18.02.2013 Soller – Refugi Tossal Verds

P1020519Heute verzichten wir auf das matte Frühstück in der Herberge und setzen uns tatsächlich schon gegen 08:30 in ein Cafe am Hauptplatz von Soller und testen die frisch gebackenen Köstlichkeiten einer mallorquinischen Bäckerei. Neben den allerorts verkauften Kugeln aus Kartoffelteig mit Kokosgeschmack bleibt vor allem ein Backwerk in Erinnerung, das aussieht wie ein Plunder mit Pudding und Nussfüllung, nur daß sich die Nussfüllung als gezuckerte Chorizo-Salami herausstellt !

Dann geht es los mit unserer „Königsetappe“, wie sie Reinhold immer bezeichnet. Zuerst führt der Weg noch auf Strassen nach Biniaraix. Dort startet für die nächsten 800 Höhenmeter ein 1 – 1,5m breiter Weg aus Steinen mit kleinen Stufen, der sich in einer Schlucht zwischen zwei knapp 1000m hohen Bergen hochschlängelt. IMG_0974Die Arbeit, die in der Erhaltung dieses Weges aber auch in den kilometerlangen Trockensteinmauern steckt, die den Weg links und rechts säumen, übersteigt meine Vorstellungskraft. Reinhold erzählt uns, daß er bisher immer Arbeiter getroffen hat, die den Weg instandhalten und auch heute treffen wir welche bei unserem Aufstieg. Wir passieren zwei Quellen auf unserem Weg bergauf, die ersten Möglichkeiten auf unserer bisherigen Wanderung auch unterwegs zu trinken. Mallorca kann auch im Frühling ein trockenes Land sein. Trinken, welches unterwegs benötigt wird, muß immer schon in der Früh besorgt und mitgenommen werden. Optimalerweise tut man dies im Supermarkt, da das Wasser aus der Leitung zumeist stark gechlort ist. Wir überqueren immer wieder ein ausgetrocknetes Bachbett. IMG_0975Während der Weg die Möglichkeit bietet, von Stein zu Stein zu hüpfen und sich dabei anzuhalten, können wir seelenruhig durch die „Bäche“ durchmarschieren. Je höher wir kommen, desto schöner sind die Rückblicke auf Soller, das immer kleiner wird und einem einen guten Eindruck vermittelt, wie hoch man schon geklettert ist. IMG_0983Gegen Ende des Ansteiges werden die Serpentinen enger und steiler, was einen Mountainbiker nicht davon abhält, diesen Weg bergauf zu strampeln. Bergab ist diese Strecke mit den 1000en kleinen Stufen sicher eine Herausforderung an Mensch und Material. Der Weg führt direkt zu einer Felswand und nutzt geschickt einzelne flachere Stellen, um weiter Höhe zu gewinnen. Wir machen eine ausgiebige Pause, um das tolle Panorama zu genießen, und die Gruppe wieder zu vereinen, die über den langen Anstieg stark auseinandergefallen ist. Anschließend geht es noch ein letztes Stück bergauf und ich sehe am Gegenhang die ersten und einzigen Kühe auf Mallorca. Kein Wunder, daß man im Supermarkt vergeblich nach Frischmilch sucht. Auf unserem höchsten Punkt der heutigen Etappe macht eine entgegenkommende Gruppe eines der wenigen Fotos von uns, wo wir alle 6 darauf zu sehen sind.  Anschließend geht es leicht bergab zum See Cuber, an dessen Ufer wir abermals Pause machen. Der am Vormittag noch überwiegend sonnige Himmel hat sich ein wenig zugezogen, und so verbrennen wir ein paar herumliegende Äste auf dem Steinuntergrund am Ufer des Sees. Obwohl man meist gerne an einem Seeufer wandert, ist dieser Weg eher trostlos, da es auf einem Art Damm relativ lange gerade dahingeht. Wir entscheiden uns, am Ende des Sees nicht dem GR221 zu folgen und einen Gipfel somit relativ weitläufig und flach zu umrunden sondern für die sportliche Variante, die uns direkter aber mit mehr Höhehdifferenz zu unserem Etappenziel führen soll. Nach den letzten ca. 150 Bergauf-Höhenmeter des heutigen Tages hat man eine schönen Ausblick auf den Puig Major, den höchsten Berg Mallorcas, der aber durch eine Radarstation verschandelt und durch das Militär gesperrt ist. Auch der Cuber-See ist von oben auch noch einmal schön zu sehen. IMG_0992Dann geht es wieder steil bergab, vorbei an den Resten eines Kleinflugzeuges. Da Motor, Cockpit und die Flügel über große Entfernungen verteilt sind, kann man sich dramatisch ausmalen, was hier vor langer Zeit passiert ist. Wir wandern leicht bergab in eine immer enger werdende Schlucht und passieren auch ein Stück, welches mit Seilen versichert ist und schon das Attribut Klettersteig verdient.Mallorca_X 308 Der Himmel hat sich weiter zugezogen und ein paar Regentropfen sind zu spüren. Der steinige Weg gespickt mit kleineren Felsen wird immer rutschiger. In der Ferne sieht man den Gebirgsstock Puig de s´Alcadena, der in dunkle Wolken gehüllt recht bedrohlich aussieht. Mallorca_X 300Nach dem Kletterstück wird die Schlucht wieder breiter und es geht noch ein Stückchen bergan auf einen Sattel, bevor die Hütte Tossal Verds zu sehen ist. Nach einem kurzen Ab- und Anstieg erreicht die Vorhut mit Beate und mir die Hütte, bevor es stärker zu regnen anfängt. Sabine empfange ich mit einer fertig gedrehten Zigarette, um den Abschluss der Königsetappe zu „feiern“. Die Hütte selbst ist die erste „echte“ Berghütte. Mallorco_b 693Sie liegt auf ca. 500m eingebettet in niedrige Wäldchen bestehend aus mediterranen Büsche und Bäumchen und ist nur durch eine Schotterstrasse erreichbar. Der Gastraum innen wird von einem tollen offenen Kamin mit riesiger Feuerstelle dominiert, der Abzug funktioniert jedoch ausgezeichnet und so ist kaum etwas zu riechen. Reinhold und Franziska erben eine Zwei-Bett-Suite, da ein anderes Pärchen die Hütte nicht erreicht, und wir anderen 4 werden in einem 8-Bett-Zimmer einquartiert, das wir aber mit niemanden teilen müssen. Die Dusche bietet wechselhaft kaltes und lauwarmes Wasser, dafür entschädigt ein frisch gekochtes Abendessen mit der obligatorischen Orange als Nachspeise sowie spanischen Bier und Wein. Hauptgesprächsthema am Tisch sind die Dinge, die wir 4 wohl in der Nacht anstellen werden, da wir dem verliebten Pärchen Reinhold und Franziska ja nicht nachstehen wollen. Und auch noch in unseren Stockbetten wird daran noch eifrig weitergesponnen und wir wenden aneinander die „Lachtherapie“ an.

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