19.05.2019: Wien – Neapel – Vietri sul Mar

Die letzte Reise durch Lappland ist knapp ein Monat her und schon geht es wieder fort, diesmal in den Süden. Daher fühle ich mich auch etwas unvorbereitet, ein Indiz dafür ist, dass ich den Rucksack erst am Vortag fertig packe. Am Weg zum Flughafen nehmen mich Heinz & Herta mit um 11:00 Uhr ist Treffpunkt mit den anderen sieben Mitwanderern, die mit mir gemeinsam von Wien nach Neapel fliegen. Susanne H. ist als Stammkundin schon zum siebenten Mal dabei. Uyangaa läßt sich die Teilnahme trotz des lädierten Knies aus Lappland nicht vermiesen. Erika und Susanne M. begleiten mich zum zweiten Mal im Mittelmeerraum und auch Dusanka (war bereits in Korfu dabei) ist wieder mit von der Partie. Die männlichen Teilnehmer Gerhard (der Dolomiten-Mann) und Franz (der Lebensgefährte Susannes) komplettieren das Team.

Team Wien Austrian Airlines

Nach erfolgreichen Selbst-Check-In geht es mit Austrian nach Neapel. Bei der Landung ist es bewölkt, trotzdem kann man den Vesuv gut erkennen, bevor wir auf den sehr stadtnahen Flughafen von Neapel landen. Das Gepäck ist vollständig und hinter dem Gate warten noch Silvia (Dusankas Freundin aus Deutschland) sowie Claudia und Hannes (sind aus Kostengründen zwei Stunden früher mit EasyJet geflogen) und komplettieren das Teilnehmerfeld von 13 Wanderern. Eine kleine, untersetzte Frau hält auch bereits ein Schild mit meinem Namen in der Hand, wie es bei der Buchung des Taxis nach Vietri sul Mare versprochen wurde. Es dauert allerdings noch einige Minuten, bevor der Taxifahrer kommt, und uns zu seinem Taxi bringt, wobei die Bezeichnung Klein-Bus für das Gefährt, in das 15 Personen passen wohl treffender wäre 😉.

Unser Reisebus von innen

Gleich nach dem Flughafen sehen wir in der Ferne schon die Bergkette Monte Lattari, die wir die nächsten 5 Tage durchstreifen werden. Nach etwas über einer Stunde erreicht der Fahrer Vietri sul Mar besitzt hier aber augenscheinlich keine Ortskenntnis. Zuerst verpasst er die richtige Abzweigung und anschließend versucht er uns direkt zum Quartier in der Fussgängerzone zu befördern. Ein netter Polizist weist ihm den Weg und macht dann anschließend sogar ein Foto von uns allen zusammen.

Die komplette Truppe in Vietri Sul Mare

Gleich zu Beginn sind wir aufgrund der Gruppengröße auf zwei Quartiere aufgeteilt. Zwei Pärchen bringe ich in die Unterkunft Vietri 360 während die anderen 9 sich drei Dreibettzimmer in der Unterkunft B&B Lumasa teilen. Beide Quartiere sind von außen kaum zu finden und befinden sich in typischen italienischen Wohnhäusern, die innen sehr verwinkelt aufgebaut sind.

Vietri Sul Mar

Da wir um 16:00 Uhr angekommen sind, ist noch Zeit bis zum Abendessen und wir vereinbaren die Zeit bis 19:00 Uhr zur freien Gestaltung.

Minimundus a la Vietri

Trotzdem treffen wir uns fast alle am Strand von Vietri wieder, der sich fast 100 Höhenmeter unterhalb des Ortszentrums befindet. Vietri ist ein nettes kleines Städtchen, das dominiert wird von vielen kleinen Geschäftchen, die die hier produzierten keramischen Produkte verkaufen.

Am Strand von Vietri

Das Meer ist heute zu unruhig, sodaß selbst die hartgesottenen Badenixen ein Schwimmrunde verweigern, dafür finden wir eine Pizzeria, wo wir uns zu sechst drei Pizzen teilen, die um 5 EUR pro Stück sehr preiswert sind und trotzdem sehr deliziös munden. Auch ein kleines Eis geht sich als Vorspeise noch aus, bevor wir uns am Treffpunkt zwischen unseren beiden Quartieren treffen.

Unser Plan für die nächsten 5 Tage

Wir wählen das nächstgelegene Lokal, wo wir in großer Runde hauptsächlich Pastagerichte zu uns nehmen. Beim Heimkommen weht uns in der Unterkunft Lumasa der Geruch von frisch gebackenen Kuchen entgegen und damit gibt es noch ein süßes Betthupferl 😊, bevor wir unsere erste Nacht an der Amalfi-Küste antreten.

20.05.2019: Vietri Sul Mar – Minori:

Die erste Nacht auf einem Einzelschlafsofa (Erika und Susanne haben sich ein Doppelbett geteilt) verlief sehr ruhig, obwohl es immer wieder geregnet hat. Auch beim Aufwachen begrüßt uns ein Regenguss, kurz danach scheint aber wieder die Sonne. Zum Frühstück gibt es den gestern gebackenen Kuchen sowie sonst allerlei süße Sachen. Mein Sonderwunsch nach einer heißen Schokolade wird erfüllt, jedoch stellt sich dies als eine Art extrem süßer Schokopudding heraus, wie ich ihn schon mal in Mallorca erhalten habe. Als wir uns nach dem Frühstück mit den anderen treffen beginnt es gerade wieder zur regnen.

Kurz vor dem Aufbruch

Wir starten also unseren ersten Tag in kompletter Regenmontur und laufen zu Beginn den gleichen Weg wie gestern zum Strand von Vietri im strömenden Regen. Trotz Blick auf die Karte finde ich den Weg vom Meer bergauf Richtung Raito nicht sofort, sondern benötige die Hilfe des GPS, um den in einem Hauseingang versteckten Wegeingang zu finden.

Die ersten Höhenmeter sind geschafft.

Der Regen hat mittlerweile wieder aufgehört und der bewölkte Himmel ist recht angenehm, da es nun knapp 300 Hm über enge Wege und Stiegen bergauf geht. Die Wegfindung ist weiterhin nicht leicht, aber mehr als einen kleinen Umweg müssen wir nicht machen. Wir durchqueren das Örtchen Raita und halten uns weiter bergauf entlang einer langen Mauer, mittlerweile schon auf einem „richtigen“ Wanderweg.

Übersichtsplan unserer heutigen Tour

Nach einer Stunde erreichen wir das Örtchen Albori, welches am Ende einer Sackgasse liegt. Ab hier startet der Wanderweg zum Santuario del Avvocata, der zuerst noch dem Berg entlang recht flach dahingeht. Am Weg liegen hie und da einige vom Baum geschüttelte Exemplare von Amalfi-Zitronen, die von der Größe her näher bei Grapefruits liegen. Ich schäle und esse eine, sie ist zwar genießbar, aber saurer als ich andere frische Zitronen aus dem Mittelmeerraum in Erinnerung habe.

Oft dicht verwachsen ist unser Weg

Als wir eine kleine Einkerbung im Berg mit einer Quelle erreichen, wendet sich der Weg um 90 Grad und wir gehen nun knapp 300 Hm durch dichte Vegetation steil bergauf. Dabei zerstreut sich das Feld ein wenig, doch im großen und ganzen ist es immer klar, wie der Weg weitergeht. Auf knapp 600 Metern Höhe machen wir eine kleine Rast, wir kratzen bereits an den Wolken, die heute sehr tief ziehen. Silvia, Hannes und Uyangaa brechen als erste auf, jedoch in die komplett falsche Richtung, was mir erst auffällt, als ich mit dem Rest der Gruppe den Weg fortsetzen möchte.

Da fehlen schon welche

Also laufe ich den dreien kurz nach und führe sie auf den richtigen Weg zurück, wie es sich für einen guten Wanderführer gehört. Nun geht es schön auf einem Grat entlang (leider ohne Aussicht aufgrund der Bewölkung) zur Capella Vecchia, wo wir um die Mittagszeit ankommen.

Rückblick auf die Bucht von Salerno

Da der höchste Punkt des heutigen Tages noch nicht erreicht ist, setzen wir den Weg nach einer kurzen Snackpause aber gleich fort, es geht weiter mäßig aufsteigend auf einem Grat entlang und hie und da gewähren uns die auflockernden Wolken einen Blick hinunter zum Meer. Ca. um eins erreichen wir das Santuario del Avvocata, das Kloster, welches hoch über der Amalfiküste thront und einmal im Jahr Ziel 1000er Pilger ist. Heute ist es menschenleer und wir haben eine ruhige Mittagspause.

Unsere Aussicht am höchsten Punkt des Tages

Von hier aus hätte man einen großartigen Rundumblick, doch leider ziehen die Wolken nach wie vor dicht über uns drüber. Als wir aufbrechen, erreichen gerade zwei weitere Wanderer das Kloster, die ebenfalls aus Österreich stammen und die Amalfiküste nach Sorrent wandern möchten. Direkt nach dem Kloster geht es sehr steil bergab, wir passieren eine beeindruckende Felswand gleich unterhalb des Klosters.

Beeindruckende Baum- und Felsformation

Als wir wieder unterhalb der Wolkendecke sind und ausreichend Sicht haben, sehen wir, wie über dem Meer sehr dunkle Wolken hängen und in der Ferne ist ein Donnergrollen zu vernehmen. So versuchen wir, ohne längere Pausen rasch bergab zu kommen, der steile Weg lässt aber gerade bei den etwas angeschlagenen Mitwanderinnen Susanne und Uyanga kein hohes Tempo zu. Wir passieren zwei verfallene Steinhäuser und der Weg wird von einer alten Steinrinne begleitet, die mittlerweile durch einen schwarzen Schlauch ersetzt wurde.

Das Unwetter naht

Vermutlich diente diese zur Leitung des Quellwassers aus den Bergen zu den Oliven- und Zitronenplantage weiter talwärts. Als wir die ersten Häuser von Maiori erreichen, beginnen die ersten Tropfen vom Himmel zu fallen. Wir legen alle wieder das Regengewand an, bevor es stark zu stürmen und zu schütten beginnt. Zum Glück verläuft der Weg die letzten 200Hm im Windschatten einer Mauer über Stufen, sodass es uns nicht so schlimm erwischt. Trotzdem sind wir alle froh, als wir Maiori erreichen und wäre nicht ein Autofahrer neben mir durch eine Riesenlacke gefahren, wäre meine Hose fast trocken geblieben. Wir stürmen das erste Lokal, welches groß genug für 13 Personen ist, eine Bar direkt an Maioris Küstenstrasse. Dort trinken wir Kaffee oder Fruchtsäfte (oder Grappa) während unsere Kleider und Rucksäcke ein wenig abtropfen.

Die rettende Bar in Minori

Das Gewitter zieht rasch vorüber und bald kommt wieder die Sonne heraus und mit ihr kommt auch wieder Leben in das Küstenstädtchen. Wir verlassen die Bar und gehen direkt über die Küstenstraße zum Nachbarort Minori, wobei Uyangaa spontan den gerade vorbeifahrenden Bus nimmt. Einen Supermarkt in Maiori nutzen einige von uns noch, um das italienische Sortiment zu überprüfen und Chips oder andere Goodies für unterwegs zu kaufen. Eine halbe Stunde später sind wir in Minori, wo unsere Unterkunft Palazzo Vinigus schon gut vom Strand aus zu sehen ist.

Unsere heutige Unterkunft

Etwas schwieriger ist es, den richtigen Zugang zu finden – dieser befindet sich links von einer Pizzeria über viele Stufen und einigen Hauseingängen vorbei und ca. 30 Höhenmeter vom Strand hinauf. Wir werden schon erwartet, immerhin haben wir sechs der acht Zimmer für uns reserviert. Ich teile mir das Zimmer wieder mit Erika und Susanne und wir haben einen kleinen Balkon unmittelbar über dem Meer auf dem ich meine Schuhe zum Trocknen rausstelle. Beim Abendessen „fallen“ wir gleich in die Pizzeria beim Zugang zu unserer Unterkunft, wo es Pizzas aber nur zu Mittag gibt.

Heinz & Herta genießen die Nachspeise

Der Chef weist auf seine große Auswahl bei Fischgerichten hin und ist dann sichtlich enttäuscht, als dann fast keiner etwas davon bestellt. Das Essen schmeckt trotzdem allen gut und wir versöhnen uns dann mit ein paar Nachspeisen die sehr gut uns reichlich sind.

Das nächtliche Minori

21.05.2019: Minori – Amalfi – San Lazzaro (Agerola)

In der Nacht bin ich aufgewacht und habe festgestellt, dass es stark regnet und musste das Wasser aus meinen Schuhen ausleeren. Natürlich sind die Schuhe nun immer noch nass, aber es ist sonnig in der Früh und das Wetter scheint sich zu stabilisieren. Beim Frühstück gehört der komplette Frühstücksraum uns inklusive vier Plätzen auf dem Balkon mit Blick aufs Meer. Wir können uns bei Wurst, Käse, Toast, Müsli und anderen stärken. Susanne, Dusanka und Uyangaa beschließen, heute den Bus nach Amalfi zu nehmen und den Rest der Gruppe erst beim zweiten Teil unserer heutigen Wanderung zu begleiten. Der Rest trifft sich um 09:00 Uhr auf der Hinterseite unserer Unterkunft, die so in den Hang hineingebaut ist, dass wir uns so gleich wieder einige Höhenmeter sparen. Nur Franz hat vom Treffpunkt nichts mitbekommen und wir warten einige Minuten zu neunt, bevor ich mich auf die Suche mache. Susanne ruft ihn an und einige Minuten später sind wir komplett, er war bereits am Strand vom Minori und hat uns gesucht. Nun geht es unzählige Stufen hinauf vorbei an einem Friedhof, einigen Kirchen und vielen kleinen Häuschen und Gärten mit Zitronenbäumen Richtung Ravello. Nach den ersten 150 Höhenmetern gibt es eine Abzweigung nach Amalfi. Da die Mehrheit der Wanderer aber das Opernhaus von Ravello sehen möchte, gehen wir weiter die Stufen hinauf und erreichen nach einer knappen Stunde Gehzeit das Örtchen Ravello mit dem von Oskar Niemayer gestalteten Opernhaus. Anschließend müssen wir ein kurzes Stück wieder zurück, bevor uns ein hübsches Keramikschild die nächste Abzweigung nach Ravello anzeigt. Die Sonne setzt sich immer mehr durch während wir auf schmalen Wegen weiter zwischen Häusern und Gärtchen wandern. Wir passieren auch das Santuario dei Santi Cosma e Damiano. Ein eindrucksvoll in einen Steilfelsen integriertes Kloster, welches wir schon beim gestrigen Abstieg immer gesehen haben. Apropos Sehen – heute fällt uns bei jedem Rückblick das Santuario dell Avvocata ins Auge, welches hoch über der Küste thront und von dem man bei wolkenlosen Himmel wohl einen super Fernblick haben muss. Über eine lange Treppe bergab mit vielen steilen Stufen verlieren wir rasch an Höhe und nähern uns rasch der Küstenstadt Atrani, die auch als kleine Schwester von Amalfi bezeichnet wird. Das Zentrum von Atrani ist interessant gelegen – es liegt auf Meeresniveau mit Zugang zum Strand, die stark befahrene Küstenstraße führt aber ca. 10 Meter höher zwischen Meer und Ortszentrum über ein Viadukt durch Atrani. Auch die Fusswege nach Atrani und das um die Ecke liegende Amalfi sind besonders. Durch ganz enge Gäßchen, Hinterhöfe, kleine Treppchen und zahlreiche Durchgänge führt der Weg, den ich mich ohne klaren Hinweis vom GPS nicht trauen würde zu gehen. So gehen wir ca. 15 Minuten zwischen den Häuschen, bevor uns plötzlich der Weg mit unmittelbaren Blick auf den Strand von Amalfi ausspuckt. Von hier aus kann ich auch Susannes markantes Rot/Schwarzes Gewand erkennen und wenige Minuten später treffen wir uns alle am Strand. Hier machen wir längere Pause, die manche zur Erkundung  der Stadt und andere zur Erholung und Abkühlung im Meer nutzen. Ich wage auch ein paar Schritte durch Amalfi, aber die zahlreichen Busse haben so viele Touristen hierher gespült, dass man in den engen Gassen kaum sein eigenes Tempo gehen kann. Ich kann natürlich verstehen, dass ein liebreizendes Städtchen am Meer mit langer Geschichte so viele Menschen anzieht, bin aber trotzdem froh, dass wir auf unserer Wanderung bislang nicht vielen anderen Wanderern begegnet sind. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und entsprechend warmen Temperaturen verlassen wir Amalfi wieder durch enge Gassen und Hinterhöfe, wie wir gekommen sind und setzen unseren Weg ca. 100 Höhenmeter oberhalb der Küstenstrasse auf angenehm zu gehenden, asphaltierten und gut markierten Wegen fort. Plötzlich ist der weitere Weg durch zwei gekreuzte Holzstangen gesperrt. Ich klettere drüber und gehe einige Schritte weiter, doch es wird der Weg wird immer verwachsener. Obwohl klar ist, wo wir hinmüssen, möchte ich die Gruppe keinem unnötigen Risiko aussetzen und wir kehren um und wir machen ein Abzweigung über einige Stufen und die nächste Straße die wir erreichen. Beim Umkehren hat Hannes Glück, als er verkehrt über einige Stufen ins Stolpern kommt, jedoch von Herta soweit aufgefangen wird, dass der Kopf keinen Bodenkontakt hat. Unbeschadet setzen wir unseren Weg entlang der Küste fort und gewinnen langsam an Höhe. Bei ca. 300 Höhenmetern zweigt unsere Weg von der Küste weg nach Norden ab und es geht die restlichen 300 Höhenmeter wieder über Stufen bergauf Richtung der Hochebene Agerola. Als einige Mitwanderer gerade ansetzen über die vielen Stufen zu jammern kommen uns zwei Männer entgegen von denen einer blind ist und mit Hilfe des anderen die unzähligen Stufen dieser Strecke meistert. Auch ein als Packtier genutzter Esel mit seinem Besitzer taucht plötzlich von einem Querweg kommend auf und bietet Abwechslung beim Kampf gegen die vielen Stufen und die mittlerweile stark wärmende Sonne. Schlussendlich ist es geschafft und wir erreichen die Ortschaft San Lazzaro, wo wir uns wieder auf zwei Quartiere aufteilen. Drei Pärchen übernachten im Jerula B&B während die anderen 7 im Quartier Incanto dei Monti Ihren Platz finden. Kaum checken wir dort ein, verrät uns der Besitzer schon einen guten Tipp für das Abendessen. Im nebenanliegenden Agriturismo gibt es zwar keine Speisekarte, doch was wir dort serviert bekommen, wird wohl das kulinarische Highlight dieser Reise werden. Zuerst geht es los mit Antipasti, darunter Riesenkugeln von Mozzarella, gebackene Auberginen, frischer Ricotta, Scheiben von Speck und Hartwürsten und pikante, „gebackene Mäuse“ sowie einige andere Leckereien. Als bereits alle satt sind, werden wir betreffend der Pasta gefragt, wo uns drei Varianten (mit Walnuss-Ruccola, Tomaten-Speck und Carbonara) angeboten und kredenzt werden. Als wir die Teller in Gemeinschaftsarbeit leergeputzt haben kommen noch drei Schüsseln mit den „Resten“ aus der Küche, die wir auch noch aufessen sollten. Und zum Schluss werden noch verschiedene selbstgemachte Kuchen gereicht, die natürlich auch gekostet werden müssen. Als wir dann pro Person für dieses Gerichte inkl. Wein, Wasser und einer Runde Verdauungsschnäpse nur 20 EUR bezahlen ist klar, dass dieses Abendessen bei dieser Reise wohl nicht mehr getoppt werden kann.

22.05.2019: San Lazzaro – Bomerano – Sentieri degli Dei – Santa Maria del Castello

Der nächste Morgen beginnt mit dem Frühstück, welches wir am Vortag auf einer Multiple Choice Bestellkarte bestellt hatten – es ist alles hier was wir uns gewünscht haben. Um 09:00 Uhr holen wir die drei Pärchen vom Jerula B&B ab und beginnen die heutige Tour mit sanften Auf und Ab auf den Straßen der Hochebene von Agerola. Genau den direkten und auf meiner 1:10000 Karte eingezeichneten Weg können wir zwar nicht gehen, da wir dazu durch private Hauseinfahrten durchmarschieren müssten, aber auch über die etwas längere Strassenverbindungen kommen wir rasch nach Bomerola. Am Hauptplatz von Bomerola tauchen plötzlich aus allen Ecken zahlreiche Wanderer auf. Wir befinden uns hier am Startpunkt des „Sentieri degli Dei“, einem der bekanntesten und schönsten Wanderwege Italiens. Nach einer kurzen Kaffee- und Eispause machen auch wir uns auf den göttlichen Weg. Nur wenige Meter nach Bomerano erhalten wir wieder Blick aufs Meer, welches unterhalb einer Steilküste 600m unter uns liegt. Und genau das macht den Reiz dieses relativ leicht zu gehenden Weges aus – die Aussicht. Wir gehen eingebettet in Felsen auf gleicher Höhe entlang und sehen die an die Küste geschmiegten Ortschaften wie Praiano und Positano aus der Vogelperspektive. Bei guter Sicht, die wir heute haben, ist die restliche Amalfiküste bis Capri zu sehen. Auf einer besonders exponierten Stelle nutzen wir die guten Bedingungen für eine kurze Fotosession und lassen uns und unser Equipment ein wenig springen. Auf den Weg kommt man gut voran, wären da nicht 100e Wanderer von denen leider nicht alle dem steinigen und manchmal auch felsigen Weg entsprechend ausgestattet sind. Highlight ist ein 60jähriges Mütterchen, welches sich mit flip-flop-ähnlichen Sandalen über felsigen Tritte balanciert. Trotzdem ist der Weg der Götter zu Recht eine der Hauptattraktionen auf der Amalfiküste. Knapp nach Mittag erreichen wir das kleine Bergdorf Nocelle, wo wir unsere Mittagsrast einlegen und den weiteren Verlauf besprechen. Susanne und Erika, sowie Heinz und Herta wollen mit dem Bus von Nocelle nach Positano fahren und von dort zu unserer heutigen Unterkunft aufsteigen. Alle anderen gehen mit mir den ursprünglich geplanten Weg, der uns zuerst nach Montepertuso und dann direkt zum Kloster Santa Maria dell Castello führt. Von Nocelle nach Montepertuso führt der Weg zuerst noch parallel zur Straße und die zweite Hälfte auf der Straße, auch dieser Teil ist eigentlich noch Bestandteil des Sentiero degli Dei, der offiziell in Positano endet. Als wir Montepertuso erreichen, überholt uns gerade der Bus von Nocelle, der so vollgestopft ist, dass wir nur den an die Innenwand gepressten Heinz darin ausmachen können. Während der Bus weiterfährt, machen wir eine kurze Eispause am „Hauptplatz“ von Montepertuso und setzen den Weg dann direkt fort. Der Einstieg ist wieder einmal ziemlich versteckt, am Ende eines verlassenen Parkplatzes beginnt der sporadisch markierte Weg. Zuerst folgen wir noch mit einigen Abstand der Straße nach Positano. Dabei umrunden wir eine markante Felsformation mit einem Loch. Ich finde den Weg sehr schön, ein schmaler Wanderweg, der manchmal auf Felsterrassen entlangführt und sich langsam einer bewachsenen Schlucht nähert, die ein (zur Zeit) schmales Bächlein ausgehoben hat. Als wir dem Weg folgend ein ausgetrocknetes Bächlein überqueren und es bergauf geht, fällt mir auf, dass die Richtung nicht mehr ganz passt. Ein Blick auf das GPS bestätigt mein Gefühl und ich muss die ganze Gruppe wieder abwärts ein paar Meter zurückbeordern und mache mich auf die Suche nach der verpassten Abzweigung. Diese finde ich extrem unscheinbar mit einem verblassten, lila Markierungsstrich auf einem mit Moos bewachsenen Stein und einem Weg, den man erst beim zweiten Hinschauen als solchen identifiziert. Da die GPS-Anzeige und die Richtung hier passt, folgen wir diesen Weg. Dieser führt uns weiter in die immer enger werdende und hoch bewachsene Schlucht und verlangt auch hohe Trittsicherheit. Diese lässt Hannes heute leider vermissen. Bereits auf der Asphaltstraße nach Montepertuso ist er umgeknickt, nun hören wir plötzlich einen lauten Schrei einige Meter vor uns (er war als Erster vorgeeilt). Als wir ihn erreichen, liegt er einige Meter unterhalb des Weges im Dornengebüsch, welches ihn glücklicherweise vor einem größeren Absturz bewahrt hat. Franz und ich ziehen ihn wieder auf den Weg und Susanne versorgt die durch die Dornen aufgeschürften Stellen – ansonsten ist zum Glück alles heil geblieben. Nach einer Schreckpause setzen wir den Weg fort, wobei nun ich unumstritten der erste bin, der den Weg sucht. Nach insgesamt gut zwei Stunden verlassen wir die Schlucht und erreichen eine Straße in der Nähe von Santa Maria del Castello. Nach wenigen Metern ist schon das Agriturismo La Ginestre angeschrieben, wo wir um ca. 16:00 Uhr ankommen. Wir bekommen unsere Zimmer zugewiesen, drei davon haben direkten Zugang zu einer herrlichen Sonnenterrasse mit Blick über den ganzen Golf von Neapel einschließlich der Insel Ischia. Während wir unsere Wäsche trocknen erreichen auch die vier, die Positano besichtigt haben unser Quartier und wir sind wieder vollständig. Ähnlich wie gestern gibt es auch heute abend das gleiche Menu für alle. Es schmeckt gut, kann aber in Menge, Vielfalt und Qualität bei weiten nicht an das gestrige Highlight heranreichen. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang hinter der Insel Ischia endet dieser Tag.

23.05.2019: Santa Maria del Castello – Sant Agata

Nachdem gestern alle fleißig die gesamte Strecke gewandert sind, beschließen heute unsere „Fußmaroden“ Susanne, Dusanka und Uyangaa ein Stückchen abzukürzen. Die Dame des Hauses ist so nett und bringt die drei nach Colli di San Pietro womit sie sich ca. 500 Höhenmeter bergab ersparen. Für die restlichen Wanderer geht es wieder um knapp nach 09:00 Uhr los, zuerst ein kleines Stück zurück von wo wir gestern gekommen sind und dann 200 Höhenmeter hinauf auf den Monte Commune. Vom Meer her ziehen viele Wolken Richtung Festland aber diese schaffen es nicht ganz über die Berge der Amalfiküste, sodass wir direkt oberhalb der Steilküste teilweise im Nebel und teilweise im Sonnenschein gehen. Nach einem kurzen Stück endet die Straße und wir befinden uns nun direkt auf dem 300er, jenem Weg der die Amalfi-Küste an den höchsten Punkten der Monte Lattari entlangführt. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung. Hier ist das Kreuz der beiden Golfe aufgestellt, da man von hier aus einen herrlichen Blick über den Golf von Neapel und den Golf von Salerno hat, wobei sich der Golf von Salerno weiterhin hinter den Wolken versteckt. Trotzdem eignet sich das Gipfelkreuz hervorragend für eine Foto-Pause und wir lassen alle Wanderer springen, um ein paar witzige Bilder zu erhalten. Nun geht es zunächst sehr steil in großen Terrassen bergab, wobei wir immer unser nächstes Zwischenziel, das Kreuz am Monte Vico Alvano vor Augen haben. Der Weg ist heute gut markiert, neben zahlreichen rot-weiss-roten „300“ern müssen wir heute nur den Baustellenbändern folgen, die im Rahmen eines kürzlich stattgefundenen Mountainbikerennens an Grashalmen und Bäumen angebracht wurden. Schlussendlich erreichen wir nach Durchschreitung eines Sattels knapp vor Mittag den Rücken des Monte Vico Alvano wo sich ein Wanderer gerade unter einem Baum erholt (übrigens der erste den wir heute sehen). Ohne auf das GPS zu schauen, folge ich dem ausgetretenen Pfad, der uns 15 Minuten später direkt zum bereits lang sichtbaren Kreuz führt. Dort ist zwar die Aussicht durchaus einen Abstecher wert, um aber unser Zwischenziel bei Colli di San Pietro zu erreichen müssen wir wieder genau dorthin zurück, wo der Wanderer gesessen ist. Von da an geht in 6-7 langgestreckten Serpentinen 300 Höhenmeter bergab, wobei der Weg teilweise stark von der in voller Pracht blühenden Macchia zugewuchert ist. Unten angekommen wandern wir noch durch eine Art Schloßgarten, bevor wir auf eine Straße und kurz darauf zum vereinbarten Treffpunkt bei Colli di San Pietro stoßen. Doch an der vereinbarten Kreuzung wartet niemand auf uns, obwohl die drei bereits seit 30 Minuten hier sein müsste. Unsere Mobiltelefone haben kaum Empfang, trotzdem erreicht uns die Nachricht, dass die drei direkt zum Ristaurante La Rosa gebracht worden sind. Nur in welche Richtung liegt dieses Restaurant ? Drei Nachfragen bei Einheimischen und ein paar Datenpakete später wissen wir, dass das Lokal noch ca. 2 Kilometer entfernt ist, zum Glück in die Richtung, in die wir sowieso gehen wollen. Leider führen diese 2 Kilometer direkt entlang der Straße, aber dafür werden wir auf der Terrasse des Restaurants schon von unseren drei Taxifahrerinnen empfangen. Gutes Essen und der Blick aufs Meer entschädigen für den etwas längeren Vormittag. Nach dem Essen gehen wir noch ein Stückchen entlang kleiner Gässchen und der Hauptstraße bevor ein schmaler Pfad abzweigt, der uns auf ca. 4oo m Seehöhe oberhalb der Küste entlang führt. Herrlich ist dieser einsame, teilweise anspruchsvolle von der Macchia überwucherte Pfad mit direkten Blick aufs Meer. Nach einer Stunde kommen wir zu einer Farm, die mitten in der Wildnis liegt und wo alles angebaut wird, was an diesem Fleckchen wächst – Artischocken, Oliven, Kirschen, Zitronen, Zucchini, Salate und vieles mehr – jedes kleine Stückchen ebene Erde wird genutzt. Unser Weg verbreitert sich und führt uns in die Ortschaft Torca. Hier fällt wieder mal auf, dass die Italiener auf den schmalsten Gässchen unterwegs sind. Man rechnet nicht damit, dass überhaupt ein Auto durchpasst und plötzlich kommt einem ein protziger Mercedes entgegen. Dementsprechend sind bei vielen Autos die Außenspiegel zerstört und nicht mehr benutzbar. Wir machen eine kleine Pause am Hauptplatz vor der Kirche von Torca und beobachten das rege Dorfleben, bevor wir die letzte halbe Stunde auf Nebenstrassen zu unserem Tagesziel Sant Agata aufbrechen. Direkt neben einer Hauptstrasse finden wir dort unsere heutige Unterkunft Relais de la Costiere. Ich hätte drei freistehende Selbstversorgerhäuschen erwartet, tatsächlich handelt es sich um ein Haus mit drei großzügigen Apartments, zwei davon mit großer Terrasse. Direkt gegenüber liegt ein Supermarkt, wo man den Vorrat an Chips und Keksen aufstocken kann und nur ein paar Schritte weiter ist das Zentrum von Sant Agata, wo sich zahlreiche Restaurants befinden. Heute müssen wir daher wieder eine Auswahl betreffend des Abendlokals treffen, was bei 13 Personen schwieriger ist, als einen zugewachsenen Wanderweg zu finden 😉. Wir schaffen es und finden ein kleines, gemütliches Lokal mit gutem Essen aber langen Wartezeiten, sodass anschließend außer für ein kleines Eis keine Zeit mehr für das Nachtleben von Sant Agata bleibt.

24.05.2019: Sant Agata – Marina del Cantone – Sorrent

Frühaufsteher Gerhard und ich holen uns schon um 07:00 Uhr ein erstes Frühstück und einen Kaffee und erkunden gleich die möglichen Frühstückslocations, da wir heute kein Frühstück beim Quartier bekommen. Anschließend lotsen wir die gesamte Gruppe in eine Art Konditorei mit leckeren Mehlspeisen und einer großen Terrasse. Dusanka bemängelt, dass es nur Süßzeug und keine Wurst und Käse gibt, aber „allen Leuten recht getan …“ 😊. Wir gehen heute ein Stückchen des gestrigen Weges zurück, bis wir wieder auf den Weg 300 treffen, der uns wieder herrlich oberhalb der Steilküste führt, wobei wir dauernd Blick auf die Insel Isca haben. Der heutige Weg ist punkto Überwucherung noch einmal eine Steigerung zu bisher. Anfangs noch klar und deutlich zu erkennen, wird es immer schwerer, dem Weg zu folgen. Oberhalb des Strandes von Recommone gibt es zum Glück eine in meinem „Golf von Neapel“ Reiseführer beschriebene Alternative. Wir gehen zum obersten Häuschen einer verfallenen Ferienhausanlage und folgen dort den Stufen, die vom Strand zu den Ferienhäuschen gebaut worden. Dieser Weg bringt uns zum Hintereingang des Restaurants von Recommone, wo uns ein Kellner bemerkt, und ein bisschen widerwillig aber doch den Weg durch sein Restaurant öffnet. Da der dortige Strand nur für Hotelgäste zu sein scheint, motiviere ich meine Truppe noch weiter zu gehen. Nur 30 Minuten später erreichen wir den Strand von Marina del Cantone, den ich für die heutige Mittagspause auserkoren habe. Das Badevergnügen auf dem Steinstrand ist zwar durch die anwesenden Quallen etwas getrübt, aber Susanne und Herta lassen sich schlussendlich an diesem heißen Tag nicht davon abbringen. Der Rest kühlt sich mit einem Granite oder einem Bier von einer der nahegelegenen Strandbars ab. Die zweite Hälfte der Wanderung nach Sorrent würde ich gerne nach dem Prinzip der „10 kleinen Negerlein“ bestreiten. Beginnend in Marina del Cantone geht von jeder Ortschaft, die wir nun durchqueren ein Bus nach Sorrent. Somit kann jeder in den Bus einsteigen, wenn er sein persönliches Tagespensum erreicht hat. Die ersten 200 Höhenmeter bergauf nach Nerano sind noch alle mit dabei, der steile Bergaufweg bei hohen Temperaturen fordert jedoch seinen Tribut und Dusanka und Silvia warten in Nerano auf den Bus. Der Rest der Truppe geht gestärkt von Eis und Softdrinks weiter bergauf (wenn auch nicht mehr ganz so steil), bis wir die Ortschaft Termini erreichen. Von der Terrasse im Ortszentrum hat man einen super Ausblick auf Capri und einer der dort ausgestiegenen Autotouristen macht ein Foto von uns. Aufgrund der vielen Möglichkeiten ist die Wegfindung nicht so einfach, doch sind unsere nächsten Ziele Massa und Sorrent oft angeschrieben, sodass nur selten ein Kontrollblick auf das GPS notwendig ist. Ab Termini geht es auf schmalen (eine Kleinwagenbreite), meist asphaltierten Wegen weiter, auf denen wir rasch vorankommen. Wir passieren die kleine Ortschaft Santa Maria mit der gleichnamigen sehenswerten Barockkirche und erblicken bald darauf das für die Halbinsel Massa Lubrense namensgebende Städtchen Massa. Am dortigen Hauptplatz finden wir zum Glück einen Eissalon und fast alle fleißigen Wanderer gönnen sich ein Eis mit zumindest zwei Kugeln, manche sogar mehrere. Auch hier verliere ich keine Wanderer an die Buskonkurrenz uns so bewältigen wir zu elft unsere letzten Höhenmeter über den Monte Corbo bevor es langsam bergab dem Ziel unserer Tour an der Amalfiküste entgegengeht. Knapp vor Sorrent genießen wir noch den Ausblick auf die größte Stadt der Amalfihalbinsel bevor wir in das geschäftige Treiben eintauchen. Hier ist ebenso wie in Amalfi und Positano einiges los und wir gehen quer durch die Stadt zu unserem heutigen Quartier „Sorrento Relais“. Silvia und Dusanka warten bereits auf uns als wir einchecken. Die Zimmer sind sauber und modern eingerichtet, insgesamt wirkt das Ganze aber etwas kühl, besonders für Franz und Susanne, die bei der Zimmerzuteilung ein Zimmer im Untergeschoss zugewiesen bekommen. Aufgrund der vielen Auswahl erweist sich die Suche nach einem Lokal für das Abendessen wieder einmal schwierig, schlussendlich finden wir doch einen gemeinsamen Nenner, in einem Lokal, welches zwar sehr nobel wirkt, von den Preisen jedoch moderat ist.

25.05.2019: Sorrent – Vesuv – Herculaneum – Neapel

Das Frühstück nehmen wir im Keller ein, wie die Unterkunft mit einer kühlen Athmosphäre aber ausreichend Auswahl. Um 09:00 Uhr starten wir Richtung Bahnhof von Sorrent. Dort steigen wir in einen Zug der Circumvesuviana ein, eine Gruppe von S-Bahnen, die am Fuße des Vesuvs verkehren. Der Vesuv ist auch unser erstes Ziel für heute und so bleiben wir in dem immer voller werdenden Zug bis zur Station Ercolano, ein Vorort von Neapel. Vom Vorplatz der Bahnstation fährt direkt ein Bus zum Vesuv. Die Tickets für die Hin- und Rückfahrt kosten EUR 20,– pro Person. Der Busfahrer klebt uns kleine Pickerl mit einer „3“ auf das Gewand, damit er uns beim Runterfahren wieder erkennt und startet, sobald der Bus voll ist. Gleich nach dem Verlassen des Städtchens treffen wir auf die Bergstraße auf dem Vesuv, die sich in teilweise engen Kurven den zur Zeit wenig aktiven Vulkan hinaufschlängelt. Weiter oben entlang der Straße kann man gut die Spuren ehemaliger Ausbrüche erkennen, die aber teilweise schon wieder von der Flora zurückerobert werden. Knapp 200 Höhenmeter unterhalb des Kraterrandes ist der Parkplatz, auf dem schon zahlreiche Busse parken. Dementsprechend viele Leute schlängeln sich drei Serpentinen hinauf. Diese sind zwar breit genug für ein Auto, für Flip-Flop-Touristen stellt das schottrige Vulkangestein aber trotzdem eine Herausforderung dar. Nach ca. 20 Minuten erreichen wir den Kraterrand und erhaschen einen ersten Blick auf das Innere des Vulkans. Ein schöner Vulkankegel, aber nur an einer einzigen Stelle raucht es ein wenig heraus, da bin ich aus Island spektakuläreres gewohnt. Der Touristenpfad geht weiter unmittelbar am Kraterrand entlang wobei aber drei Imbiss- und Souvenierbuden passiert werden können. Nach einer halben Umrundung endet der Weg bei einer der Buden. Man könnte hier zwar noch weitergehen und den Krater ganz umrunden, dafür ist aber eine Voranmeldung notwendig. Für uns ist hier unser Umkehrpunkt an dem uns Heinz & Herta mit einer Flasche Limoncella Crema überraschen und wir auf die gelungene Reise und die Aussicht anstoßen. Etwas beschwipst machen wir uns also auf unseren Rückweg, da wir von unserem Busfahrer eine fixe Zeit für die Rückkunft vorgegeben bekommen haben. Nach der Rückfahrt machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Ausgrabungsstätte Hercanoleum. Nach ca. einem Kilometer durch die eher schmucklosen Straßen von Ercolano erreichen wir die „kleine Schwester“ von Pompeji. Susanne & Franz, Claudia & Hannes sowie Uyangaa beschließen sich den Eintritt zu sparen und stattdessen ein kleines Restaurant aufzusuchen. Die restlichen nehmen am extra von mir eingebauten Kulturprogramm teil. Obwohl ich für alte Steine nicht viel übrig habe, ist es auch für mich eindrucksvoll zu sehen, wie Türschilder, Zeichnungen, Mosaike oder Möbel nach über 2000 Jahren noch so gut erhalten sind. Man geht durch eine komplette Kleinstadt und dank des Planes und des Booklets, welche man erhält, wird detailgenau beschrieben, vor welchem Haus man steht, und welche Funktion es hatte. Nach ca. 1,5 Stunden haben alle Wanderer ihren Kulturhunger soweit gestillt und wir gehen zurück zur Station der Circumvesuviana. Wir müssen relativ lang auf den Zug warten, dieser ist dafür dementsprechend voll. Dies wird mit jeder Station schlimmer je näher wir Neapel Bahnhof kommen, sodass es eine Befreiung ist, als der Zug diese Station erreicht und wir alle endlich wieder genug Luft zum Atmen bekommen. Mir stellen sich vor dem Aussteigen zwei Personen unmotiviert in den Weg, die ich mit leichten Nachdruck und Fluchen wegschieben kann. Vielleicht ist das ja ein Taschendiebtrick, aber zum Glück haben wir alle unsere Wertsachen behalten. Vom Bahnhof aus gehen wir ca. 15 Minuten zu unserer letzten Unterkunft dem Pontenuovo Bed in der gleichnamigen Straße. Fast alle Häuser in Neapel wirken von außen verfallen und ziemlich trostlos und so gehen wir auch an unserer Unterkunft zuerst vorbei, weil wir nicht glauben können, daß uns so ein gräßliches Haus beherbergen soll. Der Innenhof und das hohe Stiegenhaus mit schönen Gewölben machen da schon einen besseren Eindruck und innen ist die Unterkunft super schön hergerichtet mit hellen Wänden mit Wandmalereien, Blumendekorationen und Duftsteinen. Nach dem Tipp der Gastgeberin suchen wir für das Abendessen das in der Nähe gelegene Lokal „La Cucina e Mama“ auf. Der dortige Chef erinnert mit seinen grauen Haaren, der aufgrund einer Operation sehr kratzigen Stimme und seiner Art sehr an einen Mafioso. Beim Essen selbst bestelle ich gemeinsam mit Susanne einen Antipasti-Teller mit 8 Gängen, bei dem vier Gänge zum Sattwerden auch gereicht hätten. In einem privaten Hinterstübchens des Restaurants stoßen wir noch einmal auf diese tolle Reise an und verabschieden uns von Claudia und Hannes, die bereits morgen um 06:00 Uhr in der Früh zum Flughafen fahren müssen.

26.05.2019: Neapel – Wien

Es ist 08:00 Uhr in der Früh, alle sind abmarschbereit aber es ist keine Spur von dem gestern vorbestellten Frühstück. Es gibt auch keinen eigenen Frühstücksraum wie in den anderen Quartieren und außer uns ist niemand in der Unterkunft. 15 Minuten später löst sich das Rätsel, das Frühstück wird hier von einem Boten geliefert. Wir verzehren unsere überschaubaren Portionen in unseren Zimmern, verstauen das Gepäck im Vorraum und gehen am Vormittag noch mit leichten Gepäck durch Neapel. Ich habe meine Wanderführer-Rolle an Erika übertragen, da ich ja nicht als Stadtführer gebucht wurde und diese führt uns Richtung Zentrum. Dabei beginnt es immer heftiger zu regnen, was den Eindruck von Neapel als unattraktive Stadt noch verstärkt. Die verfallenen Häuser und verdreckten Gassen wirken bei Regen noch trostloser und auch das Zentrum hat außer vielen kleinen Läden und Touristengeschäften verteilt auf zwei lange Gassen nicht viel zu bieten. So schnappen wir uns nach 2,5 Stunden Fußmarsch durch Neapel unser Gepäck, gehen den gestrigen Weg zum Bahnhof retour und nehmen einen der alle 15 Minuten fahrenden Flughafenbusse zu der kurzen Fahrt zum ziemlich stadtnah gelegenen Flughafen von Neapel. Wir verabschieden uns von Silvia, die auf Ihren Heimflug nach Deutschland noch ein wenig warten muß und nach einem letzten italienischen Eis bringt uns unsere Aua-Maschine wieder zurück nach Wien.

05.04.2019: Wien – Stockholm – Murjek

Die erste Wintertour im Rahmen von „Einfach Wandern mit Rene“ startet mit einem letzten Mal richtig  sattessen mit der Familie beim Chinesen in Korneuburg. Am Bahnhof Korneuburg nehmen wir die erste Mitreisende Gerlinde zum Flughafen mit. Dort treffen wir auf Heinz, Helga und Uyangaa und sind somit schon fast komplett – Sonja werden wir direkt am Flughafen Stockholm treffen. Während meine Familie die Anwesenheit am Flughafen nutzt, um eine Führung zu konsumieren, versuchen wir unsere Schi einzuchecken. Zum Glück habe ich für alle den Mittransport von Sportgepäck angekündigt, sodass keine Mehrkosten entstehen. Trotzdem dauert es ewig, bis wir unsere Schi endlich los sind. Umso rascher geht es zum Flugzeug – ein Startfoto unserer Gruppe vor dem Abflugsbildschirm und los geht das Abenteuer.

Unsere Truppe vor Beginn der Reise

Der Flug ist zum Glück pünktlich, denn zum Umsteigen in den Nachtzug nach Nordschweden verbleiben nur eine Stunde nach der Landung. Als unser komplettes Gepäck 30 Minuten nach der Landung hier ist, fällt einmal die erste Anspannung von mir ab – nun sollte nicht mehr viel schief gehen. Sonja, die eine abenteuerliche Anreise mit Zugverspätungen in Deutschland hatte, erwartet uns bereits am Flughafen und wir gehen rasch zum Bahnhof Arlanda C (im Terminal 5).

Komplett mit Gepäck

Der Bahnhof sieht ein wenig aus, wie ein Bergwerk und wirkt nicht besonders einladend, aber nach 10 Minuten Wartezeit steigen wir schon in unseren Zug ein. Ich bin gespannt auf die Luxusschlafabteile, die ich gebucht habe. Wir haben zwei Abteile mit je 3 Betten übereinander, etwas mehr Platz als üblich und einem eigenen Waschbecken. Zusätzlich gibt es eine geräumige Dusche am Gang, die mit einer Schlüsselkarte genutzt werden kann, die sich in jedem Abteil befindet.

Erwartungsvoll gehts mit dem Zug nach Nordschweden

Hier im Zug riecht es schon ein wenig nach Abenteuer, in den meisten Abteilen befinden sich Leute in Outdoor-Kluft und viele Schi und Rucksäcke sind zu sehen. Wir betrachten bei der Zugfahrt gespannt die schwedische Landschaft, freuen uns über die ersten Schneeflecken und staunen über den deutlich länger dauernden Sonnenuntergang.

06.04.2019: Murjek – Kvikkjokk – Parte

Obwohl die Betten im Zug breit und bequem sind, war die Nacht für mich sehr unruhig. Viele Male bin ich aufgewacht – offensichtlich bin ich noch immer ein wenig angespannt, solange die Reise noch nicht richtig losgegangen ist. Pünktlich um 06:57 springen wir in Murjek, einem kleinen Örtchen an der Bahnlinie, aus unserem Zug.

Am Bahnhof von Murjek

Überall liegt Schnee und die Temperaturen sind auch leicht unter 0 – wir sind also endgültig oberhalb des Polarkreises angekommen ! Für 07:00 Uhr habe ich ein Taxi bestellt, doch es ist vorerst nicht zu sehen. Stattdessen plaudern wir ein wenig mit der einzigen anderen Person, die ebenfalls aus dem Zug gestiegen ist. Es ist eine Belgierin, die nach Jokkmokk zu ihrem Mann fahren möchte, bevor sie auf eine Sarek-Tour aufbrechen werden.

I wart auf a Taxi, aber es kummt net

Um 20 Minuten nach sieben werde ich ein wenig nervös, ob das Taxi überhaupt kommt, doch gerade als wir uns die kleine Bahnhofsboutique (Öffnungszeit 07:30 Uhr) ansehen wollen, kommt ein kleiner Schulbus daher und gabelt uns auf. Die Belgierin nehmen wir auf den Weg nach Jokkmokk gleich mit. Nach einer Stunde in Jokkmokk bitten wir den Fahrer, kurz bei einer Tankstelle anzuhalten, wo wir uns mit Kaffee und ein paar Snacks eindecken. Die weitere Fahrt nach Kvikkjokk geht einer über 100km langen Sackgasse entlang, die meiste Zeit neben einem Stausee. Plötzlich wird der Fahrer langsamer, denn ein paar Rentiere traben gemütlich auf der Straße. Sie lassen sich auch dadurch nicht stören, dass wir die Tür des Busses öffnen, um ein paar Fotos machen zu können.

Schnappschuss aus dem Taxi heraus

Nach dieser willkommenen Unterbrechung geht es weiter und wir erreichen knapp nach 10 Uhr den Ausgangspunkt unserer Tour, das Örtchen Kvikkjokk mit der gleichnamigen Fjällstation. Ein letztes Mal nutzen wir ein WC mit Wasserspülung, dann füllen wir unsere  Teekannen frisch auf, ziehen das warme Langlaufgewand an und los geht´s. Wie in Abisko gibt es auch ein kleines „Starthäuschen“ zum Kungsleden.

Das Starthaus von Kvikkjokk

Parallel mit uns startet ein Pärchen mit Pulka. Sie gehen ungefähr unser Tempo und als ich höre, dass sie Deutsch sprechen, frage ich ein wenig nach. Sie sind bereits vor knapp zwei Wochen in Hemavan gestartet und übernachten teils im Zelt und teils in Hütten. Dabei hatten sie oft sehr schlechtes Wetter mit heftigen Schneesturm, schlechter Sicht und eisigen Minusgraden. Die Pulkas ermöglichen Ihnen, ausreichend Proviant dabei zu haben. In den nächsten Tagen planen sie die gleichen Etappen wie wir.

Die Gruppe noch frisch auf dem Waldweg

Der Weg geht von Kvikkjokk weg gleich einmal 200 Höhenmeter durch niedrigen Wald bergauf, um den Rest des Tages an Seen entlang oder direkt auf den Seen entlangzuführen.

Wegweiser zum Tagesziel

Heute Samstag sind auf diesem Abschnitt sehr viele Motorschlitten unterwegs – hoffentlich reduziert sich das die nächsten Tage. Das Wetter zeigt sich schon einmal von einer sehr guten Seite.

Begehen des Sees auf eigene Gefahr

Es ist komplett windstill und die Sonne kommt immer wieder durch, sodass sich eine ausgiebige Pause am See Stuor Dahta anbietet, um das Panorama zu genießen. Da fast der gesamte Kungsleden mit Metallstangen mit roten Andreaskreuzen im kurzen Abständen markiert und gut auffindbar ist, verteilt sich unsere Gruppe im Laufe des Tages entlang der Strecke.

Unser Pausenplätzchen

Helga übernimmt die Führung, weil sie uns „nicht aufhalten möchte“. Sonja und Uyangaa folgen Ihr, während Gerlinde kontinuierlich Ihr etwas langsameres Tempo geht und dabei von Heinz begleitet wird. Ich versuche, so gut es geht, alle im Blick zu behalten. Sobald wir den See Sjabttjakjaure erreichen, kann man die Hütten von Parte am anderen Ende des Sees schon erkennen. Wir folgen brav den Stöcken, die auf den Seen die Kreuze ersetzen, und werden in einem großen Bogen zu den Hütten. geführt.

Die Partehütte

Der Hüttenwirt begrüßt uns schon vor der Hütte und lädt uns gleich auf einen warme Erdbeersirup-Limo ein, währenddessen er uns die Hüttenregeln erklärt.

Das Wasser muss selbst geholt werden

Kurz nach uns trifft noch eine andere Gruppe ein. Da dort jemand auf Hundehaar allergisch ist, werden wir in jenen Schlafraum einquartiert, wo auch die Übernachtung mit Hunden gestattet ist. Dort residiert zur großen Freude von Sonja bereits ein schwedisches Pärchen mit zwei schönen und sehr disziplinierten Huskies. Fünf von uns schlafen in einem Raum mit einem Stockbett und einem 3er Stockbett, während Sonja das andere Zimmer mit den Huskybesitzern und den Hunden teilt. In den Parte-Hütten gibt es keinen Shop, daher habe ich schon zu Hause Lebensmittel für das erste Abendessen und das erste Frühstück gekauft und mitgenommen.

Unser erstes Abendessen in einer schwedischen Hütte

Aus den mitgebrachten Lebensmitteln zaubern wir unser Abendessen – es gibt Kürbiscremesuppe und anschließend Getreidelaibchen mit Linsenbolognese.

07.04.2019: Parte – Aktse

Unsere erste Nacht in einer der gemütlichen Schutzhütten des STF (Svenska Turist Foreningen) verläuft sehr ruhig und es zeigt sich, dass hier bis auf Heinz eine Runde von Frühaufstehern unterwegs ist. Als ich um 05:30 Uhr aufwache, höre ich mir noch einen Podcast an, aber um 06:15 ist bereits der Ofen angeheizt und die ersten Wanderer machen Frühstück. Wir stärken uns mit einem süßen Couscous mit Nüssen und Früchten, als der Hüttenwirt kommt und uns den Wetterbericht für heute verkündet. Es hat einige Minusgrade, die Sonne soll sich immer wieder zeigen und Wind von bis zu 15m/s wird erwartet.

Abschied von der Parte-Hütte

Am heutigen zweiten Tag wartet gleich  die längste Etappe der ganzen Tour auf uns, es warten ca. 28km auf uns. Also starten wir bereits kurz nach acht Uhr, doch Heinz muss noch einmal umkehren, da er seine Thermoskanne in der Hütte vergessen hat. In der Zwischenzeit verschwinden Sonja, Helga und Uyangaa nach vorne hin aus meinem Blickfeld und sollten auch lange nicht mehr auftauchen.

Gemütlich geht es durch den Wald

Ich bin mit Gerlinde und Heinz unterwegs und wir genießen die ersten Kilometer in windgeschützten Birken- und Nadelwäldchen. Fast gleichzeitig mit uns ist auch das Pärchen mit den Pulkas aufgebrochen und wir überholen uns immer gegenseitig, je nachdem wer gerade eine Pause macht.

Der See Rittak

Nach über einer Stunde erreichen wir den See Rittak und verlassen das schützende Wäldchen. Auf der freien Fläche des Sees macht sich der angekündigte Wind bemerkbar, und 15m/s sind gar nicht so wenig. Schnee- oder Sonnenbrille müssen her, Hals und Mund werden mit einem Tuch geschützt und eine wärmende Haube aufgesetzt, so hanteln wir uns weiter von Holzstange zu Holzstange, die auf den Seen die Kreuze ersetzen.

Die Adjustierung muss verändert werden !

Einmal spielt der am Boden wehende Schnee meinem Gleichgewicht einen Streich und ich falle grundlos nach hinten um. Nach einer halben Stunde ist dieser mühsame Abschnitt überwunden und sobald das Ufer erreicht ist, lässt auch der Wind deutlich nach. Der Blick zurück zeigt mir, das im Eiltempo heranlaufende schwedische Pärchen mit Huskypower, die wohl schon um die Mittagszeit am Ziel ankommen werden, wenn sie so weiterlaufen.

Die Husky-Speed-Schweden überholen uns.

Auch ein etwas älterer finnischer Mann und sein Sohn passieren mich, während ich warte, bis Gerlinde und Heinz sich über den See kämpfen. Weiter geht es windgeschützt ziemlich flach dahin durch das verschneite Wäldchen. Die Sonne kommt phasenweise durch, und es es macht nun richtig Spaß, immer am Ufer des Sees Tjaktjajaure entlangzugleiten. Unvermutet tauchen vor mir Helga und Uyangaa auf, die mitten am Weg sitzen und sich dieses windgeschütztes Plätzchen für ihre Mittagspause auserkoren haben. Während wir essen, passieren uns mehrere Schlittenhundegespanne mit 6 bis 8 Hunden.

Husky-Gespanne unterwegs

Hier mitzufahren würde ich für ein, zwei Stunden ganz spannend finden, aber den ganzen Tag lang wird es vermutlich ziemlich kalt und langweilig am „Steuer“ solch eines Gespannes. Während Helga und Uyangaa nach der Stärkung Ihre Reise fortsetzen, warte ich auf Heinz und Gerlinde und verlängere gemeinsam mit ihnen meine Mittagspause. Anschließend queren wir den See Tjaktjajaure und das verläuft sehr untypisch für eine Seeüberquerung. In der Karte ist die Höhe des Sees mit 430-470m angegeben, da es sich um einen Stausee mit höchst unterschiedlichem Wasserstand handelt. Wir gehen mit unseren Langlaufschi bergauf und bergab über den See durch eine unwirkliche und faszinierende „Mondlandschaft“.

Einer der durchgebrochenen Felsen im See

Der Weg passiert einige Steine, die sich durch das absenkende Eis gebohrt und bizarre Figuren geschaffen haben. Insgesamt dauert die Querung ca. eine Stunde und am anderen Ufer sehe ich gerade noch Uyangaa und Helga im Gebüsch verschwinden, als ich ankomme. Bei der Pause schnalle ich meine Schi ab, um prompt beim ersten Schritt fast bis zur Hüfte im Schnee zu stecken. Abseits der von Motorschlitten und Langläufern festgetretenen Spur merkt man doch, dass diesen Winter ausreichend Schnee gefallen ist. Obwohl wir alle schon recht müde sind und wir schon lange unterwegs sind, müssen wir noch den ca. 100m hohen Bergrücken des Tjaktjajavarre überwinden.

Leichte Anstiege sind zu bewältigen

Dies geht bergauf noch relativ leicht, für die meisten kurzen Anstiege müssen wir unsere Schuppenschi nicht einmal im Grätenschritt verwenden. Beim ersten steileren Bergabstück unserer Tour treffe ich dann wieder auf Uyangaa und Helga, da sich vor allem Uyangaa als Schianfängerin mit den Nordic Cruising Langlaufschi beim bergab schwer tut. Kurz vor der Überquerung des Laitaure tauchen unvermutet zwei WC-Hütten im Gebüsch auf und zeigen uns, dass die Zivilisation nicht mehr weit ist. Trotz unserer Müdigkeit nach der langen Etappe begeistert uns das Panorama des weiten Rapadalen mit dem Berg Skierffe als Wächter.

Das herrliche Panorama des Rapadalen

Kein Wunder, dass das Rapadalen eines der häufigsten Motive bei Skandinavien-Vorträgen ist. Mit dem Zählen der letzten Holzstangen, die uns über den See geleiten, überwinden Helga und ich die letzten Meter des Sees. Wir sind ein wenig frustriert, als die Aktse-Hütten nach Erreichen des Ufers doch noch ein Stückchen entfernter liegen, als es vom gegenüberliegenden Ufer aus erschienen ist.

Von der Sonnenterrasse der Aktse-Hütten

Trotzdem kommen wir erschöpft aber zufrieden an, wo uns Sonja auf der Sonnenterrasse der Aktse-Hütten bereits erwartet. Sie hat in der Zwischenzeit unser Zimmer bezogen, welches wir diesmal noch mit zwei einzelnen Wanderern teilen und weiß die Uhrzeiten der Saunagänge (Männer und Frauen hintereinander) in der Saunahütte von Aktse. Vorher stürmen wir noch den Shop in Aktse und kaufen unser heutiges Menu Köttbullar mit Kartoffelpürree und das morgige Frühstück Scrambled Eggs zusammen. Heinz und Gerlinde treffen knapp vor 18:00 Uhr ein – gerade noch rechtzeitig für den Saunagang der Herren.

Unsere heutige Schlaf-Hütte

Die Sauna von Aktse zeichnet sich durch einen sehr kleinen Umkleideraum und dafür einen großen Wasch- und Saunaraum aus. Das eiskalte Wasser, welches vom nebenanliegenden Bächlein geholt wird, wird im Wassertank des mit Holz beheizten Ofens in der Sauna zum Kochen gebracht und anschließend mit dem kalten Wasser gemischt. Dieses warme Wasser kann man sich dann schöpferweise über den Körper gießen und so vor und nach der Sauna sauber werden. Nach den Saunagängen verspeisen wir rasch unser Essen und erfahren von einem Finnen, dass er morgen unsere ersten beiden Tagesetappen an einem Tag einzigen gehen möchte !

08.04.2019: Aktse – Sitojaure

Nach einer weiteren ruhigen Nacht brechen die ersten Wanderer schon um 06:00 Uhr auf. Beim Weg zur WC-Hütte (Plumpsklo mit warmen Schaumstoffsitzen), die auf dem abschüssigen Gelände schwer zu erreichen ist, rutsche ich mit meinen profillosen Hüttenschuhen gleiche einmal aus. Jetzt wird klar, warum in der Nacht jeder versucht, WC-Gänge zu vermeiden 😊.

Vorbereitung der Scrambled Eggs

Die Scrambled Eggs (aus Pulver) zum Frühstück fallen eher in die Kategorie „einmaliges Experiment“, stellen aber trotzdem eine Abwechslung zu den sonstigen eher süßen Frühstücksvarianten dar. Es etabliert sich langsam eine Aufteilung der Aufgaben in der Gruppe – Sonja und ich kümmern uns eher um das Kochen des Essens während  Heinz und Gerlinde den Abwasch übernehmen. Heute wartet die Überquerung des ersten richtigen Berges auf uns und wir starten wieder recht frühzeitig. Dabei steht Sonja meist schon fertig gepackt draußen, während ich noch mit Thermoskanne füllen und Zähneputzen beschäftigt bin.

Ausblick von der Aktse-Hütte vor dem Aufbruch

Die ersten paar Meter gehen wir den Weg zurück, den wir gestern gekommen sind, bevor es nordöstlich über den Rücken des Njunjes hinaufgeht. Der Weg wird dabei rasch  so steil und schmal, dass bald alle die Schi abschnallen und tragen, da dies wesentlich einfacher ist. Nachdem wir die Baumgrenze überwunden haben und der Weg wieder breiter wird, kommt Heinz mit nur noch 1,5 Stöcken den Berg hinauf. Sein nagelneuer Langlaufstock ist bei einem Anschubversuch einfach abgebrochen ☹. Zum Glück ist die Bruchstelle nahe der unteren Spitze sodass der abgebrochene Stock noch notdürftig verwendet werden kann.

Skipiste in Lappland

Der Weg wird nun breiter und ist nicht mehr ganz so steil, mit den Holzstangen und Andreaskreuzen wirkt es fast so, als befänden wir uns auf einer Schipiste in den Alpen. Wir schnallen uns die Schi wieder an und arbeiten uns bei kalten Temperaturen aber Sonnenschein den Njunjes hinauf. Die Weitblicke zurück in Richtung Süden über den Laitaure-See und den Tjaktjajaure-Stausee sind einzigartig und belohnen für die Anstrengung bergauf.

Hoch über dem Rapadalen

Unsere schwedischen „Freunde“ mit den beiden Huskies sind wieder einmal nach uns gestartet (die Hunde brauchen ca. 2 Stunden Verdauungszeit nach dem Frühstück) und laufen von einer HS (Hundestärke) unterstützt, locker bei uns vorbei. Schließlich erreichen wir den Sattelpunkt des Berges – es geht starker Wind und wir gleiten eine Weile relativ eben mit toller Aussicht dahin, bevor unsere erste steile und lange Abfahrt auf uns wartet.

Von nun an gehts bergab

Es ist ein relativ langes und steiles Stück im offenen Gelände welches am Ende eben ausläuft. Sonja versucht es als Erste und arbeitet sich Bogen für Bogen hinunter. Ich folge Ihr und versuche es zunächst im Pflug, beschließe aber dann, einfach per Schuss im tieferen Schnee abzufahren und überhole Sonja mit für Langlaufschi relativ hohen Tempo. Es geht alles gut und an der flachen Stelle, wo auch der Wind nicht mehr so stark geht, warten wir wieder zusammen. Auch die routinierte Schifahrerin Helga und Uyangaa meistern diese erste Herausforderung und Gerlinde wird von „Schilehrer“ Heinz hinunterbegleitet. Anschließend geht es wieder durch niedrigen Birkenwald wellig dahin und um die Mittagszeit hole ich die vorausgeeilten Sonja, Uyangaa und Helga wieder ein, die auf einem sonnigen und windgeschützten Plätzchen Pause machen. Ich hätte es nicht gedacht, aber bei diesen Bedingungen wären sogar meine obligatorischen Wanderrauchpausen möglich gewesen. Der Tabak ist jedoch zu Hause geblieben und somit stärken wir uns mit Wurst, getrockneten Oliven, Tomaten und anderen Snacks.

Heinz alleine am Sitojaure

Nach der Pause erreichen wir nach kurzer Zeit den See Sitojaure, den wir die restliche Etappe überqueren. Dabei sehen wir in der Ferne zuerst ein Rentier und dann eine kleine Samensiedlung an deren Anfang die Sitojaure-Hütten stehen. Auch hier haben wir wieder Einblick in ein weites Tal, das von schroffen Bergen umfasst wird. Die heutigen Aussichten machen verständlich, warum der Sarek-Nationalpark, in dem wir uns befinden, für viele ein Sehnsuchtsziel ist. Die Hüttenwirtin ist freundlich aber streng und gibt uns die üblichen Instruktionen (wo befindet sich was) erst, als die gesamte Gruppe angekommen ist.

Wetter genießen vor der Sitojaure-Hütte

Sitojaure hat keine Sauna und keinen Shop und so verbringen wir den restlichen Nachmittag in und vor der Hütte damit, miteinander und mit den anderen Hüttenbewohnern zu plaudern. Dabei lernen wir ein Tiroler Pärchen kennen, welches schon zum vierten Male mit Schi und Pulka am Kungsleden unterwegs ist.

Abendstimmung auf der Sitojaure-Hütte

Zum Abendessen machen wir aus ein paar getrockneten Schwammerl, einem getrockneten Wokmix und zwei Packungen Schwammerlsuppe eine reichhaltige Sauce zu einem Kilo Nudeln, sodass auch diesmal niemand hungrig ins Bett gehen muss.

09.04.2019 Sitojaure – Saltoluokta

Unser Frühstück (Grießbrei mit Rosinen und Nüssen) ist bereits verputzt, als uns die Hüttenwirtin den heutigen Wetterbericht überbringt. Der Tag soll abwechselnd Sonne und Wolken bringen, ähnlich wie gestern.

Das Thermometer in der Früh

Trotz -14 Grad Starttemperatur starten wir also optimistisch unsere heutige Tour. Von ein paar Schneeflocken, die beim Aufbruch um die Hütte wehen, lassen wir uns dabei nicht irritieren. Obwohl nicht abgestimmt, verlassen wir fast zeitgleich mit dem Tiroler Pärchen und noch einigen anderen Hüttenkameraden der letzten Tage die Sitojaure-Hütte und lassen nach kurzer Zeit die letzten Bäumchen unterhalb der Baumgrenze hinter uns liegen.

Kalt und windig, aber mit klarer Sicht

Es geht langsam fast unmerklich bergauf in das Tal des Vuomajanka-Flusses, der unter einer dicken Eis- und Schneeschicht verborgen ist. Der Schneefall wird entgegen der Vorhersage stärker und nach einiger Zeit ziehen auch die Wolken zusammen, sodass auch die Sicht nachläßt. Nach der ersten Stunde im welligen, aber insgesamt flachen Gelände sind außer 4-5 Stangen mit Andreaskreuzen nichts mehr zu sehen.

Andreaskreuze im Nebel suchen

Alles andere verschwimmt im Weiß des Scheesturms, der mittlerweile aufgezogen ist. Wir benötigen erstmals auf dieser Tour Schneebrillen und einen Mundschutz, damit wir ohne Kälteschäden weiterkommen. Sonja zieht wieder einmal alleine vorneweg in Richtung der Notunterkunft Autsutjvagge, die in der Mitte der heutigen Strecke liegt. Ich gehe gemeinsam mit Helga und Uyangaa in kurzen Abständen, damit wir uns nicht verlieren und Heinz begleitet etwas weiter hinten Gerlinde.

Expeditionsadjustierung

So arbeiten wir uns Stange für Stange voran und orientieren uns an den Felsen, die manchmal neben der Strecke wahrzunehmen sind und kleine Etappenziele bieten. Einmal kommt uns ein Mädchen aus Taiwan entgegen, welches Ihr Auslandsstudium in Schweden mit einer einsamen Trekkingtour am Kungsleden beginnt, sich ihre gute Laune aber keinesfalls vom heutigen schlechten Wetter verderben läßt. Als sich nach knapp drei Stunden Gehzeit der Nebel etwas hebt, sehen wir plötzlich den dreieckigen Notunterstand vor uns.

Der rettende Unterstand Autsutjvagge

Diesen „kenne“ ich bereits, da Sonja und ich hier vor 10 Jahre von Abisko kommend aufgrund Schneemangels umgedreht haben. Wie unterschiedlich dazu die Bedingungen in der frisch verschneiten Winterlandschaft des Autsusjahkka-Tales doch diesmal sind. In dem Shelter haben die Schweden mit den Huskies ein paar Holzscheite eingeheizt. Daher ist sie so warm, dass ich mir zuerst draußen das Gewand ausziehen muss, bevor ich die Temperaturen vertrage. In der Hütte lässt es sich angenehm Pause machen, und während wir als Gruppe wieder zusammenwarten, bessert sich das Wetter und entspricht der Vorhersage von heute früh.

Freude über besseres Wetter

Nach der Pause geht es nun bei stabilen Wetter und guter Sicht noch einige Zeit eben dahin. Danach muss noch ein Sattel erklommen werden, bevor es hinunter zum Suorvajaure und der Mountain Lodge Saltoluokta geht. Am Sattel werden wir von einer Gruppe von 15 Ski-Doos überholt – diese Art von Verkehr ist mir die letzten Tage nicht abgegangen.

Am Sattel vor der Abfahrt nach Saltoluokta

Das Bergabstück beginnt recht harmlos, wird aber rasch steil und eisig und damit unangenehm zu fahren. Irgendwie schaffe ich es dann zwar wackelig aber ohne Sturz bis zur Baumgrenze. Ab dann hat der Weg zwar enorme Wellen, aber bei jeder steileren Abfahrt ist schon ein Stück zu erspähen, wo es flacher wird. So komme ich recht gut hinunter und unmittelbar vor dem Haupthaus der Saltoluokta Mountain Lodge zu stehen.

Füsse wärmen am gemütlichen Ofen von Saltoluokta

Sonja ist wieder mal schon länger hier und hat uns schon alles organisiert. So können wir hier beim offenen Kamin mit Kaffee oder Kakao nach dieser ereignisreichen Etappe anstossen. Im Laufe des Nachmittags ist dann Luxus angesagt, wir stürmen alle die geräumige Sauna und machen auch abermals Bekanntschaft mit dem schwedischen „Sauna-Bier“ welches hier offentsichtlich gerne direkt in der Sauna getrunken wird.

Ausblick aus der Sauna

Am Abend entscheiden wir uns für das 3-Gangmenu. Dieses besteht im ersten Gang aus einem kleinen Rentierburger mit Salatbuffet und selbstgebackenen Brot.

Freude über das 3-Gang-Menu

Anschließend gibt es WhiteFish aus dem lokalen Gewässer, der jedoch sehr grätenreich und schwer zu essen ist und zum Abschluß gibt es Heidelbeerkuchen.

Jonas präsentiert das Essen

Präsentiert wird das Ganze zweisprachig von Jonas und der Küchencrew, die noch Interessantes zur Geschichte von Saltoluokta erzählen. Für morgen bestellen wir den Gepäckstransport über den See zur Busstation und singen Herta (die Frau von Heinz) ein Geburtstagsständchen aus Lappland, als Dank, dass sie Ihrem Mann für diese Reise frei gegeben hat. 😊

10.04.2019: Saltoluokta – Vakkotavare – Teusajaure

Nach dem gestrigen Abend startet auch der heutige Tag luxuriös mit Frühstücksbuffet um 07:30 Uhr.

Ausschnitt des Buffets

Mit einer Auswahl wie in einem Hotel können wir uns die Bäuche vollschlagen, bevor wir um 08:45 die heutige Etappe mit 4km zum Aufwärmen über den See beginnen. Dabei begleitet mich Olga, die uns gestern Abend noch an der Rezeption betreut hat. Sie hat heute einen Tag frei und wird auf der anderen Seite des Sees von einer Freundin aus Gällivare abgeholt.

Warnschild am Ufer

Wir erreichen schon um 09:30 Uhr das andere Ufer und haben noch viel Zeit, bis der Bus um 10:15 Uhr kommt. Trotzdem wird es dann knapp, weil Helga und Gerlinde, die den Scooter-Transport über den See gewählt haben, gemeinsam mit unserem Gepäck erst ankommen, als der Bus schon da steht. Da der öffentliche Verkehr in Nordschweden aufeinander abgestimmt ist, wartet der Bus natürlich. Im Bus lehnt der Busfahrer Zahlung mit Cash ab (Card only). So muss man bei einer Tour hier also gut kalkulieren, wo man mit Cash und wo mit Karte zahlen kann. In der Hütte in Aktse war die Bankomatkasse ausgefallen und nur Cash möglich.

Blick aus dem Bus

Mit dem Bus fahren wir zur STF-Hütte Vakkotavare genau dem blauen Himmel entgegen, der schon den ganzen Vormittag über dem oberen Suorvajaure zu sehen war. Der Bus macht seine Mittagspause von einer Stunde leider genau zur Halbzeit unserer Strecke, sodass wir eine Zwangspause im Stora Sjöfallet Visitor Center bei Vietas einlegen müssen. Dieses Schicksal teilen wir mit einigen anderen „Abenteurern“, die in diesem Bus sitzen. Ein alleinreisender, junger Oberösterreicher steigt mitten im Nirgendwo aus, um mit dem Zelt eine Woche des Sarek-Nationalpark zu durchqueren. Um 12:00 Uhr sind wir dann auch beim Startpunkt unserer heutigen Etappe und machen uns bei warmen Temperaturen vor der Vakkotavare-Hütte bereit. Beim steilen Aufstieg durch den niedrigen Birkenwald tragen wir unsere Schi und wenden dabei die von Helga entwickelte Tragetechnik an. Dabei werden die Schi zwischen Körper und Rucksack eingeklemmt, sodass die Hände frei bleiben, um mit den Stöcken beim Anstieg nachzuhelfen.

Unser erster Rastplatz

Nach dem Überwinden der Baumgrenze machen wir eine erste Pause und genießen das prachtvolle Panorama Richtung Sarek-Nationalpark. Dabei passiert uns ein älterer Herr, der sogar mit Pulka und Langlaufschi die steile Strecke bergab zu unserem Ausgangspunkt in Angriff nimmt, ohne abzusteigen.

Auch das schwedische Pärchen überholt uns wieder

Heute ist wirklich ein herrlicher Tag und obwohl der Aufstieg auf den Sattel zur Teusajaure-Hütte hinter jedem erklommenen, vermeintlichen Gipfel einen weiteren bereit hält, genießen wir einfach diese endlose, ruhige und bewegungslose Weite, die sich in allen Richtungen auftut.

Herrlicher Ausblick

An diesem herrlichen, wetterstabilen Tag entschließe ich mich, Sonja an der Spitzenposition zu begleiten und wir nehmen gemeinsam als Erste die Abfahrt zur Teusajaure-Hütte in Angriff. 

Sonja und ich warten beim Sattelpunkt

Zu Beginn gleiten wir mühelos hinab und wenn es zu schnell wird, verlassen wir die Spur und wechseln in den bremsenden Tiefschnee. Doch als der Teusajaure und die gleichnamige Hütte in Sicht ist, beginnt auch wieder der Bewuchs mit niedrigen Birkenwäldchen und die Spur wird enger und schwieriger zu fahen. Nach den ersten zwei Kurven schnallt Sonja die Schi ab, und versucht, zu Fuß weiterzukommen. Ich lasse die Schi angeschnallt und kann bis auf einen kleinen Schneekontakt mit viel Akrobatik einen Sturz vermeiden. Insgesamt brauche ich für die gesamte Bergabstrecke vielleicht 45 Minuten, was doch zeigt, wie vergleichsweise schnell man mit den Schiern im Winter unterwegs sein kann. Teusajaure hat eine Saunahütte und einen Shop, der gerade heute neu beliefert wurde. Durch den späten Start ist außer Sonja und mir noch niemand hier, als die Herrensauna beginnt.

Saunahütte von Teusajaure

An diese Sauna habe ich noch gute Erinnerungen von meinem Trip 2009 – die Hütte und der Ofen sind noch das gleiche Modell wie damals. Der Ofen heizt so stark, dass die drinnsitzenden Schweden beschließen, das Fenster nach draußen und die Tür zum Waschraum zu öffnen, und auf Durchzug zu stellen 😊.

Das Saunabier für alle ist bereits kaltgestellt

Als ich von der Sauna komme, sehe ich gerade Heinz über den See laufen, der mir berichtet, dass sich Uyangaa bei einem ihrer zahlreichen Stürze (sie stand noch nie auf Alpin-Schi und hat nur ein paar Langlauftrainingstage als Vorbereitung) am Knie verletzt hat und nur noch humpelnd zur Hütte gekommen ist. Alle anderen sind in der Zwischenzeit auch eingetroffen und nutzen die Mixed-Sauna.  Währenddessen mache ich mich ans Werk und koche aus den Einkäufen beim Shop Tortillas mit Linsen-Mais-Käsefüllung.

Sonnenuntergang über dem Teusajaure

Uyangaas Knie ist leicht angeschwollen und sie humpelt durch die Hütte und wir hoffen das Beste, dass es am nächsten Morgen wieder besser sein wird.

11.04.2019: Teusajaure – Kaitumjaure

Heute wartet unsere kürzeste Etappe auf uns und daher habe ich auf meine „Frühaufstehertruppe“ eingewirkt, es in der Früh langsam anzugehen. Uyangaas Knie ist weiterhin leicht angeschwollen und schmerzt. In der Ebene der Teusajaure-Hütten humpelt sie ganz gut voran, aber bergauf und bergab könnten kritisch sein. Ich helfe ihr dabei, Ihr Knie zu tapen und somit zu stabilisieren. Trotzdem beschließen wir, sie per Schneemobil-Transport nach Kaitumjaure bringen zu lassen und ihr so einen Ruhetag zur Genesung zu verschaffen.

Uyangaa am Schneemobiltransport zur nächsten Hütte

Die Damen können mit weiblichen Charme eine anwesende Runde von Schneemobilfahrern dazu bringen, für Uyangaa einen Umweg zur Kaitumjaure-Hütte zu machen. So verlässt sie heute als Erste unsere Hütte. Der Rest der Truppe startet nach einem Frühstück mit Milchreis und Blaubeersuppe. Die Temperaturen sind nach dem Traumwetter von gestern und der klaren Nacht noch empfindlich kalt. Der Hüttenwirt erzählt von -20 in der Nacht, wir starten bei immerhin noch -15. Dabei tragen wir die Schi gleich das erste Stück, da es hinter der Teusajaure-Hütte einmal gleich kräftig bergauf geht.

Gerlinde am Anstieg hinter Teusajaure

Als das Terrain wieder abflacht, schnallen wir die Schi an, und treffen auf die Scooter-Spur von Uyangaas Motorschlitten. Der Sattel zwischen Teusajaure und Kaitumjaure ist oben recht flach und als wir dann noch eine vorgerfertigte Sitzbank finden, die guten Windschutz bietet, legen wir auch auf dieser kurzen Etappe eine ausgiebige Mittagspause ein.

Eine vorgefertigte Sitzbank gibt Windschutz

Sonja möchte aufgrund der kurzen Etappe noch eine Verlängerung einlegen, mein konkretes Angebot ca. 500m auf einen der beiden flankierenden Berge hochzusteigen, nimmt sie dann aber doch nicht an. Der Himmel ist nicht ganz so strahlend blau, wie am Vortag und sobald wir die Abfahrt vom Sattel Richtung Kaitumjaure beginnen, setzt auch Wind ein.

Rückblick auf die Ausläufter der Abfahrt

Dieser weht jedoch aus der „richtigen“ Richtung wodurch Helga beim bergab gar nicht mehr zu bremsen ist. Wie schon beim Trainingstag zu Hause im Wechselgebiet kann ich ihr bergab nicht folgen, wenn wir die Schi beide laufen lassen. Nach einer schönen, steilen aber breiten Abfahrt kommen wir wieder an die Baumgrenze aber der Weg verläuft angenehm, nur leicht abfallend und schon bald kommt die Kaitumjaure-Hütte in Sicht, die etwas oberhalb des gleichnamigen Sees liegt.

Die Kaitumjaure-Hütte

Die letzten Meter zur Hütte gibt es zum Abschluss der Etappe noch einen kurzen, aber steilen Anstieg. Der Hüttenwirt, ein ca. 65-jähriger schwedischer Opa begrüßt uns schon und weiß von Uyangaa schon alles über uns. Er beschreibt Uyangaa als sehr positiven und gesprächigen Menschen 😊.

Uyangaa und der Hüttenwirt sind bereits Freunde

Diesmal dauert es nicht lange, und unsere Gruppe ist vollständig auf der Kaitumjaure-Hütte eingetroffen. Auch Gerlinde ist diesmal bergab schon alles ohne Abschnallen gefahren. Wir genießen den Nachmittag im sonnigen Windschatten der Hütte, und beobachten die fleißigen Mitarbeiter vom STF, die am morgen in Teusajaure das Holz zerkleinert haben und nach Scooter-Fahrt nun in Kaitumjaure die großen Stämme so zerlegen, dass wir Feuerholz daraus machen können.

Sonja entspannt beim Holzhacken

Mit uns auf der Hütte ist auch noch ein schwedische Pärchen, das eigentlich weitergehen wollte, nach der Mittagspause aber nicht mehr genügend Motivation aufgebracht hat. Da wir morgen bei der Singi-Hütte keinen Shop zur Verfügung haben werden, machen wir einen Großeinkauf (Der Hüttenwirt meint, es sei der zweitgrößte Einkauf diesen Winter) im Shop von Kaitum. Netterweise können wir schon um 17:00 Uhr die ziemlich neu errichtete Sauna-Hütte von Kaitumjaure als Mixed-Sauna nutzen, bis zum nächsten Aufguss sind es dann wieder zwei Tage!

Die Saunahütte von Kaitumjaure

Beim Abendessen gibt es Chili con Carne aus der Dose während eine Gruppe Eisfischer ihren frisch gefangenen Fisch im Wasser kochen. Sie sind mit Motorschlitten hierher gekommen und haben daher Luxusgüter wie Wein, Butter oder Käse mit im Gepäck. Offensichtlich erspähen sie unsere neidischen Blicke und bieten uns ein paar Stückchen des Fisches zum Kosten an.

Abendstimmung über dem schneebedeckten Kaitumjaure-See

Dieser schmeckt wirklich vorzüglich und wir können die Nachtruhe wieder einmal gut gesättigt antreten.

12.04.2019: Kaitumjaure – Singi

Am nächsten Morgen beraten wir wieder mit Uyangaa, wie ihre Reise mit dem lädierten Knie weitergehen soll. Die heutige Etappe ist laut Höhenprofil ziemlich flach und sie ist optimistisch, dass sie das trotz Verletzung schafft.

In der Pancake – Bäckerei …

Sonja und ich machen Pancakes (aus Pulver) mit Rosinen zum Frühstück während die anderen sich schon reisefertig machen. Der Hüttenwirt, der um Uyangaas Verletzung weiß, schickt einen STF-Mitarbeiter, der zufällig bei der Hütte weilt, um Uyangaas Knie zu untersuchen.

Uyangaas Knie wird gecheckt

Dieser ist nach kurzen Check auch nicht sicher, ob es gescheit ist, die Reise fortzusetzen. Als das schwedische Pärchen, welches heute ebenfalls hier übernachtet hat, feststellt, dass Uyangaa aufbrechen möchte, stellt sich der Mann als Arzt vor, und fragt Uyangaa, ob er sich das Knie mal ansehen soll. Er macht ein paar Stabilitätstests (kenne ich von meinen eigenen Knieverletzungen) und rät uns dann deutlich ab, weiterzufahren. Gemeinsam mit dem Hüttenwirt und dem STF-Mitarbeiter nutzen sie das in jeder Hütte befindliche Notfallstelefon um mit dem nächsten Krankenhaus in Gällivare zu beratschlagen.

Kurz nach dem Aufbruch

Schlussendlich schlagen sie vor, dass Uyangaa vom STF-Mitarbeiter mit dem Schneemobil nach Singi gebracht wird und dort mit dem Shuttle von Nikkaluokta geholt wird, um nach Gällivare zu kommen. So wird es dann gemacht und wir verabschieden uns von Uyangaa, die erst bei der Heimfahrt mit dem Zug wieder zusteigen wird. Wir verbliebenen fünf brechen mit etwas Verspätung (09:00 Uhr) auf und gehen gleich direkt hinter der Hütte querfeldein Richtung Weg nach Singi, um uns zusätzliche Höhenmeter zu ersparen. Wie der Hüttenwirt gesagt hat, treffen wir bald auf den Weg und folgen diesem ein paar Minuten durch die letzten Bäumchen als uns Uyangaa mit dem Motorschlitten überholt.

Wir werden von Uyangaa überholt

Dabei stellen wir fest, dass uns Heinz und Gerlinde abgehen, die schon jetzt nicht mehr in Sichtweite sind. Nach einigen Minuten (ich wollte gerade zurückgehen) tauchen sie aber auf und haben offensichtlich eine längere Variante gewählt. Nun geht es in voller Gruppenstärke leicht bergan immer dem Verlauf des Tjäktjajakka-Flusses folgend.

Rasch wechselndes Wetter

Das Wetter wechselt heute rasch. Manchmal zieht es fast komplett zu und mit dem aufkommenden Wind wird es dann rasch ungemütlich. Kurz darauf reißt es wieder auf und durch einen blauen Fleck am Himmel scheint die Sonne hindurch. Dadurch sind einige kleine Pausen notwendig, um das Gewand an die geänderten Bedingungen anzupassen. Nach einiger Zeit trennen sich die Spuren von den ausgesteckten Andreaskreuzen und der Weg führt direkt im breiten, dick zugefrorenen Flussbett des Tjäktjajakka.

Der Weg auf dem Tjäktjajakka

Ich kann mich erinnern, dass Sonja und ich vor zehn Jahren hier stellenweise Eis und Wasser durchschimmern sahen, diesmal liegt alles unter einer dicken Schneeschichte. Bald treffen wir auch auf Gegenverkehr, was immer ein Zeichen dafür ist, dass wir ca. bei der Hälfte der Wegstrecke sind. Die Charakteristik der Landschaft ist hier deutlich anders als zwischen Kvikkjokk und Saltoluokta. Es gibt keine Bäume und die höchsten Berge Schwedens werden hier durch die Gletscherflüsse eingeschnitten. Längere Pausen finden heute aufgrund des wechselhaften Wetters nicht statt und wir kommen rasch voran. Kurz nach Mittag sehe ich eine Gruppe von dunklen Flecken in der Landschaft, die ich für die Singi-Hütten halte. Sonja meint, dass es einfach Felsen sind und wir wetten um einen halben Schokoriegel. Die „Felsen“ verschwinden noch zweimal hinter kleinen Erhebungen.

Ankunft bei den „Felsen“ der Singi-Hütte

Als wir näherkommen, stellt sich heraus, dass ich recht habe und wir nicht mehr weit von den Singi-Hütten entfernt sind. Ca. 20 Minuten später erreichen wir die Hütten von Singi und treffen auf Uyangaa, die noch nicht abgeholt wurde und uns bereits unser 6er-Zimmer reserviert hat. Als unsere Gruppe vollständig eingetrudelt ist, kommt auch der Fahrer von Nikkaluokta und bringt Uyangaa in Richtung Krankenhaus.

Uyangaa als Schneemobilmoden – Modell

Da es bei Singi weder Shop noch Sauna gibt, vertreiben wir uns die Zeit mit den üblichen Hüttensportarten. Heinz und ich holen Wasser am weit entfernten Wasserloch.

Dabei entsteht ein legendäres Video, welches Heinz noch vor Ort geschnitten hat.

Wasserholen am ca. 4m tiefen Eisloch

Die Mädels gehen in die Vedbod (Holzhütte) und zerkleinern Holz auf alle möglichen Arten, damit wir in unserer Hütte nicht frieren müssen.

Ich beauftsichtige den Holztransport

Anschließend vertilgen wir die Reste unserer Vorräte, die wir nicht weiter mitnehmen müssen, denn in der nächsten und letzten Unterkunft Kebnekajse gibt es Vollpension und Shop. Auch die extrakleinen Wanderspielkarten von Heinz feiern Premiere bei einigen Partien „Jolly“.

Nachmittagssnack

Das Kochen und Essen ist etwas schwierig, da neben uns noch eine 6er-Gruppe Schwedinnen (die uns schon im Bus nach Vakkotavare gesehen haben) und eine 8er-Gruppe Schweden in der Hütte übernachten. Das ist bei vier Kochstellen und zwei Tischen schon relativ eng, aber hintereinander geht es ganz gut. Ich bin froh, dass wir hier zu sechst unterwegs sind, viel größere Gruppen wären in den Hütten wesentlich schwerer handzuhaben.

13.04.2019: Singi – Kebnekajse

Am nächsten Morgen zeigt sich das Wetter von der gleichen Seite wie gestern (nicht allzu kalt, bewölkt, leichter Wind) und wir stärken uns mit den letzten Resten unserer Essensvorräte (Knäckebrot, Marmelade, Tubenkäse und Salami, die wir eigentlich extra für die schon im Tal befindliche Uyangaa gekauft haben). Das Zusammenpacken ist schon Routine und wir starten kurz nach einer 12-köpfigen Gruppe Franzosen und den Schwedinnen aus unserer Hütte auf den Weg Richtung der Fjällstation Kebnekajse.

Die ersten und letzten Bergaufmeter für heute

Unser Weg führt direkt von Singi zuerst rund 150 Hm bergan auf den Sattel zwischen Sinnicohkka und Liddubakti. Hier in der Nähe von Schwedens höchsten Berg Kebnekajse wirkt die Landschaft durch die steinigen, felsigen Hänge sehr alpin. Nicht immer kann man direkt den Kreuzen folgen, da hier öfter die Felsen durch den dauernden Wind freigelegt sind. Kurz vor dem Sattelpunkt schimmert es eisigblau, als wir eine komplett vereiste Fläche umkurven müssen.

Blankes Eis am Sattelpunkt

Nach ca. 45 Minuten erreichen wir den höchsten Punkt unserer heutigen Etappe und haben einen weiten Blick ins Tal des Laddjujohka. und auf einige vereiste Wasserfällen, die sich von den Hängen links und rechts hinabstürzen.

Weiterhin alle gut gelaunt

Nun geht es in Etappen immer wieder ein Stückchen bergab und ein Stück eben dahin, sodass wir rasch und ohne große Anstrengung vorankommen und die Landschaft genießen können. Uns fallen Markierungen auf, wo zwei Andreaskreuze in unterschiedlichen Winkeln auf den Stangen angebracht sind. Nach kurzen Rätsel kommen wir drauf, dass diese Markierungen bei stärkeren Richtungswechsel angebracht werden, um den Wegverlauf in beide Richtungen anzuzeigen – bei schlechten Sichtbedingungen sicher sehr sinnvoll.

Das breite Tal vor Kebnekajse

Nach einiger Zeit verbreitet sich das Tal und wir befinden uns nun direkt am Fuße des Kebnekajse. Es ist in der Zwischenzeit leichter Rückenwind aufgekommen. Dies ist beim Langlaufen sehr angenehm, erschwert aber das Finden eines Rastplatzes.

Pause im Windschatten eines Felsens

Schlussendlich wählen wir den Windschatten eines größeren Felsen und beobachten während des Rastens zwei Tourengeher, die sich am Erklimmen der steilen Wände gegenüber des Kebekajses probieren.

Schneeskulpturen am Weg

Der Wind verstärkt sich noch und bläst uns regelrecht die wenigen verbliebenen Kilometer zur Fjällstation hin, sodass wir kurz nach 12:00 Uhr bei der letzten Hütte unserer Tour ankommen. Zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr wird im Haupthaus um 115 SEK ein Mittagsbuffet angeboten und ich kann meine Crew dazu überreden, dies auszunützen.

Lecker Mittagsbuffet in Kebnekajse

Auf Kebnekajse können über 150 Personen übernachten und nutzen die Hütte aus Ausgangsbasis zur Besteigung des gleichnamigen Berges oder Touren in die Umgebung. Auch zahlreiche Tagestouristen nutzen den regelmässigen Schneemobil-Shuttle zwischen Nikkaluokta und Kebnekajse.

Der Eingang zur Fjellstation Kebnekajse

Daher hat die Sauna auch am Nachmittag geöffnet und es gibt auch einen Shop mit erweiterten touristischen Angebot (Shirts, Stirnbänder, Blasenpflaster,…), den wir als Nachmittagsprogramm genau inspizieren. Aufgrund des üppigen Mittagessens verzichten wir auf das angebotene Mehrgangmenu am Abend und essen stattdessen unsere Einkäufe aus dem Shop von Kebnekajse.

14.04.2019: Kebnekajse – Nikkaluokta – Stockholm

Auch die letzte Nacht in einer Unterkunft in den schwedischen Bergen verläuft sehr angenehm. Mit gepackten Rucksack erwarten wir bereits um 07:00 Uhr die Öffnung des Restaurants zum Frühstücksbuffet das wie in Saltoluokta gut und reichlich ist. Aufgrund des guten Wetters entschließen sich alle auch die heutigen knapp 20km aus eigener Kraft zurückzulegen und nicht die Option des Motorschlittentransportes zu nutzen.

Aufbruch zur letzten Etappe

Es sind wirklich optimalste Bedingungen. Die Sonne scheint, und ein kräftiger Wind weht uns unserem Ziel entgegen. Die ersten Minuten von der Kebnekajse Fjällstation geht es bergab, sodass wir kaum antauchen müssen und auch die flache Strecke im Laddjuvaggi geht es locker dahin. Wir sehen das erste offene Wasser seit Tagen und nutzen mehrere Gelegenheiten, um die Landschaft und uns fotografisch und per Video festzuhalten. Der markierte Weg ist nur eine grobe Orientierung, denn durch den zahlreichen Schneemobil-Verkehr sind richtige Straßen abseits der Markierungen entstanden.

Ein Blick zurück in die Berge

Wir wählen teilweise auch die Spuren direkt auf den Laddjujohka, den Fluss, der dieses breite Tal ausgebildet hat. Ca. 2,5 Stunden nach dem Aufbruch erreichen wir den Laddjujavri und wählen diesen See mit perfekter Rundumsicht für unsere Mittagspause.

Mittagspause am See

Die Sonne brennt regelrecht vom Himmel und mir genügt eine einziges Shirt am Oberkörper, obwohl es wahrscheinlich nur einige Grade über 0 hat. Wir machen Sprungfotos und andere witzige Dinge und genießen den Rückblick auf den wolkenlosen Gipfel des Kebnekajse, der vermutlich auch nicht vielen Winterreisenden vergönnt ist.

Die ganze Gruppe hebt ab !

So werden diese letzten 10 km zu einer Genusstour auch wenn LapDonalds (ein samischer Fastfood-Holzschuppen mit Rentierburger) im Winter offensichtlich nicht geöffnet hat. Der Weg ist nun total flach und bietet abgesehen von der heute überragenden Aussicht wenig Spannendes. Es ist für mich gut nachvollziehbar, warum manche Reiseführer davon sprechen, dass man hier nichts versäumt, wenn man das Schneemobil nimmt.

Langlaufen entlang offener Flüsse

Wir hingegen genießen unsere letzten Kilometer entlang der verschneiten Ufer des offenen Laddjujohka in dessen Wasser sich die Sonne spiegelt. Um 14:00 Uhr erreichen wir das Samendorf Nikkaluokta, den Endpunkt unserer Langlauftour. Wir kaufen 5 große Dosen Bier zum Diskontpreis von SEK 30 und stoßen barfuss im Schnee auf diese gelungene und wunderschöne Tour an.

Abkühlung und Abschlussbier

Der Bus nach Kiruna kommt erst um 16:30 Uhr so bleibt genug Zeit sich durch die Speisekarte des Restaurants von Nikkaluokta zu kosten. Wir packen unsere Schi ein und nehmen auch Uyangaas Schi mit, die sie hier deponiert hat. Der Bus kommt pünktlich an und bringt uns in 1,5 Stunden nach Kiruna, wo schon der Zug nach Stockholm auf uns wartet.

Am Bahnhof von Kiruna

Nach einer Stunde Fahrzeit steigt Uyangaa in Gällivare zu, die sich in den zwei Tagen wo sie dort, mit den Exil-Mongolen aus dem Ort bekannt gemacht hat. So verbringen wir die letzte Nacht unserer Reise wieder vollständig im Zug nach Stockholm.

Nachtzug nach Stockholm

15.04.2019: Stockholm – Wien

Im Nachtzug nach Stockholm war ich diesmal im obersten Bett, da Uyangaa mit Ihrer Verletzung nicht gut raufklettern kann. Im Spital von Gällivari ist übrigens nichts Wesentliches passiert, die entsprechenden Untersuchungen werden erst in Wien stattfinden. Wir essen Frühstück im Zugsrestaurant und stellen fest, dass wir das schöne Wetter auch nach Südschweden mitgenommen haben. Um 09:45 Uhr kommen wir am Zentralbahnhof in Stockholm an. Uyangaa, die von Haus aus geplant hat, noch zwei Tage in Stockholm zu verbringen, hat unmittelbar neben dem Bahnhof ein Hotelzimmer gebucht, das wir zum Verstauen unseres Langlaufequipments nutzen, da unser Flug erst um 17:30 Uhr zurückgeht. So können wir noch 5 Stunden in Stockholm verbringen, wo wir bei wunderschönen aber relativ kalten Wetter die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt abklappern.

11.08.2018: Wien – Brixen – Plosehütte

Um 5:26 Uhr in der Früh stehe ich schon bereit bei der Schnellbahn in Korneuburg. „Dank“ Umbauarbeiten der ÖBB im Inntal müssen wir schon den Zug erwischen, der um 06:30 Uhr vom Hauptbahnhof wegfährt. Heinz, der nun schon das sechste Mal bei einer Tour dabei ist, steigt am Handelskai zu und Katharina ist pünktlich um 06:05 Uhr beim McDonalds am Hauptbahnhof, der jedoch zur Enttäuschung aller keine Ham and Eggs bietet. Wenig später steigen wir in den Zug und in Wien Meidling steigt noch Gerhard dazu, den ich beim Fussballzuschauen kennengelernt habe, und dessen „Schwiegermutter“ Brigitte bereits mit mir in Korfu war. Gleich zu Beginn entbrennt eine Diskussion darüber, ob unser Zug über Innsbruck fährt, oder ob wir schon in Wörgl umsteigen müssen.

Umsteigen in Wörgl

Nach Rückfrage beim Schaffner steigen wir in Wörgl aus und kaufen schnell ein Eis und ein wenig Proviant, bevor wir in den EC nach Rimini einsteigen. Der deutsche Zugschaffner unterhält uns mit witzigen Durchsagen. Als der Zug am Brenner länger als geplant stehenbleibt, erzählt er uns zum Beispiel, dass der Italienische Fahrer erst gefunden werden muss und man in der Zwischenzeit seine Nikotinsucht befriedigen kann. Mit 33 Minuten Verspätung kommen wir schlussendlich in Brixen an.

Ankunft am Bahnhof im Brixen

Dies holen wir aber rasch wieder auf, da der Bus, der uns zur Plosebahn Talstation bringt, nur 6 Minuten nach unserer Ankunft in Brixen einfährt. Trotz Hungers entscheiden wir, zuerst die Bergfahrt mit der Plose Kabinenbahn zu machen und erst dann einzukehren. Eine gute Entscheidung, da wir so das perfekte Essen im Restaurant bei der Bergstation schon mit Aussicht genießen können.  Von hier aus sieht man den Peitlerkofel und die eindrucksvollen Wände der Geisler-Gruppe, die wir übermorgen von der Nähe sehen werden – ein toller Einstieg für diese Tour.

Auf der Plose mit Geislergruppe im Hintergrund

Hier ist der Bär los – Wochenende, schönes Wetter und die bequeme Auffahrt spülen hunderte Leute auf die Berge. Einige davon werfen sich mit ihrem Gleitschirm gleich wieder ins Tal, was sehr schön anzusehen ist. Nach dem Essen gehen wir unsere ersten Schritte in den Dolomiten und müssen ca. 400 Hm bis zur Plosehütte überwinden. Da es bereits 15:30 Uhr ist, kommt uns die Mehrzahl der Leute entgegen und bei den Mengen ist das höfliche Grüßen, welches sonst in den Bergen gepflegt wird, schon ziemlich mühsam.

Die ersten Wandermeter auf dem Plose

Der Plose ist ein untypischer Berg in den Dolomiten, ist er doch gar nicht felsig, sondern eher ein überdimensionaler Grashügel, der leider von vielen Liften und Sendeanlagen verunstaltet ist. In knapp einer Stunde erreichen wir die Plosehütte, die immerhin schon auf 2.440m liegt und somit einen schönen Unterschied zu unserem heutigen Startpunkt in Wien auf 200m darstellt.

Die Plosehütte

Ein junger Mitarbeiter des Hüttenteams weist uns unser 8-Bett-Zimmer zu, welches wir zu viert benutzen können. Die Dusche bietet auch ohne Münzen unbegrenzt warmes Wasser, was auf Berghütten ebenfalls nicht selbstverständlich ist. Insgesamt sind in dieser Nacht nur knapp 30 Personen auf der Hütte, was schon eine wohltuende Abwechslung zu dem Gewimmel untertags darstellt. Sowohl die nachmittägliche Buttermilch als auch das Abendessen und die Kuchen sind von vorzüglicher Qualität, sodass niemand von uns hungern muss.

Abendpanorama vom Plosegipfel aus

Aufgrund der kurzen Nacht davor wird es in unserem Zimmer rasch ruhig und um 21:30 Uhr ist Nachtruhe.