Archiv der Kategorie: Amalfiküste 2019

Entlang der Amalfiküste bei Neapel von Salerno nach Sorrent

19.05.2019: Wien – Neapel – Vietri sul Mar

Die letzte Reise durch Lappland ist knapp ein Monat her und schon geht es wieder fort, diesmal in den Süden. Daher fühle ich mich auch etwas unvorbereitet, ein Indiz dafür ist, dass ich den Rucksack erst am Vortag fertig packe. Am Weg zum Flughafen nehmen mich Heinz & Herta mit um 11:00 Uhr ist Treffpunkt mit den anderen sieben Mitwanderern, die mit mir gemeinsam von Wien nach Neapel fliegen. Susanne H. ist als Stammkundin schon zum siebenten Mal dabei. Uyangaa läßt sich die Teilnahme trotz des lädierten Knies aus Lappland nicht vermiesen. Erika und Susanne M. begleiten mich zum zweiten Mal im Mittelmeerraum und auch Dusanka (war bereits in Korfu dabei) ist wieder mit von der Partie. Die männlichen Teilnehmer Gerhard (der Dolomiten-Mann) und Franz (der Lebensgefährte Susannes) komplettieren das Team.

Team Wien Austrian Airlines

Nach erfolgreichen Selbst-Check-In geht es mit Austrian nach Neapel. Bei der Landung ist es bewölkt, trotzdem kann man den Vesuv gut erkennen, bevor wir auf den sehr stadtnahen Flughafen von Neapel landen. Das Gepäck ist vollständig und hinter dem Gate warten noch Silvia (Dusankas Freundin aus Deutschland) sowie Claudia und Hannes (sind aus Kostengründen zwei Stunden früher mit EasyJet geflogen) und komplettieren das Teilnehmerfeld von 13 Wanderern. Eine kleine, untersetzte Frau hält auch bereits ein Schild mit meinem Namen in der Hand, wie es bei der Buchung des Taxis nach Vietri sul Mare versprochen wurde. Es dauert allerdings noch einige Minuten, bevor der Taxifahrer kommt, und uns zu seinem Taxi bringt, wobei die Bezeichnung Klein-Bus für das Gefährt, in das 15 Personen passen wohl treffender wäre 😉.

Unser Reisebus von innen

Gleich nach dem Flughafen sehen wir in der Ferne schon die Bergkette Monte Lattari, die wir die nächsten 5 Tage durchstreifen werden. Nach etwas über einer Stunde erreicht der Fahrer Vietri sul Mar besitzt hier aber augenscheinlich keine Ortskenntnis. Zuerst verpasst er die richtige Abzweigung und anschließend versucht er uns direkt zum Quartier in der Fussgängerzone zu befördern. Ein netter Polizist weist ihm den Weg und macht dann anschließend sogar ein Foto von uns allen zusammen.

Die komplette Truppe in Vietri Sul Mare

Gleich zu Beginn sind wir aufgrund der Gruppengröße auf zwei Quartiere aufgeteilt. Zwei Pärchen bringe ich in die Unterkunft Vietri 360 während die anderen 9 sich drei Dreibettzimmer in der Unterkunft B&B Lumasa teilen. Beide Quartiere sind von außen kaum zu finden und befinden sich in typischen italienischen Wohnhäusern, die innen sehr verwinkelt aufgebaut sind.

Vietri Sul Mar

Da wir um 16:00 Uhr angekommen sind, ist noch Zeit bis zum Abendessen und wir vereinbaren die Zeit bis 19:00 Uhr zur freien Gestaltung.

Minimundus a la Vietri

Trotzdem treffen wir uns fast alle am Strand von Vietri wieder, der sich fast 100 Höhenmeter unterhalb des Ortszentrums befindet. Vietri ist ein nettes kleines Städtchen, das dominiert wird von vielen kleinen Geschäftchen, die die hier produzierten keramischen Produkte verkaufen.

Am Strand von Vietri

Das Meer ist heute zu unruhig, sodaß selbst die hartgesottenen Badenixen ein Schwimmrunde verweigern, dafür finden wir eine Pizzeria, wo wir uns zu sechst drei Pizzen teilen, die um 5 EUR pro Stück sehr preiswert sind und trotzdem sehr deliziös munden. Auch ein kleines Eis geht sich als Vorspeise noch aus, bevor wir uns am Treffpunkt zwischen unseren beiden Quartieren treffen.

Unser Plan für die nächsten 5 Tage

Wir wählen das nächstgelegene Lokal, wo wir in großer Runde hauptsächlich Pastagerichte zu uns nehmen. Beim Heimkommen weht uns in der Unterkunft Lumasa der Geruch von frisch gebackenen Kuchen entgegen und damit gibt es noch ein süßes Betthupferl 😊, bevor wir unsere erste Nacht an der Amalfi-Küste antreten.

20.05.2019: Vietri Sul Mar – Minori:

Die erste Nacht auf einem Einzelschlafsofa (Erika und Susanne haben sich ein Doppelbett geteilt) verlief sehr ruhig, obwohl es immer wieder geregnet hat. Auch beim Aufwachen begrüßt uns ein Regenguss, kurz danach scheint aber wieder die Sonne. Zum Frühstück gibt es den gestern gebackenen Kuchen sowie sonst allerlei süße Sachen. Mein Sonderwunsch nach einer heißen Schokolade wird erfüllt, jedoch stellt sich dies als eine Art extrem süßer Schokopudding heraus, wie ich ihn schon mal in Mallorca erhalten habe. Als wir uns nach dem Frühstück mit den anderen treffen beginnt es gerade wieder zur regnen.

Kurz vor dem Aufbruch

Wir starten also unseren ersten Tag in kompletter Regenmontur und laufen zu Beginn den gleichen Weg wie gestern zum Strand von Vietri im strömenden Regen. Trotz Blick auf die Karte finde ich den Weg vom Meer bergauf Richtung Raito nicht sofort, sondern benötige die Hilfe des GPS, um den in einem Hauseingang versteckten Wegeingang zu finden.

Die ersten Höhenmeter sind geschafft.

Der Regen hat mittlerweile wieder aufgehört und der bewölkte Himmel ist recht angenehm, da es nun knapp 300 Hm über enge Wege und Stiegen bergauf geht. Die Wegfindung ist weiterhin nicht leicht, aber mehr als einen kleinen Umweg müssen wir nicht machen. Wir durchqueren das Örtchen Raita und halten uns weiter bergauf entlang einer langen Mauer, mittlerweile schon auf einem „richtigen“ Wanderweg.

Übersichtsplan unserer heutigen Tour

Nach einer Stunde erreichen wir das Örtchen Albori, welches am Ende einer Sackgasse liegt. Ab hier startet der Wanderweg zum Santuario del Avvocata, der zuerst noch dem Berg entlang recht flach dahingeht. Am Weg liegen hie und da einige vom Baum geschüttelte Exemplare von Amalfi-Zitronen, die von der Größe her näher bei Grapefruits liegen. Ich schäle und esse eine, sie ist zwar genießbar, aber saurer als ich andere frische Zitronen aus dem Mittelmeerraum in Erinnerung habe.

Oft dicht verwachsen ist unser Weg

Als wir eine kleine Einkerbung im Berg mit einer Quelle erreichen, wendet sich der Weg um 90 Grad und wir gehen nun knapp 300 Hm durch dichte Vegetation steil bergauf. Dabei zerstreut sich das Feld ein wenig, doch im großen und ganzen ist es immer klar, wie der Weg weitergeht. Auf knapp 600 Metern Höhe machen wir eine kleine Rast, wir kratzen bereits an den Wolken, die heute sehr tief ziehen. Silvia, Hannes und Uyangaa brechen als erste auf, jedoch in die komplett falsche Richtung, was mir erst auffällt, als ich mit dem Rest der Gruppe den Weg fortsetzen möchte.

Da fehlen schon welche

Also laufe ich den dreien kurz nach und führe sie auf den richtigen Weg zurück, wie es sich für einen guten Wanderführer gehört. Nun geht es schön auf einem Grat entlang (leider ohne Aussicht aufgrund der Bewölkung) zur Capella Vecchia, wo wir um die Mittagszeit ankommen.

Rückblick auf die Bucht von Salerno

Da der höchste Punkt des heutigen Tages noch nicht erreicht ist, setzen wir den Weg nach einer kurzen Snackpause aber gleich fort, es geht weiter mäßig aufsteigend auf einem Grat entlang und hie und da gewähren uns die auflockernden Wolken einen Blick hinunter zum Meer. Ca. um eins erreichen wir das Santuario del Avvocata, das Kloster, welches hoch über der Amalfiküste thront und einmal im Jahr Ziel 1000er Pilger ist. Heute ist es menschenleer und wir haben eine ruhige Mittagspause.

Unsere Aussicht am höchsten Punkt des Tages

Von hier aus hätte man einen großartigen Rundumblick, doch leider ziehen die Wolken nach wie vor dicht über uns drüber. Als wir aufbrechen, erreichen gerade zwei weitere Wanderer das Kloster, die ebenfalls aus Österreich stammen und die Amalfiküste nach Sorrent wandern möchten. Direkt nach dem Kloster geht es sehr steil bergab, wir passieren eine beeindruckende Felswand gleich unterhalb des Klosters.

Beeindruckende Baum- und Felsformation

Als wir wieder unterhalb der Wolkendecke sind und ausreichend Sicht haben, sehen wir, wie über dem Meer sehr dunkle Wolken hängen und in der Ferne ist ein Donnergrollen zu vernehmen. So versuchen wir, ohne längere Pausen rasch bergab zu kommen, der steile Weg lässt aber gerade bei den etwas angeschlagenen Mitwanderinnen Susanne und Uyanga kein hohes Tempo zu. Wir passieren zwei verfallene Steinhäuser und der Weg wird von einer alten Steinrinne begleitet, die mittlerweile durch einen schwarzen Schlauch ersetzt wurde.

Das Unwetter naht

Vermutlich diente diese zur Leitung des Quellwassers aus den Bergen zu den Oliven- und Zitronenplantage weiter talwärts. Als wir die ersten Häuser von Maiori erreichen, beginnen die ersten Tropfen vom Himmel zu fallen. Wir legen alle wieder das Regengewand an, bevor es stark zu stürmen und zu schütten beginnt. Zum Glück verläuft der Weg die letzten 200Hm im Windschatten einer Mauer über Stufen, sodass es uns nicht so schlimm erwischt. Trotzdem sind wir alle froh, als wir Maiori erreichen und wäre nicht ein Autofahrer neben mir durch eine Riesenlacke gefahren, wäre meine Hose fast trocken geblieben. Wir stürmen das erste Lokal, welches groß genug für 13 Personen ist, eine Bar direkt an Maioris Küstenstrasse. Dort trinken wir Kaffee oder Fruchtsäfte (oder Grappa) während unsere Kleider und Rucksäcke ein wenig abtropfen.

Die rettende Bar in Minori

Das Gewitter zieht rasch vorüber und bald kommt wieder die Sonne heraus und mit ihr kommt auch wieder Leben in das Küstenstädtchen. Wir verlassen die Bar und gehen direkt über die Küstenstraße zum Nachbarort Minori, wobei Uyangaa spontan den gerade vorbeifahrenden Bus nimmt. Einen Supermarkt in Maiori nutzen einige von uns noch, um das italienische Sortiment zu überprüfen und Chips oder andere Goodies für unterwegs zu kaufen. Eine halbe Stunde später sind wir in Minori, wo unsere Unterkunft Palazzo Vinigus schon gut vom Strand aus zu sehen ist.

Unsere heutige Unterkunft

Etwas schwieriger ist es, den richtigen Zugang zu finden – dieser befindet sich links von einer Pizzeria über viele Stufen und einigen Hauseingängen vorbei und ca. 30 Höhenmeter vom Strand hinauf. Wir werden schon erwartet, immerhin haben wir sechs der acht Zimmer für uns reserviert. Ich teile mir das Zimmer wieder mit Erika und Susanne und wir haben einen kleinen Balkon unmittelbar über dem Meer auf dem ich meine Schuhe zum Trocknen rausstelle. Beim Abendessen „fallen“ wir gleich in die Pizzeria beim Zugang zu unserer Unterkunft, wo es Pizzas aber nur zu Mittag gibt.

Heinz & Herta genießen die Nachspeise

Der Chef weist auf seine große Auswahl bei Fischgerichten hin und ist dann sichtlich enttäuscht, als dann fast keiner etwas davon bestellt. Das Essen schmeckt trotzdem allen gut und wir versöhnen uns dann mit ein paar Nachspeisen die sehr gut uns reichlich sind.

Das nächtliche Minori

21.05.2019: Minori – Amalfi – San Lazzaro (Agerola)

In der Nacht bin ich aufgewacht und habe festgestellt, dass es stark regnet und musste das Wasser aus meinen Schuhen ausleeren. Natürlich sind die Schuhe nun immer noch nass, aber es ist sonnig in der Früh und das Wetter scheint sich zu stabilisieren. Beim Frühstück gehört der komplette Frühstücksraum uns inklusive vier Plätzen auf dem Balkon mit Blick aufs Meer. Wir können uns bei Wurst, Käse, Toast, Müsli und anderen stärken. Susanne, Dusanka und Uyangaa beschließen, heute den Bus nach Amalfi zu nehmen und den Rest der Gruppe erst beim zweiten Teil unserer heutigen Wanderung zu begleiten. Der Rest trifft sich um 09:00 Uhr auf der Hinterseite unserer Unterkunft, die so in den Hang hineingebaut ist, dass wir uns so gleich wieder einige Höhenmeter sparen. Nur Franz hat vom Treffpunkt nichts mitbekommen und wir warten einige Minuten zu neunt, bevor ich mich auf die Suche mache. Susanne ruft ihn an und einige Minuten später sind wir komplett, er war bereits am Strand vom Minori und hat uns gesucht. Nun geht es unzählige Stufen hinauf vorbei an einem Friedhof, einigen Kirchen und vielen kleinen Häuschen und Gärten mit Zitronenbäumen Richtung Ravello. Nach den ersten 150 Höhenmetern gibt es eine Abzweigung nach Amalfi. Da die Mehrheit der Wanderer aber das Opernhaus von Ravello sehen möchte, gehen wir weiter die Stufen hinauf und erreichen nach einer knappen Stunde Gehzeit das Örtchen Ravello mit dem von Oskar Niemayer gestalteten Opernhaus. Anschließend müssen wir ein kurzes Stück wieder zurück, bevor uns ein hübsches Keramikschild die nächste Abzweigung nach Ravello anzeigt. Die Sonne setzt sich immer mehr durch während wir auf schmalen Wegen weiter zwischen Häusern und Gärtchen wandern. Wir passieren auch das Santuario dei Santi Cosma e Damiano. Ein eindrucksvoll in einen Steilfelsen integriertes Kloster, welches wir schon beim gestrigen Abstieg immer gesehen haben. Apropos Sehen – heute fällt uns bei jedem Rückblick das Santuario dell Avvocata ins Auge, welches hoch über der Küste thront und von dem man bei wolkenlosen Himmel wohl einen super Fernblick haben muss. Über eine lange Treppe bergab mit vielen steilen Stufen verlieren wir rasch an Höhe und nähern uns rasch der Küstenstadt Atrani, die auch als kleine Schwester von Amalfi bezeichnet wird. Das Zentrum von Atrani ist interessant gelegen – es liegt auf Meeresniveau mit Zugang zum Strand, die stark befahrene Küstenstraße führt aber ca. 10 Meter höher zwischen Meer und Ortszentrum über ein Viadukt durch Atrani. Auch die Fusswege nach Atrani und das um die Ecke liegende Amalfi sind besonders. Durch ganz enge Gäßchen, Hinterhöfe, kleine Treppchen und zahlreiche Durchgänge führt der Weg, den ich mich ohne klaren Hinweis vom GPS nicht trauen würde zu gehen. So gehen wir ca. 15 Minuten zwischen den Häuschen, bevor uns plötzlich der Weg mit unmittelbaren Blick auf den Strand von Amalfi ausspuckt. Von hier aus kann ich auch Susannes markantes Rot/Schwarzes Gewand erkennen und wenige Minuten später treffen wir uns alle am Strand. Hier machen wir längere Pause, die manche zur Erkundung  der Stadt und andere zur Erholung und Abkühlung im Meer nutzen. Ich wage auch ein paar Schritte durch Amalfi, aber die zahlreichen Busse haben so viele Touristen hierher gespült, dass man in den engen Gassen kaum sein eigenes Tempo gehen kann. Ich kann natürlich verstehen, dass ein liebreizendes Städtchen am Meer mit langer Geschichte so viele Menschen anzieht, bin aber trotzdem froh, dass wir auf unserer Wanderung bislang nicht vielen anderen Wanderern begegnet sind. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und entsprechend warmen Temperaturen verlassen wir Amalfi wieder durch enge Gassen und Hinterhöfe, wie wir gekommen sind und setzen unseren Weg ca. 100 Höhenmeter oberhalb der Küstenstrasse auf angenehm zu gehenden, asphaltierten und gut markierten Wegen fort. Plötzlich ist der weitere Weg durch zwei gekreuzte Holzstangen gesperrt. Ich klettere drüber und gehe einige Schritte weiter, doch es wird der Weg wird immer verwachsener. Obwohl klar ist, wo wir hinmüssen, möchte ich die Gruppe keinem unnötigen Risiko aussetzen und wir kehren um und wir machen ein Abzweigung über einige Stufen und die nächste Straße die wir erreichen. Beim Umkehren hat Hannes Glück, als er verkehrt über einige Stufen ins Stolpern kommt, jedoch von Herta soweit aufgefangen wird, dass der Kopf keinen Bodenkontakt hat. Unbeschadet setzen wir unseren Weg entlang der Küste fort und gewinnen langsam an Höhe. Bei ca. 300 Höhenmetern zweigt unsere Weg von der Küste weg nach Norden ab und es geht die restlichen 300 Höhenmeter wieder über Stufen bergauf Richtung der Hochebene Agerola. Als einige Mitwanderer gerade ansetzen über die vielen Stufen zu jammern kommen uns zwei Männer entgegen von denen einer blind ist und mit Hilfe des anderen die unzähligen Stufen dieser Strecke meistert. Auch ein als Packtier genutzter Esel mit seinem Besitzer taucht plötzlich von einem Querweg kommend auf und bietet Abwechslung beim Kampf gegen die vielen Stufen und die mittlerweile stark wärmende Sonne. Schlussendlich ist es geschafft und wir erreichen die Ortschaft San Lazzaro, wo wir uns wieder auf zwei Quartiere aufteilen. Drei Pärchen übernachten im Jerula B&B während die anderen 7 im Quartier Incanto dei Monti Ihren Platz finden. Kaum checken wir dort ein, verrät uns der Besitzer schon einen guten Tipp für das Abendessen. Im nebenanliegenden Agriturismo gibt es zwar keine Speisekarte, doch was wir dort serviert bekommen, wird wohl das kulinarische Highlight dieser Reise werden. Zuerst geht es los mit Antipasti, darunter Riesenkugeln von Mozzarella, gebackene Auberginen, frischer Ricotta, Scheiben von Speck und Hartwürsten und pikante, „gebackene Mäuse“ sowie einige andere Leckereien. Als bereits alle satt sind, werden wir betreffend der Pasta gefragt, wo uns drei Varianten (mit Walnuss-Ruccola, Tomaten-Speck und Carbonara) angeboten und kredenzt werden. Als wir die Teller in Gemeinschaftsarbeit leergeputzt haben kommen noch drei Schüsseln mit den „Resten“ aus der Küche, die wir auch noch aufessen sollten. Und zum Schluss werden noch verschiedene selbstgemachte Kuchen gereicht, die natürlich auch gekostet werden müssen. Als wir dann pro Person für dieses Gerichte inkl. Wein, Wasser und einer Runde Verdauungsschnäpse nur 20 EUR bezahlen ist klar, dass dieses Abendessen bei dieser Reise wohl nicht mehr getoppt werden kann.

22.05.2019: San Lazzaro – Bomerano – Sentieri degli Dei – Santa Maria del Castello

Der nächste Morgen beginnt mit dem Frühstück, welches wir am Vortag auf einer Multiple Choice Bestellkarte bestellt hatten – es ist alles hier was wir uns gewünscht haben. Um 09:00 Uhr holen wir die drei Pärchen vom Jerula B&B ab und beginnen die heutige Tour mit sanften Auf und Ab auf den Straßen der Hochebene von Agerola. Genau den direkten und auf meiner 1:10000 Karte eingezeichneten Weg können wir zwar nicht gehen, da wir dazu durch private Hauseinfahrten durchmarschieren müssten, aber auch über die etwas längere Strassenverbindungen kommen wir rasch nach Bomerola. Am Hauptplatz von Bomerola tauchen plötzlich aus allen Ecken zahlreiche Wanderer auf. Wir befinden uns hier am Startpunkt des „Sentieri degli Dei“, einem der bekanntesten und schönsten Wanderwege Italiens. Nach einer kurzen Kaffee- und Eispause machen auch wir uns auf den göttlichen Weg. Nur wenige Meter nach Bomerano erhalten wir wieder Blick aufs Meer, welches unterhalb einer Steilküste 600m unter uns liegt. Und genau das macht den Reiz dieses relativ leicht zu gehenden Weges aus – die Aussicht. Wir gehen eingebettet in Felsen auf gleicher Höhe entlang und sehen die an die Küste geschmiegten Ortschaften wie Praiano und Positano aus der Vogelperspektive. Bei guter Sicht, die wir heute haben, ist die restliche Amalfiküste bis Capri zu sehen. Auf einer besonders exponierten Stelle nutzen wir die guten Bedingungen für eine kurze Fotosession und lassen uns und unser Equipment ein wenig springen. Auf den Weg kommt man gut voran, wären da nicht 100e Wanderer von denen leider nicht alle dem steinigen und manchmal auch felsigen Weg entsprechend ausgestattet sind. Highlight ist ein 60jähriges Mütterchen, welches sich mit flip-flop-ähnlichen Sandalen über felsigen Tritte balanciert. Trotzdem ist der Weg der Götter zu Recht eine der Hauptattraktionen auf der Amalfiküste. Knapp nach Mittag erreichen wir das kleine Bergdorf Nocelle, wo wir unsere Mittagsrast einlegen und den weiteren Verlauf besprechen. Susanne und Erika, sowie Heinz und Herta wollen mit dem Bus von Nocelle nach Positano fahren und von dort zu unserer heutigen Unterkunft aufsteigen. Alle anderen gehen mit mir den ursprünglich geplanten Weg, der uns zuerst nach Montepertuso und dann direkt zum Kloster Santa Maria dell Castello führt. Von Nocelle nach Montepertuso führt der Weg zuerst noch parallel zur Straße und die zweite Hälfte auf der Straße, auch dieser Teil ist eigentlich noch Bestandteil des Sentiero degli Dei, der offiziell in Positano endet. Als wir Montepertuso erreichen, überholt uns gerade der Bus von Nocelle, der so vollgestopft ist, dass wir nur den an die Innenwand gepressten Heinz darin ausmachen können. Während der Bus weiterfährt, machen wir eine kurze Eispause am „Hauptplatz“ von Montepertuso und setzen den Weg dann direkt fort. Der Einstieg ist wieder einmal ziemlich versteckt, am Ende eines verlassenen Parkplatzes beginnt der sporadisch markierte Weg. Zuerst folgen wir noch mit einigen Abstand der Straße nach Positano. Dabei umrunden wir eine markante Felsformation mit einem Loch. Ich finde den Weg sehr schön, ein schmaler Wanderweg, der manchmal auf Felsterrassen entlangführt und sich langsam einer bewachsenen Schlucht nähert, die ein (zur Zeit) schmales Bächlein ausgehoben hat. Als wir dem Weg folgend ein ausgetrocknetes Bächlein überqueren und es bergauf geht, fällt mir auf, dass die Richtung nicht mehr ganz passt. Ein Blick auf das GPS bestätigt mein Gefühl und ich muss die ganze Gruppe wieder abwärts ein paar Meter zurückbeordern und mache mich auf die Suche nach der verpassten Abzweigung. Diese finde ich extrem unscheinbar mit einem verblassten, lila Markierungsstrich auf einem mit Moos bewachsenen Stein und einem Weg, den man erst beim zweiten Hinschauen als solchen identifiziert. Da die GPS-Anzeige und die Richtung hier passt, folgen wir diesen Weg. Dieser führt uns weiter in die immer enger werdende und hoch bewachsene Schlucht und verlangt auch hohe Trittsicherheit. Diese lässt Hannes heute leider vermissen. Bereits auf der Asphaltstraße nach Montepertuso ist er umgeknickt, nun hören wir plötzlich einen lauten Schrei einige Meter vor uns (er war als Erster vorgeeilt). Als wir ihn erreichen, liegt er einige Meter unterhalb des Weges im Dornengebüsch, welches ihn glücklicherweise vor einem größeren Absturz bewahrt hat. Franz und ich ziehen ihn wieder auf den Weg und Susanne versorgt die durch die Dornen aufgeschürften Stellen – ansonsten ist zum Glück alles heil geblieben. Nach einer Schreckpause setzen wir den Weg fort, wobei nun ich unumstritten der erste bin, der den Weg sucht. Nach insgesamt gut zwei Stunden verlassen wir die Schlucht und erreichen eine Straße in der Nähe von Santa Maria del Castello. Nach wenigen Metern ist schon das Agriturismo La Ginestre angeschrieben, wo wir um ca. 16:00 Uhr ankommen. Wir bekommen unsere Zimmer zugewiesen, drei davon haben direkten Zugang zu einer herrlichen Sonnenterrasse mit Blick über den ganzen Golf von Neapel einschließlich der Insel Ischia. Während wir unsere Wäsche trocknen erreichen auch die vier, die Positano besichtigt haben unser Quartier und wir sind wieder vollständig. Ähnlich wie gestern gibt es auch heute abend das gleiche Menu für alle. Es schmeckt gut, kann aber in Menge, Vielfalt und Qualität bei weiten nicht an das gestrige Highlight heranreichen. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang hinter der Insel Ischia endet dieser Tag.

23.05.2019: Santa Maria del Castello – Sant Agata

Nachdem gestern alle fleißig die gesamte Strecke gewandert sind, beschließen heute unsere „Fußmaroden“ Susanne, Dusanka und Uyangaa ein Stückchen abzukürzen. Die Dame des Hauses ist so nett und bringt die drei nach Colli di San Pietro womit sie sich ca. 500 Höhenmeter bergab ersparen. Für die restlichen Wanderer geht es wieder um knapp nach 09:00 Uhr los, zuerst ein kleines Stück zurück von wo wir gestern gekommen sind und dann 200 Höhenmeter hinauf auf den Monte Commune. Vom Meer her ziehen viele Wolken Richtung Festland aber diese schaffen es nicht ganz über die Berge der Amalfiküste, sodass wir direkt oberhalb der Steilküste teilweise im Nebel und teilweise im Sonnenschein gehen. Nach einem kurzen Stück endet die Straße und wir befinden uns nun direkt auf dem 300er, jenem Weg der die Amalfi-Küste an den höchsten Punkten der Monte Lattari entlangführt. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung. Hier ist das Kreuz der beiden Golfe aufgestellt, da man von hier aus einen herrlichen Blick über den Golf von Neapel und den Golf von Salerno hat, wobei sich der Golf von Salerno weiterhin hinter den Wolken versteckt. Trotzdem eignet sich das Gipfelkreuz hervorragend für eine Foto-Pause und wir lassen alle Wanderer springen, um ein paar witzige Bilder zu erhalten. Nun geht es zunächst sehr steil in großen Terrassen bergab, wobei wir immer unser nächstes Zwischenziel, das Kreuz am Monte Vico Alvano vor Augen haben. Der Weg ist heute gut markiert, neben zahlreichen rot-weiss-roten „300“ern müssen wir heute nur den Baustellenbändern folgen, die im Rahmen eines kürzlich stattgefundenen Mountainbikerennens an Grashalmen und Bäumen angebracht wurden. Schlussendlich erreichen wir nach Durchschreitung eines Sattels knapp vor Mittag den Rücken des Monte Vico Alvano wo sich ein Wanderer gerade unter einem Baum erholt (übrigens der erste den wir heute sehen). Ohne auf das GPS zu schauen, folge ich dem ausgetretenen Pfad, der uns 15 Minuten später direkt zum bereits lang sichtbaren Kreuz führt. Dort ist zwar die Aussicht durchaus einen Abstecher wert, um aber unser Zwischenziel bei Colli di San Pietro zu erreichen müssen wir wieder genau dorthin zurück, wo der Wanderer gesessen ist. Von da an geht in 6-7 langgestreckten Serpentinen 300 Höhenmeter bergab, wobei der Weg teilweise stark von der in voller Pracht blühenden Macchia zugewuchert ist. Unten angekommen wandern wir noch durch eine Art Schloßgarten, bevor wir auf eine Straße und kurz darauf zum vereinbarten Treffpunkt bei Colli di San Pietro stoßen. Doch an der vereinbarten Kreuzung wartet niemand auf uns, obwohl die drei bereits seit 30 Minuten hier sein müsste. Unsere Mobiltelefone haben kaum Empfang, trotzdem erreicht uns die Nachricht, dass die drei direkt zum Ristaurante La Rosa gebracht worden sind. Nur in welche Richtung liegt dieses Restaurant ? Drei Nachfragen bei Einheimischen und ein paar Datenpakete später wissen wir, dass das Lokal noch ca. 2 Kilometer entfernt ist, zum Glück in die Richtung, in die wir sowieso gehen wollen. Leider führen diese 2 Kilometer direkt entlang der Straße, aber dafür werden wir auf der Terrasse des Restaurants schon von unseren drei Taxifahrerinnen empfangen. Gutes Essen und der Blick aufs Meer entschädigen für den etwas längeren Vormittag. Nach dem Essen gehen wir noch ein Stückchen entlang kleiner Gässchen und der Hauptstraße bevor ein schmaler Pfad abzweigt, der uns auf ca. 4oo m Seehöhe oberhalb der Küste entlang führt. Herrlich ist dieser einsame, teilweise anspruchsvolle von der Macchia überwucherte Pfad mit direkten Blick aufs Meer. Nach einer Stunde kommen wir zu einer Farm, die mitten in der Wildnis liegt und wo alles angebaut wird, was an diesem Fleckchen wächst – Artischocken, Oliven, Kirschen, Zitronen, Zucchini, Salate und vieles mehr – jedes kleine Stückchen ebene Erde wird genutzt. Unser Weg verbreitert sich und führt uns in die Ortschaft Torca. Hier fällt wieder mal auf, dass die Italiener auf den schmalsten Gässchen unterwegs sind. Man rechnet nicht damit, dass überhaupt ein Auto durchpasst und plötzlich kommt einem ein protziger Mercedes entgegen. Dementsprechend sind bei vielen Autos die Außenspiegel zerstört und nicht mehr benutzbar. Wir machen eine kleine Pause am Hauptplatz vor der Kirche von Torca und beobachten das rege Dorfleben, bevor wir die letzte halbe Stunde auf Nebenstrassen zu unserem Tagesziel Sant Agata aufbrechen. Direkt neben einer Hauptstrasse finden wir dort unsere heutige Unterkunft Relais de la Costiere. Ich hätte drei freistehende Selbstversorgerhäuschen erwartet, tatsächlich handelt es sich um ein Haus mit drei großzügigen Apartments, zwei davon mit großer Terrasse. Direkt gegenüber liegt ein Supermarkt, wo man den Vorrat an Chips und Keksen aufstocken kann und nur ein paar Schritte weiter ist das Zentrum von Sant Agata, wo sich zahlreiche Restaurants befinden. Heute müssen wir daher wieder eine Auswahl betreffend des Abendlokals treffen, was bei 13 Personen schwieriger ist, als einen zugewachsenen Wanderweg zu finden 😉. Wir schaffen es und finden ein kleines, gemütliches Lokal mit gutem Essen aber langen Wartezeiten, sodass anschließend außer für ein kleines Eis keine Zeit mehr für das Nachtleben von Sant Agata bleibt.

24.05.2019: Sant Agata – Marina del Cantone – Sorrent

Frühaufsteher Gerhard und ich holen uns schon um 07:00 Uhr ein erstes Frühstück und einen Kaffee und erkunden gleich die möglichen Frühstückslocations, da wir heute kein Frühstück beim Quartier bekommen. Anschließend lotsen wir die gesamte Gruppe in eine Art Konditorei mit leckeren Mehlspeisen und einer großen Terrasse. Dusanka bemängelt, dass es nur Süßzeug und keine Wurst und Käse gibt, aber „allen Leuten recht getan …“ 😊. Wir gehen heute ein Stückchen des gestrigen Weges zurück, bis wir wieder auf den Weg 300 treffen, der uns wieder herrlich oberhalb der Steilküste führt, wobei wir dauernd Blick auf die Insel Isca haben. Der heutige Weg ist punkto Überwucherung noch einmal eine Steigerung zu bisher. Anfangs noch klar und deutlich zu erkennen, wird es immer schwerer, dem Weg zu folgen. Oberhalb des Strandes von Recommone gibt es zum Glück eine in meinem „Golf von Neapel“ Reiseführer beschriebene Alternative. Wir gehen zum obersten Häuschen einer verfallenen Ferienhausanlage und folgen dort den Stufen, die vom Strand zu den Ferienhäuschen gebaut worden. Dieser Weg bringt uns zum Hintereingang des Restaurants von Recommone, wo uns ein Kellner bemerkt, und ein bisschen widerwillig aber doch den Weg durch sein Restaurant öffnet. Da der dortige Strand nur für Hotelgäste zu sein scheint, motiviere ich meine Truppe noch weiter zu gehen. Nur 30 Minuten später erreichen wir den Strand von Marina del Cantone, den ich für die heutige Mittagspause auserkoren habe. Das Badevergnügen auf dem Steinstrand ist zwar durch die anwesenden Quallen etwas getrübt, aber Susanne und Herta lassen sich schlussendlich an diesem heißen Tag nicht davon abbringen. Der Rest kühlt sich mit einem Granite oder einem Bier von einer der nahegelegenen Strandbars ab. Die zweite Hälfte der Wanderung nach Sorrent würde ich gerne nach dem Prinzip der „10 kleinen Negerlein“ bestreiten. Beginnend in Marina del Cantone geht von jeder Ortschaft, die wir nun durchqueren ein Bus nach Sorrent. Somit kann jeder in den Bus einsteigen, wenn er sein persönliches Tagespensum erreicht hat. Die ersten 200 Höhenmeter bergauf nach Nerano sind noch alle mit dabei, der steile Bergaufweg bei hohen Temperaturen fordert jedoch seinen Tribut und Dusanka und Silvia warten in Nerano auf den Bus. Der Rest der Truppe geht gestärkt von Eis und Softdrinks weiter bergauf (wenn auch nicht mehr ganz so steil), bis wir die Ortschaft Termini erreichen. Von der Terrasse im Ortszentrum hat man einen super Ausblick auf Capri und einer der dort ausgestiegenen Autotouristen macht ein Foto von uns. Aufgrund der vielen Möglichkeiten ist die Wegfindung nicht so einfach, doch sind unsere nächsten Ziele Massa und Sorrent oft angeschrieben, sodass nur selten ein Kontrollblick auf das GPS notwendig ist. Ab Termini geht es auf schmalen (eine Kleinwagenbreite), meist asphaltierten Wegen weiter, auf denen wir rasch vorankommen. Wir passieren die kleine Ortschaft Santa Maria mit der gleichnamigen sehenswerten Barockkirche und erblicken bald darauf das für die Halbinsel Massa Lubrense namensgebende Städtchen Massa. Am dortigen Hauptplatz finden wir zum Glück einen Eissalon und fast alle fleißigen Wanderer gönnen sich ein Eis mit zumindest zwei Kugeln, manche sogar mehrere. Auch hier verliere ich keine Wanderer an die Buskonkurrenz uns so bewältigen wir zu elft unsere letzten Höhenmeter über den Monte Corbo bevor es langsam bergab dem Ziel unserer Tour an der Amalfiküste entgegengeht. Knapp vor Sorrent genießen wir noch den Ausblick auf die größte Stadt der Amalfihalbinsel bevor wir in das geschäftige Treiben eintauchen. Hier ist ebenso wie in Amalfi und Positano einiges los und wir gehen quer durch die Stadt zu unserem heutigen Quartier „Sorrento Relais“. Silvia und Dusanka warten bereits auf uns als wir einchecken. Die Zimmer sind sauber und modern eingerichtet, insgesamt wirkt das Ganze aber etwas kühl, besonders für Franz und Susanne, die bei der Zimmerzuteilung ein Zimmer im Untergeschoss zugewiesen bekommen. Aufgrund der vielen Auswahl erweist sich die Suche nach einem Lokal für das Abendessen wieder einmal schwierig, schlussendlich finden wir doch einen gemeinsamen Nenner, in einem Lokal, welches zwar sehr nobel wirkt, von den Preisen jedoch moderat ist.

25.05.2019: Sorrent – Vesuv – Herculaneum – Neapel

Das Frühstück nehmen wir im Keller ein, wie die Unterkunft mit einer kühlen Athmosphäre aber ausreichend Auswahl. Um 09:00 Uhr starten wir Richtung Bahnhof von Sorrent. Dort steigen wir in einen Zug der Circumvesuviana ein, eine Gruppe von S-Bahnen, die am Fuße des Vesuvs verkehren. Der Vesuv ist auch unser erstes Ziel für heute und so bleiben wir in dem immer voller werdenden Zug bis zur Station Ercolano, ein Vorort von Neapel. Vom Vorplatz der Bahnstation fährt direkt ein Bus zum Vesuv. Die Tickets für die Hin- und Rückfahrt kosten EUR 20,– pro Person. Der Busfahrer klebt uns kleine Pickerl mit einer „3“ auf das Gewand, damit er uns beim Runterfahren wieder erkennt und startet, sobald der Bus voll ist. Gleich nach dem Verlassen des Städtchens treffen wir auf die Bergstraße auf dem Vesuv, die sich in teilweise engen Kurven den zur Zeit wenig aktiven Vulkan hinaufschlängelt. Weiter oben entlang der Straße kann man gut die Spuren ehemaliger Ausbrüche erkennen, die aber teilweise schon wieder von der Flora zurückerobert werden. Knapp 200 Höhenmeter unterhalb des Kraterrandes ist der Parkplatz, auf dem schon zahlreiche Busse parken. Dementsprechend viele Leute schlängeln sich drei Serpentinen hinauf. Diese sind zwar breit genug für ein Auto, für Flip-Flop-Touristen stellt das schottrige Vulkangestein aber trotzdem eine Herausforderung dar. Nach ca. 20 Minuten erreichen wir den Kraterrand und erhaschen einen ersten Blick auf das Innere des Vulkans. Ein schöner Vulkankegel, aber nur an einer einzigen Stelle raucht es ein wenig heraus, da bin ich aus Island spektakuläreres gewohnt. Der Touristenpfad geht weiter unmittelbar am Kraterrand entlang wobei aber drei Imbiss- und Souvenierbuden passiert werden können. Nach einer halben Umrundung endet der Weg bei einer der Buden. Man könnte hier zwar noch weitergehen und den Krater ganz umrunden, dafür ist aber eine Voranmeldung notwendig. Für uns ist hier unser Umkehrpunkt an dem uns Heinz & Herta mit einer Flasche Limoncella Crema überraschen und wir auf die gelungene Reise und die Aussicht anstoßen. Etwas beschwipst machen wir uns also auf unseren Rückweg, da wir von unserem Busfahrer eine fixe Zeit für die Rückkunft vorgegeben bekommen haben. Nach der Rückfahrt machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Ausgrabungsstätte Hercanoleum. Nach ca. einem Kilometer durch die eher schmucklosen Straßen von Ercolano erreichen wir die „kleine Schwester“ von Pompeji. Susanne & Franz, Claudia & Hannes sowie Uyangaa beschließen sich den Eintritt zu sparen und stattdessen ein kleines Restaurant aufzusuchen. Die restlichen nehmen am extra von mir eingebauten Kulturprogramm teil. Obwohl ich für alte Steine nicht viel übrig habe, ist es auch für mich eindrucksvoll zu sehen, wie Türschilder, Zeichnungen, Mosaike oder Möbel nach über 2000 Jahren noch so gut erhalten sind. Man geht durch eine komplette Kleinstadt und dank des Planes und des Booklets, welche man erhält, wird detailgenau beschrieben, vor welchem Haus man steht, und welche Funktion es hatte. Nach ca. 1,5 Stunden haben alle Wanderer ihren Kulturhunger soweit gestillt und wir gehen zurück zur Station der Circumvesuviana. Wir müssen relativ lang auf den Zug warten, dieser ist dafür dementsprechend voll. Dies wird mit jeder Station schlimmer je näher wir Neapel Bahnhof kommen, sodass es eine Befreiung ist, als der Zug diese Station erreicht und wir alle endlich wieder genug Luft zum Atmen bekommen. Mir stellen sich vor dem Aussteigen zwei Personen unmotiviert in den Weg, die ich mit leichten Nachdruck und Fluchen wegschieben kann. Vielleicht ist das ja ein Taschendiebtrick, aber zum Glück haben wir alle unsere Wertsachen behalten. Vom Bahnhof aus gehen wir ca. 15 Minuten zu unserer letzten Unterkunft dem Pontenuovo Bed in der gleichnamigen Straße. Fast alle Häuser in Neapel wirken von außen verfallen und ziemlich trostlos und so gehen wir auch an unserer Unterkunft zuerst vorbei, weil wir nicht glauben können, daß uns so ein gräßliches Haus beherbergen soll. Der Innenhof und das hohe Stiegenhaus mit schönen Gewölben machen da schon einen besseren Eindruck und innen ist die Unterkunft super schön hergerichtet mit hellen Wänden mit Wandmalereien, Blumendekorationen und Duftsteinen. Nach dem Tipp der Gastgeberin suchen wir für das Abendessen das in der Nähe gelegene Lokal „La Cucina e Mama“ auf. Der dortige Chef erinnert mit seinen grauen Haaren, der aufgrund einer Operation sehr kratzigen Stimme und seiner Art sehr an einen Mafioso. Beim Essen selbst bestelle ich gemeinsam mit Susanne einen Antipasti-Teller mit 8 Gängen, bei dem vier Gänge zum Sattwerden auch gereicht hätten. In einem privaten Hinterstübchens des Restaurants stoßen wir noch einmal auf diese tolle Reise an und verabschieden uns von Claudia und Hannes, die bereits morgen um 06:00 Uhr in der Früh zum Flughafen fahren müssen.

26.05.2019: Neapel – Wien

Es ist 08:00 Uhr in der Früh, alle sind abmarschbereit aber es ist keine Spur von dem gestern vorbestellten Frühstück. Es gibt auch keinen eigenen Frühstücksraum wie in den anderen Quartieren und außer uns ist niemand in der Unterkunft. 15 Minuten später löst sich das Rätsel, das Frühstück wird hier von einem Boten geliefert. Wir verzehren unsere überschaubaren Portionen in unseren Zimmern, verstauen das Gepäck im Vorraum und gehen am Vormittag noch mit leichten Gepäck durch Neapel. Ich habe meine Wanderführer-Rolle an Erika übertragen, da ich ja nicht als Stadtführer gebucht wurde und diese führt uns Richtung Zentrum. Dabei beginnt es immer heftiger zu regnen, was den Eindruck von Neapel als unattraktive Stadt noch verstärkt. Die verfallenen Häuser und verdreckten Gassen wirken bei Regen noch trostloser und auch das Zentrum hat außer vielen kleinen Läden und Touristengeschäften verteilt auf zwei lange Gassen nicht viel zu bieten. So schnappen wir uns nach 2,5 Stunden Fußmarsch durch Neapel unser Gepäck, gehen den gestrigen Weg zum Bahnhof retour und nehmen einen der alle 15 Minuten fahrenden Flughafenbusse zu der kurzen Fahrt zum ziemlich stadtnah gelegenen Flughafen von Neapel. Wir verabschieden uns von Silvia, die auf Ihren Heimflug nach Deutschland noch ein wenig warten muß und nach einem letzten italienischen Eis bringt uns unsere Aua-Maschine wieder zurück nach Wien.