13.08.2018: Schlüterhütte – Regensburger Hütte

Der Morgen beginnt verheissungsvoll mit einem Blick aus dem Fenster, wo nur wenigen Wolken die Spitzen der Geisler-Gruppe bedecken. Um Punkt sieben öffnet der Frühstücksraum und man muss sich in einer schon beachtlichen Schlange von hungrigen Wanderern anstellen, bevor man zu Käse, Schinken und Frühstücksei kommt. Trotzdem schaffen wir es, bereits um 08:00 Uhr abmarschbereit vor der Hütte zu stehen. Zum Warm-Up geht es eine Forststraße 200Hm bergab, vorbei an einer kleinen Alm, auf der man auch übernachten hätte können.

Gehen auf der Forststrasse zum Aufwärmen

Ich denke mir, dass ich bei einer evtl. nächsten Tour in den Dolomiten eher kleinere Übernachtungsmöglichkeiten suchen würde. Gerhard „verneigt“ sich vor einem Südtiroler Forststraßenverbesserer, kommt aber zum Glück mit einer kleinen Wunde davon. Wir gehen entlang des Adolf-Munkel-Weges überwiegend im Wald immer in der Nähe der Schotterfelder der Geislergruppe.

Gedenktafel Adolf-Munkel-Weg

Mein Blick ist oft auf diese steil aufragenden Felsspitzen gerichtet, auch um nach Wanderern Ausschau zu halten, die über eine der Scharten dieses Gebirge queren.

Beratschlagung über den weiteren Weg

Aufgrund des angesagten Regens für den Nachmittag entscheiden wir, den Umweg über die Brogleshütte nicht zu gehen und über den Steig 6A gleich direkt zur Panascharte aufzusteigen. Alle Wanderwege in den Dolomiten sind mit Nummern bezeichnet und diese sind bei jeder Kreuzung von zwei Wegen deutlich ausgeschildert, sodass der Blick auf die Karte oder gar auf das GPS eigentlich nicht notwendig ist.

Panorama am Weg zur Panascharte

Wie schon am Tag zuvor zerstreut sich das Feld am Weg hinauf zur Scharte, jeder geht sein eigenes Tempo und an der Stelle wo unser Weg mit dem Weg von der Brogleshütte zusammentrifft, warten wir wieder zusammen. Unmittelbar darauf erhalten wir einen ersten Einblick in die Panascharte und werden gleich von ein paar fallenden Steinen begrüsst, die ein Vater mit seinen drei kleinen Kindern auslöst. Der Weg ist sehr schmal, manchmal knapp an den Felsen entlang, aber eigentlich gut mit riesigen Baumstämmen abgesichert, bzw. kleine Holztreppen angelegt.

In der Panascharte

Es ist relativ viel Verkehr, was aus meiner Sicht das Gefährlichste an diesem Weg ist. Wir begegnen einer italienischen Familie mit einer traumatisierten Teenager-Tochter, die kaum einen Schritt voranwagt und einer Gruppe Österreichern, wo ein Mädel sich mit starken Knieschmerzen auf den Weg hinunter durch die Scharte macht. Heinz schenkt ihr seine Wanderstöcke, damit sie eine bessere Chance hat, dies gesund zu überstehen. Als wir das Ende der Scharte erreichen, stellen sich gleich zwei „Wow“-Erlebnisse ein. Der erste Blick fällt auf die gegenüberliegende Gebirgskulisse von Langkofel und der Rosengartengruppe.

Der Langkofel-Stock in den Wolken

Der zweite Blick auf hunderte von Halbschuhtouristen, die auf der Alm-Landschaft auf der Südseite der Geislergruppe herumlaufen.

Ein Sessellift bis zur Spitze und dutzende Restaurants und Almen auf dem golfplatzgepflegten Rasen tun ihr Übriges dazu, den Kontrast zu dem alpinen Aufstieg riesengroß erscheinen zu lassen.

Almabtrieb

Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und ich verbringen die Mittagspause damit, den Leuten beim Aufstieg durch die Panascharte zuzusehen. Für unsere letzte Stunde Wegzeit zur Regensburger Hütte versuchen wir das Gewimmel möglichst zu umgehen und nehmen dafür sogar ein paar Extrameter in Kauf.

Eindrucksvolle Steinformation

Auf der Regensburger Hütte kommen wir um 14:30 Uhr an und Gerhard bestellt sich endlich den ersten Kaiserschmarren auf dieser Tour, nachdem er dies schon öfter zuvor angekündigt, aber nicht umgesetzt hat.

Regensburger Hütte – Rifugio Firenze

Wir bekommen ein Drei-Bett- und ein Einzelzimmer zugewiesen. Dieses überlassen wir gerne unserer Mitwanderin Katharina. Da wir so früh am Ziel angelangt sind, habe ich noch Lust die gegenüberliegende Scharte Forc de Piza zu erklimmen. Dort ist ein Fels zu sehen, der je nach Betrachtungswinkel wie ein Finger oder wie ein Seepferd aussieht. Ich kann Heinz überreden mitzukommen, während Gerhard und Katharina unseren Aufstieg von der Hütte aus beobachten können. Beim Aufstieg scheint nach wie vor die Sonne, aber rundherum sind schon einige dunkle Wolken zu sehen. Die letzten zwanzig Minuten sind wir wieder in einer Scharte, die wie die Panascharte mit Holzstämmen und Treppen aber gut abgesichert ist.

Ausblick auf die Extratour von Heinz und mir

Als wir nach einer Stunde Gehzeit oben angelangt sind, fallen die ersten Tropfen Regen und wir werfen nur einen kurzen Blick auf die andere Seite des Kammes. Durch das Donnern in der Ferne werden wir bergab immer schneller und das Ganze endet in einem Bergablauf, der uns knapp 20 Minuten später wieder zur Hütte bringt ! Zum Glück sind wir kaum nass geworden, bevor es wirklich stark zu regnen beginnt. Beim Abendessen fällt vor allem eine extrem lautstarke Gruppe von Bayern am Nebentisch auf, die allzu langes Verweilen im Gastraum unangenehm macht. Heinz lädt uns noch auf eine Runde Nussschnaps ein, bevor es wieder recht zeitig zu Bett geht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.