08.04.2019: Aktse – Sitojaure

Nach einer weiteren ruhigen Nacht brechen die ersten Wanderer schon um 06:00 Uhr auf. Beim Weg zur WC-Hütte (Plumpsklo mit warmen Schaumstoffsitzen), die auf dem abschüssigen Gelände schwer zu erreichen ist, rutsche ich mit meinen profillosen Hüttenschuhen gleiche einmal aus. Jetzt wird klar, warum in der Nacht jeder versucht, WC-Gänge zu vermeiden 😊.

Vorbereitung der Scrambled Eggs

Die Scrambled Eggs (aus Pulver) zum Frühstück fallen eher in die Kategorie „einmaliges Experiment“, stellen aber trotzdem eine Abwechslung zu den sonstigen eher süßen Frühstücksvarianten dar. Es etabliert sich langsam eine Aufteilung der Aufgaben in der Gruppe – Sonja und ich kümmern uns eher um das Kochen des Essens während  Heinz und Gerlinde den Abwasch übernehmen. Heute wartet die Überquerung des ersten richtigen Berges auf uns und wir starten wieder recht frühzeitig. Dabei steht Sonja meist schon fertig gepackt draußen, während ich noch mit Thermoskanne füllen und Zähneputzen beschäftigt bin.

Ausblick von der Aktse-Hütte vor dem Aufbruch

Die ersten paar Meter gehen wir den Weg zurück, den wir gestern gekommen sind, bevor es nordöstlich über den Rücken des Njunjes hinaufgeht. Der Weg wird dabei rasch  so steil und schmal, dass bald alle die Schi abschnallen und tragen, da dies wesentlich einfacher ist. Nachdem wir die Baumgrenze überwunden haben und der Weg wieder breiter wird, kommt Heinz mit nur noch 1,5 Stöcken den Berg hinauf. Sein nagelneuer Langlaufstock ist bei einem Anschubversuch einfach abgebrochen ☹. Zum Glück ist die Bruchstelle nahe der unteren Spitze sodass der abgebrochene Stock noch notdürftig verwendet werden kann.

Skipiste in Lappland

Der Weg wird nun breiter und ist nicht mehr ganz so steil, mit den Holzstangen und Andreaskreuzen wirkt es fast so, als befänden wir uns auf einer Schipiste in den Alpen. Wir schnallen uns die Schi wieder an und arbeiten uns bei kalten Temperaturen aber Sonnenschein den Njunjes hinauf. Die Weitblicke zurück in Richtung Süden über den Laitaure-See und den Tjaktjajaure-Stausee sind einzigartig und belohnen für die Anstrengung bergauf.

Hoch über dem Rapadalen

Unsere schwedischen „Freunde“ mit den beiden Huskies sind wieder einmal nach uns gestartet (die Hunde brauchen ca. 2 Stunden Verdauungszeit nach dem Frühstück) und laufen von einer HS (Hundestärke) unterstützt, locker bei uns vorbei. Schließlich erreichen wir den Sattelpunkt des Berges – es geht starker Wind und wir gleiten eine Weile relativ eben mit toller Aussicht dahin, bevor unsere erste steile und lange Abfahrt auf uns wartet.

Von nun an gehts bergab

Es ist ein relativ langes und steiles Stück im offenen Gelände welches am Ende eben ausläuft. Sonja versucht es als Erste und arbeitet sich Bogen für Bogen hinunter. Ich folge Ihr und versuche es zunächst im Pflug, beschließe aber dann, einfach per Schuss im tieferen Schnee abzufahren und überhole Sonja mit für Langlaufschi relativ hohen Tempo. Es geht alles gut und an der flachen Stelle, wo auch der Wind nicht mehr so stark geht, warten wir wieder zusammen. Auch die routinierte Schifahrerin Helga und Uyangaa meistern diese erste Herausforderung und Gerlinde wird von „Schilehrer“ Heinz hinunterbegleitet. Anschließend geht es wieder durch niedrigen Birkenwald wellig dahin und um die Mittagszeit hole ich die vorausgeeilten Sonja, Uyangaa und Helga wieder ein, die auf einem sonnigen und windgeschützten Plätzchen Pause machen. Ich hätte es nicht gedacht, aber bei diesen Bedingungen wären sogar meine obligatorischen Wanderrauchpausen möglich gewesen. Der Tabak ist jedoch zu Hause geblieben und somit stärken wir uns mit Wurst, getrockneten Oliven, Tomaten und anderen Snacks.

Heinz alleine am Sitojaure

Nach der Pause erreichen wir nach kurzer Zeit den See Sitojaure, den wir die restliche Etappe überqueren. Dabei sehen wir in der Ferne zuerst ein Rentier und dann eine kleine Samensiedlung an deren Anfang die Sitojaure-Hütten stehen. Auch hier haben wir wieder Einblick in ein weites Tal, das von schroffen Bergen umfasst wird. Die heutigen Aussichten machen verständlich, warum der Sarek-Nationalpark, in dem wir uns befinden, für viele ein Sehnsuchtsziel ist. Die Hüttenwirtin ist freundlich aber streng und gibt uns die üblichen Instruktionen (wo befindet sich was) erst, als die gesamte Gruppe angekommen ist.

Wetter genießen vor der Sitojaure-Hütte

Sitojaure hat keine Sauna und keinen Shop und so verbringen wir den restlichen Nachmittag in und vor der Hütte damit, miteinander und mit den anderen Hüttenbewohnern zu plaudern. Dabei lernen wir ein Tiroler Pärchen kennen, welches schon zum vierten Male mit Schi und Pulka am Kungsleden unterwegs ist.

Abendstimmung auf der Sitojaure-Hütte

Zum Abendessen machen wir aus ein paar getrockneten Schwammerl, einem getrockneten Wokmix und zwei Packungen Schwammerlsuppe eine reichhaltige Sauce zu einem Kilo Nudeln, sodass auch diesmal niemand hungrig ins Bett gehen muss.

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