) am Berg und die anderen acht in Aristotelis Nikos Paramonas Studios in unmittelbarer Strandnähe.

Erholung in der Taverne Plora
Erholung in der Taverne Plora

Alle gemeinsam gehen wir jedoch, nachdem wir unser Gepäck abgelegt haben, zur Taverne Plora, die schön direkt am Strand liegt und heute den ersten Tag geöffnet hat. Daher ist die Auswahl noch etwas beschränkt, es wird jedoch alles frisch gemacht. Außerdem ist bereits reichlich Ouzo eingekühlt, weswegen die Stimmung im Laufe des Abends immer heiterer wird. Manchen wird es zu heiter, sodass sie sich schon früher in ihr Bett zurückziehen.

Meeresfrüchte- / Fischplatte
Meeresfrüchte- / Fischplatte

Da ich wieder Appartements ohne Frühstück gebucht habe, beschließen wir, etwas einzukaufen und am nächsten Morgen auf der Terrasse der Nikos Paramonas Studios zu frühstücken. Der Wirt der Taverne ist so nett und besorgt uns Brot, Butter und Marmelade vom Supermarkt in der nächsten Ortschaft 3 km weiter. Der Tag endet mit einem herrlichen Sonnenuntergang direkt über dem Meer.

Sonnenuntergang in Paramonas
Sonnenuntergang in Paramonas

08.05.2016: Paramonas – Ano Garouna – Agios Gordios

Wie besprochen richten wir auf der herrlichen Terrasse das Frühstück für alle her. Die vier Mädels von der oberen Herberge stoßen pünktlich um 08:00 Uhr dazu. Dusanka hat diesmal besser geschlafen, jedoch verkündet uns Günter, dass er leider nicht mehr weitergehen kann. Das Tragen des Rucksackes belastet ihn zu sehr und er kann aufgrund der Schulterschmerzen kaum schlafen. Außerdem plagt ihn ein immer wieder auftretendes Schwindelgefühl. Ich schlage ihm vor, dass wir sein Gepäck zur nächsten Unterkunft transportieren können und er es ohne Gepäck probieren kann. Nach kurzer Überlegung beschließt Günter, dass er es ja probieren kann. Mein Versuch, ein Taxi zu rufen, schlägt leider fehl („zur Zeit kein Fahrer bereit, versuchen sie es in einer halben Stunde wieder“), also versuchen wir den netten Tavernenwirt von gestern zu einem Botendienst nach Agios Gordios zum Hotel Pink Palace zu überreden, was auch gelingt. Natürlich geben noch ein paar andere rückenmüde Wanderer Teile ihres Gepäckes ab, damit sich die Fahrtspesen auszahlen :-). Nun können wir zum Glück vollzählig ca. um 09:30 Uhr unsere heutige Tagesetappe antreten. Zuerst geht es ein Stück einer Asphaltstraße entlang, bevor wir auf den ersten richtigen Wanderweg des Corfu Trails stoßen.

Das erste Stückchen Wanderweg
Das erste Stückchen Wanderweg

Auf diesem geht es zwischen Terrassen von Olivenbäumen knackig bergauf, bis wir auf den Beginn einer Schotterstraße stoßen. Dort treffen die ersten von uns auf eine Gruppe deutschsprachiger Wanderer, die auch auf dem Corfu Trail in die gleiche Richtung wie wir unterwegs sind. Die Stelle eignet sich auch gut für eine Pause und ein paar schöne Bilder mit Meereshintergrund.

Heinz und Rene nach dem ersten Anstieg
Heinz und Rene nach dem ersten Anstieg

Anschließend geht es weiter über einen Sattel, bevor es wieder hinab zur Ortschaft Ano Pavliana geht. Dort wird Dusanka von einer älteren Griechen begrüßt und abgebusserlt, als ob sie sich nach 20 Jahren wieder einmal getroffen hätten, dabei kennen sich die beiden gar nicht. Aber mit Dusankas Griechisch-Kenntnissen und ihrer offenen Art lernen wir die griechische Bevölkerung gut kennen. In dem kleinen Dorf gibt es auch ein Kaffeehaus und so kommen wir um eine „kurze“ Vormittagspause mit Kaffee, und dem Testen von griechischen Süßspeisen nicht herum. Kurz nachdem wir das Dorf verlassen haben, sieht unser Weg aus wie im Urwald.

Im Urwald von Korfu
Im Urwald von Korfu

Korfu ist um diese Jahreszeit so wunderbar grün und dicht bewachsen. Direkt am Wegesrand wachsen Orchideen, für die man bei uns im Blumenladen viel Geld zahlen würde. Waltraud bekommt von einem alten Griechen am Wegesrand ein paar Zitronen frisch vom Baum geschenkt, weil sie den Baum so fasziniert angesehen hat.

Zitronen frisch vom Baum
Zitronen frisch vom Baum

Unser Weg führt uns abwechslungsreich durch die kleinen Dörfer Kato Pavliana und Vouniatades sowie durch Wälder, nur kurz vor dem Erreichen des Dorfes Strongili (unsere Mittagsrast) ca. eine halbe Stunde durch eine staubige Ebene in der prallen Sonne. Hier macht Herta bei einer Pinkelpause Bekanntschaft mit einer Schlange, die direkt neben ihr die Flucht ins Dickicht beginnt. Man kann nicht genau sagen, wer sich mehr erschreckt hat ;-). Auch ein Hirte mit seiner Ziegenherde begegnet uns in dieser Ebene.

Hirte mit seiner Herde
Hirte mit seiner Herde

In Strongili liegen direkt am Corfu Trail zwei Tavernen, die zur Mittagsrast einladen. Dusanka übernimmt die Kommunikation, doch der Wirt bringt einfach das, was er loswerden möchte und so entstehen unter den hungrigen Wanderern kleinere Konflikte um die servierten Mahlzeiten. Highlights dieser Taverne sind das Anstoßen auf den Geburtstag des Wirtes (im Oktober!) und die Lieferung von 4 Riesenportionen Eis anstelle eines Eises mit 4 Löffeln.

In der Taverne von Strongili
In der Taverne von Strongili

Gut angegessen und finanziell erleichtert geht es weiter von Strongili wieder bergauf. Als sich unser Weg ein wenig verläuft, sind erstmals meine Orientierungskenntnisse (und die meines GPS) gefragt. Beim Suchen des korrekten Anschlusses zu unserem Corfu Trail schrecke auch ich eine Schlange im hohen Dickicht auf, die sich mit einer Mordsgeschwindigkeit von mir davonschlängelt. Den Weg habe ich trotzdem gefunden und so geht es bei noch immer heißem Wetter vorbei an einer Kirche und einem verfallenen Haus bergauf zum Dorf Komianata.

Der "Hintereingang" nach Komianata
Der „Hintereingang“ nach Komianata

Auf dem entzückenden Hauptplatz möchte Günter eine Griechin mit geschätzten 120 kg, die vermutlich noch nie mehr als 10 Minuten gegangen ist, fragen, wie weit der Weg zu unserem Ziel noch sei.

Dusanka erkundigt sich nach dem Weg
Dusanka erkundigt sich nach dem Weg

Wir passieren die Dörfer Dafnata und Stavros und erreichen einen tollen Aussichtspunkt, von dem aus die Stadt Korfu und der Berg Pantokrator zu sehen sind. Zum Glück ist auch eine britische Touristin dort, die Fotos von uns anfertigen kann.

Ein komplettes Gruppenfoto
Ein komplettes Gruppenfoto

Nach einiger Zeit ist ein Abzweiger nach rechts besser markiert als alles, was wir bisher am Korfu Trail gesehen haben, obwohl der Weg eindeutig nicht zu unserem Ziel Ano Garouna führt. Wir lassen die Abzweigung liegen und setzen den Weg fort. Nach 10 Minuten sammeln wir uns bei der nächsten Weggabelung und müssen feststellen, dass Heinz und Herta nicht nachkommen. Da läutet schon das Telefon von Günter und ich gehe den Weg zurück, bis ich die beiden treffe, als sie den Weg mit der falschen Markierung gerade retour kommen. In größeren Gruppen kann es also tatsächlich passieren, dass jemand den Anschluss verliert und es erst mit Zeitverzögerung auffällt. Der restliche Weg des Tages führt auf schmalem Pfad durch einen schönen Wald mit interessanten Steinformationen, bevor wir das Bergdorf Ano Garouna erreichen.

Merkwürdige Steinformationen vor Ano Garouna
Merkwürdige Steinformationen vor Ano Garouna

Dort rufe ich, wie vereinbart, Magdalena vom Pink Palace Hotel an. Ursprünglich wollte ich in Magdalenas Apartments übernachten, wurde jedoch aufgrund von Renovierungsarbeiten ins Pink Palace Hotel umquartiert, welches doch relativ weit abseits des Corfu Trails liegt. Doch es gab das Angebot, dass wir vom Corfu Trail abgeholt werden. Während ein Teil der Gruppe versucht, eine geschlossene Taverne zum Leben zu erwecken, warten Susanne, Sonja, Herta und ich auf Magdalena. Nach langer Wartezeit und einigen Telefonaten holt sie uns mit ihrem Auto ab, und bringt die ersten 4 Wanderer zum Pink Palace Hotel. Für die restlichen 8 fährt sie bzw. ihr Lebensgefährte noch einmal. Das Pink Palace ist bei booking.com nicht sonderlich gut bewertet und es ist auch klar warum. Eine lieblose Appartementburg mit über 150 Zimmern, welches für junges, englisches und anspruchsloses Publikum gebaut wurde. Der Name Pink Palace ist Programm und somit ist alles in grässlich-schrillem Pink angemalt, was der Anlage somit das Prädikat „Muss man gesehen haben“ bringt.

Verdientes Korfu-Bier auf der Terrasse vom Pink Palace
Verdientes Korfu-Bier auf der Terrasse vom Pink Palace

Das Abendessen ist mit einer gut schmeckenden Gemüsesuppe und appetitlich angerichteten Spaghetti Bolognese mit viel Gemüse jedoch über unseren Erwartungen und rundet einen anstrengenden, aber schönen Tag ab.

09.05.2016: Agios Gordios – Sinarades – Pelekas – Ermones

Das Frühstück beginnt pünktlich um 08:00 Uhr mit einem Abstieg von 120 Treppen zur ebenfalls in Pink gehaltenen Strandbar des Pink Palace. Hier gibt es ein klassisches Hotelfrühstück mit Toastbrot, Butter, Aufstrichen und Ham & Eggs. Wieder 120 Treppen aufwärts zurück zum Hotel, wo Magdalena schon auf uns wartet, um uns zurück zum Corfu Trail nach Sinarades zu bringen. Auch zum Gepäcktransport zum heutigen Tagesziel in Ermones konnte ich sie mit EUR 20,– überreden.

Olivenwälder bei Sinarades
Olivenwälder bei Sinarades

Wir durchqueren Sinarades und gehen die nächsten zwei Stunden entspannt auf breiten Schotterstraßen durch Olivenwälder, bevor wir das Dorf Pelekas erreichen. Dort verführt uns eine kleine Bäckerei und ein nebenan gelegener Platz zu einer Vormittagspause,

Vor der Bäckerei in Pelekas
Vor der Bäckerei in Pelekas

die einige Meter weiter und höher am Kaisers Thron (benannt nach dem Kaiser Wilhelm) gleich nahtlos in die Mittagspause übergeht. Kaisers Thron ist ein wunderschöner Aussichtspunkt am höchsten Punkt des Dorfes Pelekas, von dem man fast ganz Korfu überblicken kann. Auch der Blick zurück zeigt, welch weite Distanzen wir alleine heute und gestern zurückgelegt haben.

Des Wanderführers Rucksack am Kaisers Throne
Des Wanderführers Rucksack am Kaisers Throne

Nach der Mittagsrast führt unser Weg bergab Richtung Meer. Wir passieren den Nacktbadestrand von Mirtiotissas und ich kann Susanne nur mit Unwillen davon abhalten, sich dort in die Fluten zu werfen. Mit dem Versprechen, dass wir heute am Abend direkt am Meer übernachten werden gelingt es dann schließlich doch.

Der Strand bei Mirtiotissas
Der Strand bei Mirtiotissas

Wir passieren auch das Kloster bei Mirtiotissas und der Weg nimmt wieder Höhe auf. Die Anstiege in Korfu sind meist nicht besonders lang, in den doch bereits hohen Temparaturen zu mittags sind sie aber doch sehr schweißtreibend.

Brigitte genießt den Meeresblick
Brigitte genießt den Meeresblick

Nachdem wir knapp 250m Höhe erreicht haben, geht es nun rasch hinunter zum Dörfchen Vatos. Dort verlassen wir den Corfu Trail, um zu unserer Unterkunft, den Rosa Bella Corfu Suites in Ermones zu gelangen. Um 16:00 Uhr treffen wir in dieser sehr schönen klassischen Hotelanlage mit Apartments ein. Der Portier ist zwar sehr freundlich, wirkt aber etwas verpeilt. So bringt ihn die Buchung von 4 Zweibettzimmer und 1 Vierbettzimmer ziemlich durcheinander. Sowohl er als auch der Page, der uns zu den Zimmern führt, scheinen nicht genau zu wissen, welches Zimmer wieviele Betten hat, schließlich finden wir aber doch alle unsere Plätzchen.

Der Ausblick in den Rosa Bella Corfu Suites
Der Ausblick in den Rosa Bella Corfu Suites

Nun gibt es freie Nachmittagsgestaltung für alle außer für mich. Ich rufe Magdalena an und wir vereinbaren, uns eine halbe Stunde später bei der Brücke vor Ermones zu treffen. Diese halbe griechische Stunde entspricht in europäischer Zeit einer Stunde und so warte ich 30 Minuten an einem der weniger attraktiven Fleckchen Korfus auf das Gepäck meiner „Luxustouristen“.

Korfiotische Vegetation
Korfiotische Vegetation

Nach einer Dusche und einem Blick zum Strand sowie einem griechischen Mythos-Bier in der Taverne sieht das Leben aber wieder deutlich besser aus :-). Den Gepäckstransport für morgen handele ich mit dem seltsamen Portier aus, der mir zusichert, dass er für EUR 40,– unser Gepäck im Laufe des nächsten Tages in die Nähe seines Heimatdorfes Pagoi bringt. Den Abend verbringen wir ebenfalls gemeinsam in einer Taverne direkt am Strand. Dort bereite ich die Gruppe mental auf die morgige, sehr lange Etappe vor. Die Stimmung ist trotzdem sehr ausgelassen.

Ohrenreiben in der Taverne
Ohrenreiben in der Taverne

Humoristischer Höhepunkt des Abends ist dabei, dass Heinz sich an den Ohren reibt.

10.05.2016: Ermones – Paliokastritsa – Agios Georgios (Nord)

Aufgrund der bevorstehenden Etappe beginnen wir das Frühstück frühestmöglich um 07:30 Uhr. Wir werden mit einem sehr umfangreichen und guten Frühstücksbuffet verwöhnt. Maria und Martina (M&M) nutzen die dabei angebotenen Kuchen, um eine kleine Geburtstagstorte für Brigitte zu basteln, wobei natürlich alle Anwesenden beim Happy Birthday miteinstimmen.

Alles Gute zum Geburtstag, Brigitte
Alles Gute zum Geburtstag, Brigitte

M&M erzählen dabei auch, dass sie mitten in der Nacht aufgrund feucht-nasser Bettwäsche ins nebenliegende Hotel Philoxenia übersiedelt sind, um eine trockene Nacht verbringen zu können. Trotzdem sind alle ausgeschlafen, als wir um 08:30 Uhr das Hotel verlassen und wie üblich einen Berg Gepäck für den Transport zum nächsten Ziel hinterlassen. Auf Asphaltstraßen geht es vom Strand weg Richtung Landesinnere immer begleitet vom Quaken der Frösche, die es sich in einem der wenigen Bäche Korfus heimisch gemacht haben. Wir erreichen die Einfahrt zum Golfklub Corfu und biegen auf die Verbindungsstraße nach Giannades ab. Diese wechselt bald zu einer schattigen Schotterstraße. Unspektakulär geht es in der Ebene dahin, nur das letzte Stück nach Giannades geht es bergauf.

Günter vor der Aussichtsterrasse von Giannades
Günter vor der Aussichtsterrasse von Giannades

Am Berggipfel befindet sich auch eine kleine Bäckerei / ein Kiosk, gerade recht für ein zweites Frühstück. Wir verlassen Giannades beim Hinterausgang und wandern die ganze Zeit auf Schotterstraßen, zuerst in der Sonne, dann wieder in den bereits lieb gewonnenen Olivenhainen. Die breite, leicht zu gehende Strecke ermöglicht angeregtes Plaudern und so erreichen wir rasch das Bergdorf Liapades, das uns mit seinen engen Gassen und vielen klassischen griechischen Details empfängt.

Hauseingang in Liapades
Hauseingang in Liapades

Am Hauptplatz von Liapades finden wir eine Taverne, in der ein paar britische Wandersleute sitzen. Diese Gruppe sind erst die zweiten Wanderer, die wir auf unserem Weg treffen. Mit Aussicht auf eine Mittagspause am Strand ganz in der Nähe von Paleokastritsa drängt die Gruppe rasch weiter und schon kurz darauf sind wir ganz in Meeresnähe. Der Weg geht jedoch nicht in die gewünschte Richtung und ein Blick auf das GPS zeigt, dass wir im Bergabgehen eine Abzweigung übersehen haben. Also wieder 60 Hm bergauf und die richtige Abzweigung nehmen, bevor wir tatsächlich am Mittagsziel, dem Strand von Liapades, ankommen. Hier ist es richtig entspannend.

Der Strand von Liapades
Der Strand von Liapades

Eine kleine Bucht mit nur wenigen Leuten und eine Bar, die für perfekte musikalische Untermalung (Phil Collins) sorgt, ermöglicht eine Mittagspause, die für alle Mitwanderer etwas zu bieten hat. Aufgrund der langen Etappe muss ich meine Gefährten nach einer Stunde wieder aufscheuchen und wir begeben uns sogleich auf die Wegsuche. Nach einigem Probieren entdecke ich, dass der Corfu Trail quer an Pool und Spielplatz einer Hotelanlage vorbeiführt. Ein seltsames Bild geben wir 12 Wanderer teils mit Stöcken und Rucksäcken bewaffnet ab, wie wir an den Badegästen auf ihren Liegen vorbeimarschieren.

Wandern am Korfu-Trail :-)
Wandern am Korfu-Trail 🙂

Gleich darauf befinden wir uns aber mal wieder auf einem richtigen Wanderweg, der sogar einmal eine 2 m hohe Leiter zur Überwindung eines kleinen Felsens bietet.

Die gefährlichste Stelle
Die gefährlichste Stelle

Es geht nun abwechselnd über Asphalt- und Schotterstraßen sowie Wanderwegen bergauf. Dabei passieren wir auch einen uralten kaputten LKW, der schon komplett von Blumen überwuchert ist.

Die Natur setzt sich durch
Die Natur setzt sich durch

Die Wanderwege sind zwar schön, aber durchaus herausfordernd zu finden, da nur unzureichend markiert. Die heißen Temperaturen am Nachmittag machen allen beim Anstieg zu schaffen und einige Wasserflaschen sind geleert, bevor wir Lakones erreichen. Dieses Bergdorf liegt herrlich ca. 300 m über Paleokastritsa und bietet lt. Reiseführer einen der schönsten Ausblicke des Mittelmeeres.

Die Bucht von Paleokastritsa
Die Bucht von Paleokastritsa

Wir genießen dabei auch Eis und Getränke, die der erste Kiosk des Dorfes zu bieten hat. Das sehr langgezogene Dorf bietet noch Hotels, Lokale und knapp vor Ende Alkis Olivenholzkunstwerke. Bei diesem angeblich über die Landesgrenzen hinaus bekannten Künstler decken sich einige von uns mit Mitbringsel ein, auch ich besorge zwei Halsketten mit handgemachten Olivenholz-Anhänger für meine daheimgebliebenen Frauen. Der Corfu-Trail führt hier noch länger auf einer Asphaltstraße entlang, bevor es durch die Wälder zum Dorf Krini geht. Anschließend fehlt uns noch ein Stückchen, bevor wir ein kleines Felsentor erreichen.

Das Felsentor vor Agios Georgios
Das Felsentor vor Agios Georgios

Hier ist der Corfu Trail spektakulär an einem steilen Abbruch angelegt und bietet ebenfalls herrliche Ausblicke. Für uns besonders erfreulich ist, dass nach dem langen Tag bereits unser heutiges Ziel Agios Georgios zu sehen ist.

Herta mit vollem Elan
Herta mit vollem Elan

Doch zuvor müssen wir noch ein wenig absteigen und uns an den bewaldeten Küsten entlang hanteln. Einen abzweigenden Weg, der mit Agios Georgios gekennzeichnet ist, lasse ich bewusst links liegen, da sowohl Karte als auch GPS den Hauptweg als wesentlich kürzer ausweisen. Wir gehen plaudernd und langsam müde werdend dahin und stehen plötzlich vor einem Erdrutsch, der die teilweise asphaltierte Straße vor längerer Zeit Richtung Tal befördert hat. Es ist nicht zu erkennen, wo die Route weiterführt und so walte ich meines Amtes als Wanderführer und übernehme die Wegsuche. Das Gelände ist relativ steil und dornenreich und so benötige ich mehrere Anläufe, bevor ich den Anschluss der Straße etwas weiter talwärts und einen halbwegs sicheren Weg dorthin finde.

Die Gruppe wartet auf die Rückkehr des Wegsuchers
Die Gruppe wartet auf die Rückkehr des Wegsuchers

Als ich zurückkomme und die frohe Nachricht überbringe, machen wir uns alle auf den Weg über aufgelassene in Terrassenform angelegte Olivenplantagen. Brigitte bedankt sich noch extra für dieses kleine Zusatz-Abenteuer zu ihrem Geburtstag, als plötzlich unser Pfad abermals endet. Zwei Wegalternativen erweisen sich beide als zu gefährlich, um die ganze Gruppe darüberzuschleusen und so bleibt nur der lange Weg zurück. Nicht nur, dass wir nun gut ca. 2 km wieder bergauf und zurückgehen müssen, es sind auf dem neuen Weg noch weitere 3 km zu überwinden, bevor wir jene Stelle passieren können, von der wir bereits nur knapp 100m Luftlinie entfernt waren.

Der Beweis für die heutige Marathon-Etappe
Der Beweis für die heutige Marathon-Etappe

Zum Glück tragen es alle mit Fassung und nehmen trotz Blasen und Müdigkeit noch alle Kraft zusammen, um knapp vor 20:00 Uhr unser Ziel zu erreichen. Gott sei Dank liegt Kostas Apartments gleich zu Beginn des langgezogenen Strandortes. Wir laden das Gepäck ab, und duschen uns rasch, bevor wir uns (exkl. Susanne, die ihre Blasen versorgt) auf den kurzen Weg zu einer Taverne in Strandnähe machen, die durch uns heute ein wenig länger geöffnet hat. Dusanka und der Wirt verstehen sich ausgezeichnet. Das hat zur Folge, dass wir durch die angeregten Konversationen noch etwas länger warten müssen, bis unser großer Hunger nach diesem anstrengenden Tag gestillt wird.

Tzatziki zur Aufmunterung
Tzatziki zur Aufmunterung

Das Essen ist jedoch ausnahmslos frisch gekocht, sehr lecker und mehr als reichlich, sodass am Ende alle satt und glücklich sind, diese 33km-Etappe (inkl. 6 km ungeplantem Mehrweg) geschafft zu haben.

11.05.2016: Agios Georgios – Valanio – Sokraki bzw. Spartilas

Auch unser Frühstück am nächsten Tag nehmen wir in der Taverne ein, wo der Wirt unseretwegen extra früher öffnet. Es sind weiterhin alle an Bord und über Nacht ausreichend erholt, um die heutige Etappe in Angriff zu nehmen.

Frühstück in Agios Georgios
Frühstück in Agios Georgios

Um die gestrigen Extra-KM ein wenig auszugleichen, kürze ich eine Schleife und ca. 250 Hm des Original Corfu Trails und wir machen uns unmittelbar auf den Weg zu den Dörfern Aspiotades und Manatades. Es ist heute erstmalig ein wenig bewölkt und so kommen wir bei angenehmen Wanderwetter zügig voran. Es gibt nur eine kleine Pause in der Apotheke von Agios Athanasios, um den Vorrat an Blasenpflastern wieder aufzustocken.

M&M in einer der Ortschaften am Weg
M&M in einer der Ortschaften am Weg

Noch vor Mittag erreichen wir das Etappenziel der Etappe 10 meines gelben Korfu-Wanderführers, eine relativ stark befahrene Straße in der Nähe der Ortschaft Drosato, auf der die korfiotische Polizei gerade Kontrollen durchführt. Ein Polizist wüsste auch schon den „richtigen“ Weg für uns, doch ich entscheide mich für die originale Variante des Corfu-Trails. Der gewählte Weg verwandelt sich in wenigen Minuten von einer Schotterstraße in einen herrlich verwachsenen, von meterhohen Gräsern und Farnen gesäumten Wanderpfad, der sogar von einer kleinen Bachüberquerung durchkreuzt wird.

Bachüberquerung
Bachüberquerung

Nach einigen Minuten, wo wir dem nur schwach ausgetretenen Steig folgen, endet dieser abrupt. Ein Blick auf das GPS zeigt, dass alle zwölf Wanderer eine Abzweigung verpasst haben, da unser Blick immer auf den Boden gerichtet war. Schnell korrigiert geht es nun ziemlich direkt bergauf, bis wir das Bergdorf Valanio erreichen, das wir uns für die Mittagspause ausgesucht haben. Rasch ist klar, eine offene Taverne gibt es hier keine, dafür einen „Supermarkt“, also ein 20 m2 großes Lokal, das von allem ein bisschen was hat.

Unser Rastplatz in Valanio
Unser Rastplatz in Valanio

Uns genügt es zum Erwerb von frischen Tomaten und einem Eis, welches wir am Hauptplatz verzehren und dabei die Katzen des Ortes beobachten, wie sie in einem kleinen Flugzeug im Vorgarten eines Hauses spielen. Nach ca. einer Stunde Pause geht es weiter, allerdings nur kurz, denn dann passiert ein kleiner Unfall. Herta steigt auf ein Gullygitter, von dem eine Strebe unter der enormen Last zusammenbricht und Herta bis zum Knie einbricht. Dabei erleidet sie ein paar Kratzer an der Hautoberfläche und das Knie bekommt einen ordentlichen Schlag ab.

Herta bestens betreut nach Ihrem Unfall
Herta bestens betreut nach Ihrem Unfall

Nach professioneller Erstversorgung durch die gelernte Krankenschwester Susanne, die ihr einen Verband anlegt, kann Herta aber weitergehen. Zum Glück verlassen wir die Stadt und lassen Gefahren wie Kanaldeckel somit hinter uns. Unser Weg führt sehr lange auf einer Schotterstraße fast auf gleicher Höhe entlang, was vor allem Dusanka sehr gut gefällt. Das letzte Stück vor Sokraki geht es von der Schotterstraße weg, auf einen sehr engen und steilen Wanderweg, der von zahlreichen dornigen Gewächsen gesäumt ist.

Dornenreicher Weg nach Sokraki
Dornenreicher Weg nach Sokraki

Mehr als einmal bleibt mein Rucksack irgendwo hängen und am Ende muss ich mir zahlreiche dornige Blätter aus den Haaren und dem Gewand entfernen. Abseits des Weges sehen wir einen ausrangierten Herd liegen. Leider nicht das erste Mal, dass wir mehr oder weniger große Müllablagerungen in der idyllischen Landschaft sehen. Der Weg öffnet sich und führt in das Dorf Sokraki. Nach der Buchung der ersten sechs Wanderer habe ich in der Nachbarortschaft Spartilas unser Quartier reserviert. Als weitere sechs dazu kamen, war nur mehr Platz für zwei und ich musste daher die Agallis Corfu Studios im Ort Sokraki dazubuchen. Wir betreten die Appartementanlage und staunen nicht schlecht, welch schicke Unterkunft sich in diesem unscheinbaren Örtchen verbirgt. Ein Pool, ein toller Ausblick, sehr saubere und liebevoll eingerichtete Zimmer sowie ein Geschenkskorb mit Olivenöl, Marmelade, Kekse und Limoncello erwarten uns.

Geschenkskorb im Agallis Residence Suite
Geschenkskorb im Agallis Residence Suite

Für Herta gibt es von der sehr netten Wirtin auch ein Coolbag für ihr Knie. Weil Platz ist, beschließen wir, dass neben M&M, Sonja und mir auch Heinz und Herta hier bleiben, damit sich das Knie erholen kann. Ich begleite ohne Gepäck noch den Rest der Gruppe auf den ca. 1-stündigen Weg nach Spartilas. Dieser Weg ist schön und abwechslungsreich und führt zum Schluss durch ausgedehnte Weinplantagen. Sogar Artischoken und andere faszinierende Gewächse finden wir vor. Der letzte Teil des Weges geht wieder einmal auf Asphaltstraßen bis zum Beginn des Dorfes Spartilas, welches langgezogen am Hang des Berges Pantokrator liegt und herrliche Ausblicke auf Korfu-Stadt bietet. Leider liegt die Villa Elia am anderen Ende der Hauptstraße und so gibt es noch 15 Minuten Extra-Gehzeit, die ich auch wieder zurückgehen darf. Die Villa Elia ist ebenfalls eine traumhafte, feudal eingerichtete Unterkunft mit herrschaftlichem Kaminzimmer im EG und drei schönen Doppelzimmern im 1. Stock. Günter möchte mich unbedingt überreden, dass ich per Taxi wieder zurück nach Sokraki fahre, ich lehne jedoch dankend ab und mache mich um 18:00 Uhr mit Hertas Gepäck zurück auf den Weg. Bergab laufend und bergauf mit schnellem Schritt bin ich 40 Minuten später wieder zurück bei den anderen, nachdem der Hinweg fast 1 Stunde 30 Minuten gedauert hat.

Hängematte mit Meeresblick in der Ferne
Hängematte mit Meeresblick in der Ferne

Sonja und Co. haben es sich inzwischen gemütlich gemacht. Nach einer Dusche machen wir uns zu sechst schon auf die Suche nach einer Taverne. Am übersichtlichen Hauptplatz finden wir neben einer kleinen, einfachen Schankstube mit einer Snack-Speisekarte auch ein Geschäft mit Olivenschnitzereien, welches ausgiebig erkundet wird. Der Wirt der Taverne ist sehr bemüht und wir bekommen Saganaki (Gebackenen Fetakäse) und Tzatziki für alle.

Gut versorgt in der Taverne von Sokraki
Gut versorgt in der Taverne von Sokraki

Bei Hertas Versuch, den Roséwein als Salatmarinade zu verwenden, bekommt der Wirt beinahe einen Kollaps, greift sich verneinend an den Kopf und holt rasch den fehlenden überreifen Essig. Sogar der Wunsch nach einer Nachspeise wird uns durch einen Karton mit übrig gebliebenen Hochzeitsbäckereien erfüllt. Inzwischen beobachten wir das Dorfleben (Sonja spricht von einer Inszenierung), wie sowohl der älteste als auch ein jüngerer Dorfbewohner in der Taverne vorbeischauen, um die ersten Touristen des Jahres zu begutachten. Mit den ersten Regentropfen unserer Wanderwoche kehren wir zu unserer Unterkunft zurück, wo wir in der Ferne einige Blitze beobachten können.

12.05.2016: Sokraki – Spartilas – Mt. Pantokrator – Nissaki – Korfu-Stadt

Per Telefon haben wir mit unseren Mitwanderern in der Nachbarortschaft ausgemacht, dass wir um 08:30 Uhr gemeinsam in deren Villa frühstücken und am Weg durch Spartilas Lebensmittel mitnehmen werden. Also brechen H&H, M&M, Sonja und ich schon knapp nach 07:00 Uhr bei wolkenverhangenem Himmel aus unserer kuscheligen Unterkunft auf und nehmen noch Marmeladen und Tee aus unserem Geschenkskörbchen mit. Der Weg nach Spartilas ist mir beim dritten Mal ja schon bestens bekannt und so kommen wir abgesehen vom Anlegen unserer Regenbekleidung zügig voran.

Unser Frühstückstisch
Unser Frühstückstisch

Als wir knapp nach 08:00 Uhr in Spartilas eintreffen, hat gerade der dortige Supermarkt geöffnet und gemeinsam mit der gegenüberliegenden Mini-Bäckerei (2 Sorten Brot) kaufen wir für EUR 12,– Frühstück für 12 Personen ein. In der Villa Elia ist bereits die Frühstückstafel vorbereitet und wir essen das letzte Mal in großer Runde gemeinsam. Aufgrund des schlechten Wetters und unterschiedlicher Interessen teilt sich die Gruppe.

Erklärung der Varianten
Erklärung der Varianten

Dusanka und Günter verabschieden sich, da sie heute die Fähre zurück ans Festland nehmen wollen, um nach Hause zu fahren. M&M, H&H, Ingrid und Brigitte wollen den Tag mit schlechtem Wetter lieber in Korfu-Stadt verbringen. Waltraud, Susanne und Sonja wollen den für eine Woche gebuchten Wanderführer wirklich komplett nutzen und entscheiden sich, trotz schlechten Wetteraussichten mit mir wie geplant den Pantokrator zu besteigen. Die Städtetouristen nehmen bei ihrer Taxifahrt auch gleich unser Gepäck mit, sodass die vier Wanderer sich um ca. 09:30 Uhr nur mit Tagesgepäck bewaffnet auf den Weg machen. Gleich nach Verlassen des Dorfes Spartilas erwartet uns ein Wanderweg, so wie wir ihn von zu Hause kennen – ein schöner, schmaler Pfad, der überwiegend durch Wald führt. Wir gewinnen rasch an Höhe und erreichen das Plateau des Pantokrator auf ca. 700 m Höhe. Es nieselt ein wenig bzw. hängen die Wolken sehr tief, sodass wir ab 600 m Höhe in mehr oder weniger dichten Nebel unterwegs sind. Trotzdem oder gerade deswegen empfinde ich diesen Abschnitt als einen der schönsten der gesamten Strecke, da sich eine ganz besondere Stimmung entwickelt. Die Wegfindung auf der Hochebene ohne konkretem Orientierungspunkt und mit schlechten Markierungen ist nicht ganz einfach und so müssen wir auch zwei kleine Umwege in Kauf nehmen, wo uns das GPS wieder auf den richtigen Pfad bringt.

Selfie am höchsten Punkt unserer Tour
Selfie am höchsten Punkt unserer Tour

Schlussendlich erreichen wir sicher die asphaltierte Straße, die zum Gipfel des Pantokrators führt. Mangels Sicht entscheiden wir uns, die letzten 150 Höhenmeter zu sparen, da außer der heute nicht vorhandenen Aussicht auf den Gipfel nichts auf uns wartet. Nach ein paar „Gipfelselfies“ geht es also bergab auf einer langen Schotterstraße, die sich schier endlos an den Flanken des Pantokrator entlangschlängelt. Gleich zu Beginn weist mich mein GPS darauf hin, dass entlang des Weges ein Geocache versteckt ist. Diese Information wird gleich genutzt, um Susanne und Waltraud in die Geheimnisse des Geocaching einzuweihen. Der Cache „Ouzo2“ ist in wenigen Minuten gefunden und geloggt. Immer leicht abwärts geht es nun die Schotterstraße entlang, vorbei am verlassenen Ruinendorf Sinies.

Der Weg nach Nisaki im Regen
Der Weg nach Nisaki im Regen

Die Straße wechselt dann plötzlich von Schotterstraße auf Asphaltstraße mit perfektem Asphalt und Leitplanken sowie fast zweispurigem Ausbau, bevor sie unvermittelt wieder in eine Schotterstraße mäßiger Qualität übergeht. Der genaue Zweck der Asphaltierung erschließt sich uns nicht :-). Auf knapp 200m Höhe würde der Corfu Trail noch einige Höhenmeter gewinnen und einige Täler ausgehen, wir entscheiden uns – aufgrund des mittlerweile einsetzenden Regens – den direkten Weg zur Küste zur Ortschaft Nissaki zu gehen. Langsam erreichen wir die ersten Häuser und Susanne holt mit zwei Ausrutschern auf dem Asphalt noch etwas nach, was ihr die ganze Woche verwehrt geblieben ist. Wir stoßen genau bei einer Bushaltestelle auf die Küstenstraße und können dem dortigen Fahrplan mit etwas Mühe entnehmen, dass in einer Stunde der nächste Bus kommen soll. Also gehen wir eine kleine Abzweigung zum Meer und beschließen diesen heutigen Wandertag mit ein paar kleinen Snacks in einer Taverne direkt am Meer. Der Bus kommt dann ca. 15 Minuten nach der angegebenen Zeit und bringt uns in ca. 40 Minuten nach Korfu-Stadt. Der dortige Busbahnhof ist nur wenige Minuten vom Hotel Bretagne entfernt, welches ich wegen der Flughafen-Nähe als Quartier für unsere letzte Nacht in Korfu gewählt habe. Unsere Mitwanderer sind von ihrer Sightseeing-Tour schon zurück und erwarten uns bereits im Hotel. Nach der Körperpflege führt uns Heinz mit der letzten noch ungetragenen Kleidung in ein nettes Lokal in Korfu-Stadt. Dort verbringen wir einen unterhaltsamen letzten gemeinsamen Abend. Alle Anwesenden sind voll des Lobes für den Wanderführer, was mich sehr freut, aber es hat sich in dieser Woche auch wirklich alles gut gefügt und trotz großer Gruppe gab es nur geringe Meinungsverschiedenheiten.

13.05.2016: Korfu-Stadt – Sightseeing – Bratislava – Wien

Um 05:30 Uhr versammeln wir uns in der Hotellobby, denn schon um 07:05 Uhr hebt unser Flugzeug vom Flughafen ab. Zu Fuß (!) gehen wir in 10 Minuten zum Flughafen. Dort erwartet uns eine negative Überraschung. Unser Flug ist mit Verspätung von über 9 Stunden auf 17:30 Uhr datiert.

Heftige Flugverspätung
Heftige Flugverspätung

Nach einer halben Stunde Wartezeit am Flughafen zur Klärung der Situation wird klar, dass dies die frühestmögliche Abflugszeit ist. Also machen wir mit unserem Gepäck kehrt marsch, um es in der Hotellobby zu deponieren und noch einen Tag in Korfu-Stadt zu verbringen. Da sich das Wetter heute wieder von seiner besten Seite zeigt, sind auch jene sechs, die bereits gestern hier waren, nicht böse und können so ihr Kulturprogramm fortsetzen.

Am Hafen von Korfu
Am Hafen von Korfu

Nach gemeinsamen Marsch in die Innenstadt trennen sich die Wege. Sonja und ich gehen kurz bummeln, um uns danach mit Geocaching die Zeit zu vertreiben. Auch Waltraud stoßt dazu und findet in kurzer Zeit den zweiten Cache ihres Lebens. Bei der Suche nach Schätzen spüren wir auch auf ein Restaurant auf, welches die Tische auf Stufen aufgebaut hat.

Essen auf Stufen
Essen auf Stufen

Wir nutzen den zusätzlichen Urlaubstag noch für ein gemeinsames Mittagessen in diesem originellen Ambiente. Nach ausgiebigem Shopping machen wir uns um 15:00 Uhr auf den Weg zum Hotel (Gepäck) und weiter zum Flughafen.

Letzter Blick auf Korfu
Letzter Blick auf Korfu

Der Flieger hat zwar weitere Verspätung und hebt erst um ca. 18:00 Uhr tatsächlich ab, doch schlussendlich landen wir alle wohlbehalten in Bratislava. Im Flixbus nach Wien essen wir geheim (der Fahrer mag das nicht) unsere restlichen Vorräte und ich muss mich in der umgekehrten Reihenfolge wie vor einer Woche von meinen treuen Mitstreitern verabschieden.