11.05.2016: Agios Georgios – Valanio – Sokraki bzw. Spartilas

Auch unser Frühstück am nächsten Tag nehmen wir in der Taverne ein, wo der Wirt unseretwegen extra früher öffnet. Es sind weiterhin alle an Bord und über Nacht ausreichend erholt, um die heutige Etappe in Angriff zu nehmen.

Frühstück in Agios Georgios
Frühstück in Agios Georgios

Um die gestrigen Extra-KM ein wenig auszugleichen, kürze ich eine Schleife und ca. 250 Hm des Original Corfu Trails und wir machen uns unmittelbar auf den Weg zu den Dörfern Aspiotades und Manatades. Es ist heute erstmalig ein wenig bewölkt und so kommen wir bei angenehmen Wanderwetter zügig voran. Es gibt nur eine kleine Pause in der Apotheke von Agios Athanasios, um den Vorrat an Blasenpflastern wieder aufzustocken.

M&M in einer der Ortschaften am Weg
M&M in einer der Ortschaften am Weg

Noch vor Mittag erreichen wir das Etappenziel der Etappe 10 meines gelben Korfu-Wanderführers, eine relativ stark befahrene Straße in der Nähe der Ortschaft Drosato, auf der die korfiotische Polizei gerade Kontrollen durchführt. Ein Polizist wüsste auch schon den „richtigen“ Weg für uns, doch ich entscheide mich für die originale Variante des Corfu-Trails. Der gewählte Weg verwandelt sich in wenigen Minuten von einer Schotterstraße in einen herrlich verwachsenen, von meterhohen Gräsern und Farnen gesäumten Wanderpfad, der sogar von einer kleinen Bachüberquerung durchkreuzt wird.

Bachüberquerung
Bachüberquerung

Nach einigen Minuten, wo wir dem nur schwach ausgetretenen Steig folgen, endet dieser abrupt. Ein Blick auf das GPS zeigt, dass alle zwölf Wanderer eine Abzweigung verpasst haben, da unser Blick immer auf den Boden gerichtet war. Schnell korrigiert geht es nun ziemlich direkt bergauf, bis wir das Bergdorf Valanio erreichen, das wir uns für die Mittagspause ausgesucht haben. Rasch ist klar, eine offene Taverne gibt es hier keine, dafür einen „Supermarkt“, also ein 20 m2 großes Lokal, das von allem ein bisschen was hat.

Unser Rastplatz in Valanio
Unser Rastplatz in Valanio

Uns genügt es zum Erwerb von frischen Tomaten und einem Eis, welches wir am Hauptplatz verzehren und dabei die Katzen des Ortes beobachten, wie sie in einem kleinen Flugzeug im Vorgarten eines Hauses spielen. Nach ca. einer Stunde Pause geht es weiter, allerdings nur kurz, denn dann passiert ein kleiner Unfall. Herta steigt auf ein Gullygitter, von dem eine Strebe unter der enormen Last zusammenbricht und Herta bis zum Knie einbricht. Dabei erleidet sie ein paar Kratzer an der Hautoberfläche und das Knie bekommt einen ordentlichen Schlag ab.

Herta bestens betreut nach Ihrem Unfall
Herta bestens betreut nach Ihrem Unfall

Nach professioneller Erstversorgung durch die gelernte Krankenschwester Susanne, die ihr einen Verband anlegt, kann Herta aber weitergehen. Zum Glück verlassen wir die Stadt und lassen Gefahren wie Kanaldeckel somit hinter uns. Unser Weg führt sehr lange auf einer Schotterstraße fast auf gleicher Höhe entlang, was vor allem Dusanka sehr gut gefällt. Das letzte Stück vor Sokraki geht es von der Schotterstraße weg, auf einen sehr engen und steilen Wanderweg, der von zahlreichen dornigen Gewächsen gesäumt ist.

Dornenreicher Weg nach Sokraki
Dornenreicher Weg nach Sokraki

Mehr als einmal bleibt mein Rucksack irgendwo hängen und am Ende muss ich mir zahlreiche dornige Blätter aus den Haaren und dem Gewand entfernen. Abseits des Weges sehen wir einen ausrangierten Herd liegen. Leider nicht das erste Mal, dass wir mehr oder weniger große Müllablagerungen in der idyllischen Landschaft sehen. Der Weg öffnet sich und führt in das Dorf Sokraki. Nach der Buchung der ersten sechs Wanderer habe ich in der Nachbarortschaft Spartilas unser Quartier reserviert. Als weitere sechs dazu kamen, war nur mehr Platz für zwei und ich musste daher die Agallis Corfu Studios im Ort Sokraki dazubuchen. Wir betreten die Appartementanlage und staunen nicht schlecht, welch schicke Unterkunft sich in diesem unscheinbaren Örtchen verbirgt. Ein Pool, ein toller Ausblick, sehr saubere und liebevoll eingerichtete Zimmer sowie ein Geschenkskorb mit Olivenöl, Marmelade, Kekse und Limoncello erwarten uns.

Geschenkskorb im Agallis Residence Suite
Geschenkskorb im Agallis Residence Suite

Für Herta gibt es von der sehr netten Wirtin auch ein Coolbag für ihr Knie. Weil Platz ist, beschließen wir, dass neben M&M, Sonja und mir auch Heinz und Herta hier bleiben, damit sich das Knie erholen kann. Ich begleite ohne Gepäck noch den Rest der Gruppe auf den ca. 1-stündigen Weg nach Spartilas. Dieser Weg ist schön und abwechslungsreich und führt zum Schluss durch ausgedehnte Weinplantagen. Sogar Artischoken und andere faszinierende Gewächse finden wir vor. Der letzte Teil des Weges geht wieder einmal auf Asphaltstraßen bis zum Beginn des Dorfes Spartilas, welches langgezogen am Hang des Berges Pantokrator liegt und herrliche Ausblicke auf Korfu-Stadt bietet. Leider liegt die Villa Elia am anderen Ende der Hauptstraße und so gibt es noch 15 Minuten Extra-Gehzeit, die ich auch wieder zurückgehen darf. Die Villa Elia ist ebenfalls eine traumhafte, feudal eingerichtete Unterkunft mit herrschaftlichem Kaminzimmer im EG und drei schönen Doppelzimmern im 1. Stock. Günter möchte mich unbedingt überreden, dass ich per Taxi wieder zurück nach Sokraki fahre, ich lehne jedoch dankend ab und mache mich um 18:00 Uhr mit Hertas Gepäck zurück auf den Weg. Bergab laufend und bergauf mit schnellem Schritt bin ich 40 Minuten später wieder zurück bei den anderen, nachdem der Hinweg fast 1 Stunde 30 Minuten gedauert hat.

Hängematte mit Meeresblick in der Ferne
Hängematte mit Meeresblick in der Ferne

Sonja und Co. haben es sich inzwischen gemütlich gemacht. Nach einer Dusche machen wir uns zu sechst schon auf die Suche nach einer Taverne. Am übersichtlichen Hauptplatz finden wir neben einer kleinen, einfachen Schankstube mit einer Snack-Speisekarte auch ein Geschäft mit Olivenschnitzereien, welches ausgiebig erkundet wird. Der Wirt der Taverne ist sehr bemüht und wir bekommen Saganaki (Gebackenen Fetakäse) und Tzatziki für alle.

Gut versorgt in der Taverne von Sokraki
Gut versorgt in der Taverne von Sokraki

Bei Hertas Versuch, den Roséwein als Salatmarinade zu verwenden, bekommt der Wirt beinahe einen Kollaps, greift sich verneinend an den Kopf und holt rasch den fehlenden überreifen Essig. Sogar der Wunsch nach einer Nachspeise wird uns durch einen Karton mit übrig gebliebenen Hochzeitsbäckereien erfüllt. Inzwischen beobachten wir das Dorfleben (Sonja spricht von einer Inszenierung), wie sowohl der älteste als auch ein jüngerer Dorfbewohner in der Taverne vorbeischauen, um die ersten Touristen des Jahres zu begutachten. Mit den ersten Regentropfen unserer Wanderwoche kehren wir zu unserer Unterkunft zurück, wo wir in der Ferne einige Blitze beobachten können.

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